Er möchte uns Herzen schenken

Der israelische Forscher Tal Dvir will künftig menschliche Organe mit dem 3-D-Drucker herstellen.

Beschreibt sein neues Verfahren als «Advanced Science»: Tal Dvir. Foto: Reuters/Nir Elias

Beschreibt sein neues Verfahren als «Advanced Science»: Tal Dvir. Foto: Reuters/Nir Elias

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Tal Dvir ist die Begeisterung anzumerken. Mit einfachen Folien versucht der 45-jährige Forscher zu erklären, woran er seit Jahren arbeitet: wie Organe im 3-D-Drucker hergestellt werden können, um Spenderorgane überflüssig zu machen. Mit seinem Team ist es dem Tel Aviver Professor gelungen, erstmals ein Herz aus einem 3-D-Drucker herzustellen. Der Prototyp hat die Grösse eines Hasenherzens und besteht aus Gewebe, Blutgefässen und Kammern.

Wissenschaftlern sei es schon vorher gelungen, ein Herz im 3-D-Drucker nachzubilden, sagt Dvir, «aber noch nie mit Zellen und Blutgefässen». In ähnlichen Versuchen seien nur synthetische Stoffe oder anderes Gewebe verwendet worden, aber noch nie das Gewebe eines Patienten. Dieses Verfahren, sagt er, vermindere bei Transplantationen die Gefahr einer Immunabwehr.

Die israelischen Wissenschaftler haben unter Dvirs Aufsicht Fettgewebe eines Patienten entnommen, das sie für die Entwicklung der «Tinte» für den 3-D-Drucker verwendeten. Damit erzeugten sie in einem ersten Schritt menschliches Herzgewebe, anschliessend schufen sie ein komplettes Herz. Das Verfahren beschrieben Dvir und sein Team in einem Artikel im Magazin «Advanced Science».

Bildstrecke: Forscher drucken Miniherz aus menschlichem Gewebe

Seit 2011 hat Dvir sein eigenes Team, mit dem sich der verheiratete Familienvater vor allem mit der Regeneration und dem Ersatz von Herz- und Hirngewebe beschäftigt. Nun steht Dvir plötzlich im Mittelpunkt des Interesses, bisher waren seine Publikationen nur in der Fachwelt bekannt. Als Star sieht sich der unprätentiös auftretende Israeli mit dem markanten Glatzkopf allerdings nicht; sogar bei einem Besuch von Staatspräsident Reuven Rivlin in seinem Labor trat er wie immer mit Jeans und einem T-Shirt unter dem Hemd auf.

Dvir hat an der Ben-Gurion-Universität Biotechnologie studiert. Schon während seines Studiums setzte er sich mit der Regeneration und dem Ersatz von Herzen auseinander. Wie so viele Israelis, die es in der Wissenschaft weit bringen wollen, zog es ihn mit dem Doktortitel in der Tasche in die USA. Er bekam einen Platz im Labor von Bob Langer am Massachusetts Institute of Technology (MIT). 2011 erhielt er ein Angebot zur Rückkehr in die Heimat von der Tel Aviv University, die ihm ein eigenes Labor einrichtete. Dort forschte er mit Studenten zu regenerativen Medizinmethoden und dem Ersatz von Gewebe.

Beträchtliche Hürden bis zur echten Transplantation

Auf die Forscher um Tal Dvir warten viele weitere Tage und Nächte im Labor. Sie müssten den gedruckten Herzen beibringen, «sich wie echte zu benehmen», sagt Dvir. Die Zellen könnten sich zusammenziehen, seien aber noch nicht fähig zu pumpen. Binnen eines Jahres sollen solche Herzen in Tierversuchen getestet werden.

Bis Herzen aus einem 3-D-Printer tatsächlich für Transplantationen bei Menschen zur Verfügung stehen, sind nach Angaben der Forscher noch beträchtliche Hürden zu überwinden. So wissen die Forscher noch nicht, wie sie die kleinsten Blutgefässe drucken sollen. Dvirs Ansicht nach werden zuerst einfachere Organe im 3-D-Drucker entstehen. Seine Vision: «Vielleicht gibt es in zehn Jahren in den besten Krankenhäusern weltweit Organdrucker, und die Verfahren werden routinemässig angewandt.»

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 16.04.2019, 20:37 Uhr

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