Zum Hauptinhalt springen

Gute Chancen für neues Alzheimer-Medikament

Die Pharmafirma Biogen stellte Studiendaten vor, die auch unabhängige Fachleute optimistisch stimmen.

Anke Fossgreen
Alzheimer-Patienten erhalten neue Hofnung: Frau in Demenzzentrum in Bern. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)
Alzheimer-Patienten erhalten neue Hofnung: Frau in Demenzzentrum in Bern. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Demnächst könnte ein neues Alzheimermedikament zugelassen werden, das als erster Wirkstoff an der Ursache der Krankheit ansetzt. Am Donnerstag präsentierte Samantha Budd vom US-Pharmakonzern Biogen einem Fachpublikum auf dem Alzheimer-Kongress (CTAD) in San Diego Daten aus zwei grossen Patientenstudien. Die detaillierte Auswertung der Studienergebnisse war langersehnt.

Die beiden Studien mit je rund 1600 Patienten hatten in diesem Jahr Schlagzeilen gemacht. Erst wurden sie im März gestoppt, weil die Substanz, ein Antikörper, der Aducanumab genannt wird, nicht zu wirken schien. Dann kündigte Biogen zusammen mit seinem japanischen Partner Eisai im Oktober an, bei einer erneuten Auswertung und weiteren Daten doch einen Effekt gefunden zu haben.

Jetzt konnten sich unabhängige Experten selber ein Bild machen – und sind beeindruckt. Es sei das erste positive Ergebnis eines Wirkstoffes gegen Alzheimer seit Jahren, sagte die kanadische Ärztin Sharon Cohen. Das seien «sehr wichtige Resultate», befand der Neurologe Paul Aisen aus San Diego. «Ich glaube, dass die Substanz wirkt», sagt auch Lutz Frölich vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Ihn haben vor allem die Ergebnisse überzeugt, wonach deutlich erkennbar ist, dass die Effekte dosisabhängig sind. Sprich: Die Patienten, die in der Studie am längsten den Wirkstoff in der höchsten Dosis erhalten hatten, schnitten am besten ab.

Veränderungen im Gehirn

Hinzu kommt, dass eine kleine Gruppe von etwa 30 Studienteilnehmern genauer untersucht worden war. Bildgebende Verfahren zeigten in den Gehirnen der Betroffenen, dass genau die krankhaften Ablagerungen im Gehirn zurückgingen, an die der Antikörper ansetzt. Konkret heisst das: Bei Patienten in einem Frühstadium der Alzheimerkrankheit entwickelte sich das fortschreitende Vergessen dank Aducanumab langsamer als bei der Kontrollgruppe.

Auch der Biogen-Wirkstoff konnte die Alzheimerkrankheit nicht stoppen oder verschwundene geistige Fähigkeiten zurückbringen. Dennoch: Wenn die Betroffenen ein Jahr länger arbeiten oder ihr Auto selbstständig fahren können, sei das schon ein grosser Erfolg, sagt Sharon Cohen.

Biogen und Eisai hatten bereits im Oktober angekündigt, eine Zulassung für den Wirkstoff Aducanumab in den USA zu beantragen. Ob die zuständige Behörde FDA die Daten dafür als ausreichend ansieht, könnte sich in einigen Monaten zeigen.

Das weitere Vorgehen wird wohl so aussehen, dass in den US-Studienzentren jene Patienten, die das wünschen, erneut Aducanumab erhalten werden. Dabei würden die betreuenden Ärzte weitere Daten sammeln, die später ebenfalls der Zulassungsbehörde vorgelegt werden könnten. Frölich betont, dass sich die Substanz, wenn sie zugelassen ist, in der Praxis bewähren muss. Dann wird sich zeigen, ob Aducanumab besser wirkt als bisherige Medikamente. Auch die Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Kopfschmerzen müssen weiterverfolgt werden.

Denkbar ist, dass eine Kombination der verfügbaren Medikamente zur Alzheimertherapie eingesetzt wird. Und natürlich wird sich dann auch die Frage nach den Kosten stellen. Frölich schätzt, dass der neue Wirkstoff, der einmal monatlich als Infusion verabreicht wird, um ein Vielfaches teurer werden könnte als die Behandlung mit den bisher verfügbaren Mitteln.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch