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Genforscher finden mögliche Erklärung für Homosexualität

Forscher glauben, das wissenschaftliche Rätsel gelöst zu haben, warum Homosexualität in manchen Familien gehäuft vorkommt. Der Grund sollen bestimmte Anhängsel an der Erbsubstanz sein.

Ein vererbter Schutzmechanismus soll die sexuelle Präferenz umkehren: Ein homosexuelles Paar an einer Parade in Ecuador. (Archivbild)
Ein vererbter Schutzmechanismus soll die sexuelle Präferenz umkehren: Ein homosexuelles Paar an einer Parade in Ecuador. (Archivbild)
Keystone

Ein Mechanismus, der die Aktivität von Genen regelt, könnte die Homosexualität beim Menschen erklären. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam in einer Studie. Demnach kehrt ein irrtümlich vererbter Schutzmechanismus die sexuelle Präferenz um. Die Mathematiker und Biologen glauben, damit das Rätsel gelöst zu haben, weshalb Homosexualität in manchen Familien gehäuft auftritt, obwohl bislang kein entsprechendes Gen gefunden wurde.

Aus Sicht der Evolutionsbiologie ist Homosexualität ein Rätsel: Wäre sie erblich, hätte diese Eigenschaft infolge der natürlichen Selektion mit der Zeit verschwinden müssen – da sie der Fortpflanzung nicht eben förderlich ist. Dennoch ist Homosexualität in den meisten Kulturen bei Männern wie Frauen relativ häufig.

«Plausibelster Mechanismus»

Laut William Rice von der University of California in Santa Barbara und seinen Kollegen sind bestimmte Anhängsel an der Erbsubstanz verantwortlich: Sie würden fälschlicherweise weitergegeben und so die Partnerpräferenz des anderen Geschlechts übertragen, berichten sie vorab online im Fachmagazin «The Quarterly Review of Biology».

«Dies ist der plausibelste Mechanismus für das Phänomen der menschlichen Homosexualität», sagt Koautor Sergey Gavrilets vom National Institute for Mathematical and Biological Sciences in Knoxville in einer Mitteilung des Instituts.

Genanhängsel irrtümlich vererbt

Die Anhängsel, sogenannte epigenetische Marker, regulieren, wann und wie stark ein Gen aktiv ist. Normalerweise sind sie an ein Individuum gebunden und werden nicht vererbt. Gemäss jüngeren Studien können die Marker jedoch gelegentlich zwischen Generationen weitergegeben werden und zu Gemeinsamkeiten zwischen Verwandten führen.

Einige dieser Anhängsel dienen dazu, den Fötus im Uterus vor natürlichen Schwankungen der Geschlechtshormone zu schützen. Dies verhindert, dass männliche Föten verweiblicht werden und umgekehrt. Diese Marker können etwa die Ausprägung der Genitalien, der sexuellen Identität oder der Partnerpräferenz betreffen.

Wenn diese geschlechtsspezifischen Anhängsel aber von Vätern an Töchter oder von Müttern an Söhne weitergereicht werden, kehrt sich ihr Effekt um: Söhne erhalten einige weibliche Eigenschaften, beispielsweise die sexuelle Präferenz, Töchter erhalten männliche Eigenschaften.

Evolutionär stabil

Die Forscher konnten nun mit einem mathematisch-biologischen Modell zumindest in der Theorie zeigen, dass dieser Über-Kreuz-Effekt evolutionär Bestand haben könnte. Denn die Gene für diese Anhängsel sind für die Fötalentwicklung sehr wichtig, während die Anhängsel in den meisten Fällen wieder entfernt werden, bevor die Gene an die nächste Generation vererbt werden.

(SDA)

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