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Illegales Kiffen gefährdet Ihre Gesundheit

Die alarmierende neue Studie über drohende Folgen des Haschischkonsums bestätigt die Dringlichkeit einer kontrollierten Entkriminalisierung.

Sie verkaufen Cannabis-Produkte, ohne ihre Inhaltsstoffe genau zu kennen: Die Coffee-Shops in Amsterdam. Foto: Getty Images
Sie verkaufen Cannabis-Produkte, ohne ihre Inhaltsstoffe genau zu kennen: Die Coffee-Shops in Amsterdam. Foto: Getty Images

Amsterdam, ist das nicht typisch? Die niederländische Hauptstadt, in der – wie im ganzen Land – seit über 40 Jahren Haschisch und Marihuana im Laden käuflich sind, bestärkt den vermuteten Zusammenhang zwischen hohem Cannabiskonsum und psychotischer Ersterkrankung. Oder umgekehrt formuliert: Je weniger Rauschhanf mit hoher Wirkung inhaliert wurde, desto weniger Konsumenten entwickelten psychotische Symptome. In London waren das 30 Prozent weniger, in Amsterdam sogar 50 Prozent.

Die Studie, in der angesehenen Fachpublikation «Lancet Psychiatry» veröffentlicht, befragte in zehn europäischen Städten über 900 Menschen, die erstmals an einer Psychose erkrankt waren, nach ihrem Drogenkonsum. Und verglich danach die Werte mit einer Kontrollgruppe von Gesunden. Die Resultate lesen sich als weiteren Beleg dafür, wie hoch Hanf mit hohem, durch Indoor-Plantagen ermöglichten THC-Gehalt mit psychotischen Erstsymptomen korreliert. Inklusive Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Denkstörungen.

Dass jugendliche Kiffer besonders gefährdet sind, kann nicht überraschen. Erstens sind viele von ihnen neugierig auf bewusstseinsverändernde Erfahrungen. Und je stärker eine Droge reinknallt, desto eher wollen diese User ihre Wirkung ausprobieren. Zweitens sind sie noch am Heranwachsen. Da dies auch ihr Gehirn betrifft, können starke Drogen dorteine besonders gefährliche Wirkung entfalten.

Ob psychotisch gefährdete Menschen eher Drogen konsumieren oder der Drogenkonsum die Psychose auslöst, ist noch nicht geklärt. Die Evidenz aus anderen Studien ist inzwischen aber dermassen hoch geworden, dass die wenigsten Fachleute einen Zusammenhang zwischen Dosis und Wirkung bezweifeln: Haschisch in hohen Dosen macht psychisch krank.

Der Konsument soll wissen, was er inhaliert

Rechtfertigen solche Resultate eine Entkriminalisierung von Rauschhanf oder bekräftigen sie das herrschende Verbot? Vorsicht ist angebracht, weil es der Drogenpolitik geht wie der Drogenerfahrung selber: Sie wird immer komplexer, je mehr man sich auf sie einlässt. Nehmen wir Amsterdam: Obwohl der Konsum von Hanfprodukten in den Niederlanden toleriert wird, bleibt der Handel offiziell verboten. Die Coffee-Shops dürfen legal verkaufen, aber nicht legal einkaufen. Also wissen sie selber nicht, was sie ihren Kunden anbieten. Es gibt keinen Schutz der Konsumenten und keine wirklichen Produkteinformationen, wie wir das bei legalen Substanzen gewohnt sind.

Dass Legalität keine Gesundheit garantiert, zeigt die Wirkung der legal erhältlichen Todesdrogen Tabak, Alkohol, Schmerzmittel und Zuckerprodukte. Aber sie erlaubt wenigstens die Kontrolle über den Wirkstoffgehalt. Wer sich mit hohen Dosen Haschisch zudröhnen will, verbunden mit den Gefahren für seine Gesundheit, der kann das schon heute fast ungestört tun. Und er fällt oft erst dann auf, wenn er psychisch krank wird. Aber auch wer moderat konsumieren möchte, bleibt den undeklarierten Rauschwerten und Herbiziden der Grossdealer ausgeliefert.

«Just say No», skandierten die Beamten der Reagan-Regierung, als sie ihren ebenso langen wie nutzlosen, von Richard Nixon in den Siebzigern lancierten Drogenkrieg weiterführten. «Just Say Know» empfehlen die Drogenliberalisierer: Der Konsument soll wissen, was er inhaliert. Alles andere ist Wahnsinn.

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