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«Höchstwahrscheinlich nicht Auswirkungen einer Party»

Ein Delfin im Connyland in Lipperswil, der nach einer Technoparty starb, sorgt für Schlagzeilen. Eine Expertin über die Haltung solcher Tiere, mögliche Todesursachen – und über ihre Erfahrung mit manchen Delfin-Schützern.

In wenigen Jahren starben mehrere Delfine: Vorführung im Delfinarium des Connyland in Lipperswil TG. (15. August 2000).
In wenigen Jahren starben mehrere Delfine: Vorführung im Delfinarium des Connyland in Lipperswil TG. (15. August 2000).
Gaccioli Kreuzlingen, Keystone
Connyland mit Delfinarium: Eingang des Freizeitparks im thurgauischen Lipperswil.
Connyland mit Delfinarium: Eingang des Freizeitparks im thurgauischen Lipperswil.
Reuters
Nachwuchs im Jahr 2003: Ein Delfinbaby mit seiner Mutter im Becken des Freizeitparks im Thurgau.
Nachwuchs im Jahr 2003: Ein Delfinbaby mit seiner Mutter im Becken des Freizeitparks im Thurgau.
Keystone
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Frau Jurczynski, Delfine gelten als sensibel. Auf welche Umwelteinflüsse reagieren sie besonders empfindlich? Und wie schützen Sie die Tiere im Duisburger Zoo? Wir halten unsere Tiere in einem Delfinarium, in dem die Temperaturen über Zuluft und nötigenfalls auch Heizung in einem bestimmten Rahmen gesteuert werden. Da die Tiere sich in einem Innenraum befinden, sind sie direkter Sonneneinstrahlung nie ausgesetzt – also sind auch keine Schattenstrukturen notwendig. Das lichtdurchlässige Dach des Delfinariums sorgt für eine helle Umgebung, und die Beleuchtung gibt das Spektrum des natürlichen Lichts wieder.

Wie sieht es beim Lärm aus? Wie stark sich Lärm oberhalb der Wasseroberfläche auf die Tiere auswirkt, ist schwer zu beurteilen. Unter Wasser sind die Geräusche stark abgedämpft. Hier in Duisburg ist es für uns wichtig, dass die Pumpen zur Filtration des Wassers keine Dauergeräusche abgeben, die die Tiere stören könnten. Das stellen wir sicher, indem sämtliche Pumpen abgepolstert sind. Ausserdem werden die Schallwellen im Pumpenraum mehrmals durch Beton- und Luftbarrieren «gebrochen». In der freien Wildbahn, wo die grösste Lärmbelastung vom Schiffsverkehr stammt, gibt es solche Möglichkeiten natürlich nicht.

Laut Tierschützern soll im Connyland der Lärm einer Technoparty den Delfinen gesundheitlichen Schaden zugefügt haben: Ihr Immunsystem könne durch den Stress geschädigt worden sein. Ist das aus Ihrer Sicht denkbar? Zu dieser Frage kann ich leider wenig Konkretes sagen, weil ich weder die Gegebenheiten im Connyland noch die Umstände dieser Technoparty kenne. Dazu hätte man im Delfinarium auch Messungen unter Wasser durchführen müssen. Stress kann sich auf jeden Fall negativ auf das Immunsystem auswirken. Doch der Tod eines Tieres ist meist ein multifaktorielles Geschehen – und kann höchstwahrscheinlich nicht an den Auswirkungen einer Party, die noch nicht einmal im Delfinarium selbst stattgefunden hat, festgemacht werden. Eine denkbare Erklärung kann vielleicht eine pathologische Untersuchung liefern. (Anmerkung der Redaktion: Nach Angaben eines Connyland-Sprechers fand die Technoparty rund 50 Meter entfernt vom Delfinarium in einem anderen Gebäude statt. Die Ergebnisse aus der Obduktion liegen derzeit noch nicht komplett vor.)

Laut den Tierschützern sollen in den vergangenen drei Jahren im Connyland mindestens sechs Delfine gestorben sein, darunter drei Jungtiere. Ist das für ein Delfinarium eine auffallend hohe Rate? Das kann man nicht so einfach beantworten. Das hängt auch davon ab, wie alt die Tiere waren, woran sie erkrankten. Ich finde es immer schwierig, solche nackten Zahlen zu beurteilen. Und die selbst ernannten Tierschützer stellen Zahlen, ganz gleich welcher Art, leider nie in einen wissenschaftlichen Kontext.

Der Zoo Duisburg beherbergt seit vielen Jahren Delfine. Das Delfinarium wurde in den Neunzigerjahren neu gebaut – was wurde geändert? Der Zoo Duisburg hält nun schon seit den Sechzigerjahren Grosse Tümmler. In den Neunzigern wurde dann das neue Delfinarium errichtet und an den bestehenden Beckenkomplex angebaut. So konnten wir unsere gesamte Wasserfläche erweitern und zusätzlich Zonen für Behandlung und Quarantäne von Tieren schaffen. Also ein Komplex aus mehreren Becken, die alle untereinander in Verbindung stehen und täglich zu jeder Zeit von fast allen Tieren genutzt werden. So können wir sie auch in ihrem gewachsenen sozialen Gruppenverband halten. Und sie können sich auch einmal aus dem Weg gehen. Mit dem Neubau haben wird auch die Wasseraufbereitung umgestellt – auf eine biologische Filtration ohne Chlorierung des Wassers.

Ihr Zoo hat sich auch durch die Aufzucht von Delfinen einen Namen gemacht. Neugeborene verfügen über kein ausgeprägtes Immunsystem und sind anfällig gegenüber Krankheitserregern. Wie gehen Sie mit diesem Risiko um? Wir haben gerade im Moment drei Jungtiere, die im August und September geboren sind. Sie alle durchlaufen gemeinsam mit ihrer Mutter eine 50-tägige Quarantäne. In dieser Zeit überwachen Tierpfleger, Biologen und Veterinäre sie rund um die Uhr.

Delfinschützer protestieren massiv gegen Zoos und Tiergärten, die solche Tiere halten – teils in einem recht aggressiven Tonfall. Was entgegnen Sie dieser Kritik? Ich würde diese Personen weniger als Delfinschützer bezeichnen, sondern als Delfinariums-Gegner. Keine der Organisationen wie Pro Wal oder Wal- und Delfinschutz-Forum setzt sich nachweislich für den Schutz dieser Tiere im Freiland ein. Sie sammeln Spenden, um unter anderem ihre Demonstrationen und eigenen Ausgaben zu bewältigen.

Gleichwohl müssen Sie zu solchen Vorwürfen doch Stellung nehmen. Als Zoo stehen wir konstruktiver Kritik und wissenschaftlich fundiertem Tierschutz stets offen gegenüber. Bei den genannten Organisationen fehlt aber jegliche Qualifikation. In letzter Zeit wurden sogar eindeutig falsche Behauptungen verbreitet. Pro Wal hat zum Beispiel auf Youtube verbreitet, dass bei uns Belugas mit Grossen Tümmlern gemeinsam gehalten würden – und zu diesem Zweck seien den Belugas die Zähne gezogen worden. Eine gemeinsame Haltung ist aber allein aufgrund völlig unterschiedlicher Lebensraumbedürfnisse, zum Beispiel bei der Wassertemperatur, unmöglich und hat niemals stattgefunden. Und wenn man die Zähne unseres Belugamännchens Ferdinand sehen möchten: Das kann man live bei Sea World in San Diego tun, wo er jetzt lebt.

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