Zum Hauptinhalt springen

«Ich stiess in ein Wespennest»

Kinder und Jugendliche erhielten die Verdachtsdiagnose Asperger-Syndrom oder autistische Störung heute häufig zu Unrecht, sagt die Psychiaterin Alessia Schinardi – und provoziert damit ihre Kollegen.

Ist das normal? «Eltern beobachten die Entwicklung ihrer Kinder immer genauer», stellt die Winterthurer Psychiaterin Alessia Schinardi fest.
Ist das normal? «Eltern beobachten die Entwicklung ihrer Kinder immer genauer», stellt die Winterthurer Psychiaterin Alessia Schinardi fest.
Keystone

Lange waren autistische Störungen wie das Asperger-Syndrom selbst Fachleuten kaum bekannt. Das hat sich geändert. In einem Fachartikel schrieben Sie unlängst, dass Sie sich in Ihrer Autismus-Sprechstunde wie eine «Kunstexpertin» fühlen, die nur Fälschungen einzuschätzen hat. Wie kommen Sie zu dieser Aussage? Dieser Ausdruck ist sicher etwas plakativ, denn es geht ja im Grunde vielmehr darum, die «Richtigen» herauszufinden. Doch in den letzten paar Jahren haben die Anmeldungen für Autismus-Abklärungen spürbar zugenommen, die Anzahl Diagnosen ist dabei fast gleich geblieben. Offensichtlich ist heute die Schwelle tiefer, um uns ein Kind mit einem Verdacht auf eine Autismus-Spektrum-Störung zuzuweisen. In der Mehrzahl der Fälle kann diese Diagnose im Verlauf der Abklärung ausgeschlossen werden.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.