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«Völlig neue Perspektiven zur Früherkennung von Krebs»: Ein Basler Unternehmen hat eine Medizin-App für das iPhone entwickelt, welche Melanome frühzeitig erkennen soll – der Anfang der Revolution in der Telemedizin.

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Die schlechten Nachrichten zuerst: Alleine in Europa leiden 2,5 Millionen Menschen an Hautkrebs, der am meisten verbreiteten Krebsart. Laut der Krebsliga Schweiz erkranken jedes Jahr 15'000 Menschen daran und jährlich sterben etwa 270 Frauen und Männer an einem gefährlichen Melanom. Und die gute Nachricht? Bei Hautkrebs, sofern früh erkannt und behandelt, stehen die Heilungschancen gut.

Krebsexperten sind überzeugt, dass mit Selbstkontrolle viel Leid vermieden werden könnte. So werden laut dem amerikanischen Krebsspezialisten Martin Weinstock die meisten Melanome nicht von Ärzten, sondern von den Betroffenen selbst oder ihren Partnern entdeckt.

Was die App kann

Eine neue Schweizer Software verspricht, gefährliche Melanome besser in jenem Stadium zu erkennen, in dem sie meist noch leicht entfernt werden können. Die App Skin Tracer gibt es mit sehr eingeschränkten Funktionen als Gratisdownload oder für 27 Franken als Vollversion. Damit kann der Nutzer unter anderem die Lage von verdächtigen Pigmenten in einem dreidimensionalen Körpermodell genau festlegen (siehe auch Diashow oben). Form und Farbe von Hautflecken sollen via Nah- und Distanzaufnahmen analysiert und dokumentiert werden. Nach der Analyse liefert die App Angaben zum Risiko, per Knopfdruck lassen sich die Bilder zur Begutachtung an Hautspezialisten senden.

Wie beurteilen Medizinexperten die neue Software? «Skin Tracer», sagt Katrin Hemmer von der Krebsliga Schweiz, «mahnt zu regelmässiger Kontrolle der Haut. Diese Funktion entspricht den Bemühungen der Krebsliga Schweiz. Wir empfehlen, die Haut regelmässig zu beobachten und bei einer auffälligen Hautveränderung sofort zum Dermatologen zu gehen.» Es sei allerdings fraglich, ob alle Nutzer von Skin Tracer dieses Instrument korrekt handhaben könnten. Skin Tracer ersetze das persönliche Beratungsgespräch mit dem Dermatologen nicht.

«Nur so gut wie die Kamera»

Ähnlich sieht das Ralph Braun, leitender Arzt in der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich, der die Entwicklung der App mitbegleitet hat. «Es handelt sich um eine erste Version, welche bei Weitem noch nicht alle Möglichkeiten ausnutzt. Die App kann nur so gut sein wie die Kamera. Es gibt mit Sicherheit Einschränkungen.»

Diese Mängel will auch Skin-Tracer-Hersteller Schmutz Medical aus Basel nicht kleinreden. Grundsätzlich sei die Bildqualität der Smartphones wegen der dünnen Bauweise im Nahbereich ungenügend, so Geschäftsführer Patrick Schmutz. Um dieses Defizit zu eliminieren, habe man darum eine Aufsatzlinse entwickelt.

Körpernaher, ortsunabhängig, einfacher

«Medizinische Applikationen für die Selbstanwendung sind schon länger vorhanden, jedoch wegen ihrer oft technischen Natur und der Anwendung nur am Computer von eingeschränkter Popularität», sagt Schmutz. Mit dem Aufkommen der Smartphones würden medizinische Applikationen aber körpernaher, ortsunabhängig und einfacher zu benutzen.

«Damit medizinische Applikationen jedoch allgemein akzeptiert werden und Verbreitung finden, müssen alle wichtigen Parteien im Gesundheitswesen, Ärzte, Ämter und Krankenkassen eingebunden werden», ist Patrick Schmutz überzeugt. «Wenn alle Parteien an einem Strick ziehen, haben Medizin-Apps ein grosses Potenzial, unsere Gesundheit zu verbessern und Kosten einzusparen.» Schmutz Medical arbeitet bereits an weiteren Applikationen zur Früherkennung von anderen Krankheiten.

Wenn Pfleger mit dem Handy arbeiten

Für den Hautarzt Ralph Braun steht derzeit natürlich die Verbesserung der optischen Möglichkeiten im Zentrum. «Derzeit arbeiten wir an der Möglichkeit, qualitativ hochwertige Aufnahmen in ‹Hautarztqualität› mit dem iPhone anzufertigen. Dies eröffnet dann eine völlig neue Perspektive in der telemedizinischen Früherkennung von Hautkrebs.» Diese Mobiltelefone könnten dann sehr einfach von einem ambulanten Pflegedienst oder von Hausärzten verwendet werden. Die Diagnostik würde zeitnah durch einen erfahrenen Experten erfolgen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.04.2010, 10:03 Uhr

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