Ig-Nobelpreis für Zürcher: Didgeridoo gegen Schnarchen

Die Harvard University in den USA hat die Preise für kuriose Forschung verliehen. Eine Auszeichnung geht in die Schweiz.

Wenige Wochen vor den «echten» Nobelpreisen gibts die Ig-Auszeichnung: Milo Puhan (2. von rechts) freut sich. (14. September 2017)

Wenige Wochen vor den «echten» Nobelpreisen gibts die Ig-Auszeichnung: Milo Puhan (2. von rechts) freut sich. (14. September 2017) Bild: Keystone

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Didgeridoo-Spielen hilft gegen krankhaftes Schnarchen – für diese Erkenntnis aus dem Jahr 2005 erhält Milo Puhan von der Uni Zürich einen der diesjährigen Ig-Nobelpreise. Die satirischen Preise küren Forschung, die zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken anregt.

Wenige Wochen vor den «echten» Nobelpreisen werden an der Harvard University in den USA die Ig-Nobelpreise verliehen – für kuriose Forschung, die trotzdem ernsthafte Erkenntnisse bringt. Einer der Preise geht am Donnerstagabend an Milo Puhan von der Universität Zürich. Das teilte die Hochschule am Donnerstag mit.

Inspiration von Didgeridoo-Lehrer

In einer Studie aus dem Jahr 2005 konnte Puhan gemeinsam mit Otto Brändli von der Zürcher Höhenklinik Wald nachweisen, dass regelmässiges Didgeridoo-Spielen gegen krankhaftes Schnarchen hilft. Die Inspiration für die Studie lieferte Didgeridoo-Lehrer Alex Suarez, der sein eigenes Schnarchen und Schlafapnoe-Syndrom durch regelmässiges Spielen des Instruments mildern konnte.

«Nachdem noch weitere Patienten eine positive Erfahrung machten und Herr Suarez uns wiederholt ermuntert hat, eine Studie zu machen, haben wir aus Neugier und mit einigem Mut diese Studie gemacht», erklärte Puhan auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Es ist schön, für Neugier und Risiko honoriert zu werden – oft funktionieren Hypothesen in der Forschung ja auch nicht», kommentiert er die Auszeichnung.

Muskeltraining dank Atemtechnik

Für die Studie, die 2005 im Fachblatt «BMJ» erschien, teilten Puhan und Brändli 25 Patienten mit leichtem Schlafapnoe-Syndrom und störendem Schnarchen zufällig in zwei Gruppen ein. Die einen spielten vier Monate lang regelmässig Didgeridoo, die anderen nicht. Nach den vier Monaten fühlten sich die Didgeridoo-Spieler tagsüber weniger müde als die Kontrollgruppe, und auch die nächtlichen Atemstillstände hatten sich reduziert.

Grund für den positiven Effekt des Blasinstruments sei das Training der Muskeln, die die oberen Atemwege offen halten, wie die Uni Zürich schrieb. Bei Schlafapnoe-Patienten sind diese schwächer ausgebildet.

Dass der Effekt am Muskeltraining liegt, konnten Puhan und Kollegen in einer Folgestudie feststellen: Je mehr die Didgeridoo-Spieler übten, desto mehr verbesserte sich ihre Atmung im Schlaf. Ausserdem zeigte sich in Aufnahmen mit 3D-Magnetresonanztomografie, dass Fettpolster in der oberen Schlundwand kleiner wurden. Regelmässiges Didgeridoo-Spielen bietet sich somit als alternative Massnahme gegen Schnarchen und Schlafapnoe für solche Patienten an, die die sonst übliche Behandlung mit Atemmaske nicht gut vertragen.

Skurrile Fragen

Die Verleihung der Ig-Nobelpreise findet zum 27. Mal statt. Der Name dieser «Satire-Nobelpreise» ist ein Wortspiel mit dem englischen Begriff «ignoble», also «unwürdig». Auch im vergangenen Jahr ging einer der Preise zum Teil nach Zürich: Der Libellenforscher Hansruedi Wildermuth wurde zusammen mit Wissenschaftler aus Ungarn, Spanien und Schweden für die Entdeckung geehrt, dass Pferdebremsen weniger von weissen Pferden angezogen werden als von schwarzen.

Wissenschaftler aus Australien und den USA erhielten zudem einen Ig-Nobelpreis für ihre Untersuchung der Frage, wie sich der Kontakt mit lebenden Krokodilen auf den Wunsch von Menschen nach Glücksspielen auswirkt. Andere Preisträger hatten untersucht, warum alte Männer grosse Ohren haben und was passiert, wenn ein Mensch rückwärts läuft, während er einen Kaffeebecher hält. (chk/sda)

Erstellt: 15.09.2017, 04:13 Uhr

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