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Ist wählen nicht die erste Bürgerpflicht?

Ist es nicht Bürgerpflicht, an Wahlen und Abstimmungen teilzunehmen? Müsste die Teilnahme nicht sogar obligatorisch sein?

Anlässlich der Parlamentswahlen habe ich mich wieder einmal geärgert über die grosse Anzahl der Nicht-Wähler angesichts der Tatsache, dass derzeit Menschen anderswo auf der Welt ihr Leben für die Demokratie riskieren.

Liebe Frau E.

Was würde es nützen, wenn die Teilnahme bei 99 Prozent liegt, aber mehr als die Hälfte der Leute ein leeres Couvert in die Urne wirft? Ich ärgere mich allerdings genauso wie Sie über die hohe Zahl der Nichtwähler und der Abstimmungsabstinenten. Eine wohlwollende Interpretation der in unserem Land üblich gewordenen niedrigen Stimmbeteiligung wäre immerhin folgende: Möglicherweise wird die Teilnahme an den formalen Entscheidungsprozessen gar nicht als das Wesentliche an unserer Demokratie empfunden. Wichtiger erscheint es, in einem Land zu leben, in dem man ziemlich frei denken und äussern kann, was man für richtig hält, ohne staatliche Repressalien fürchten zu müssen. Unsere Medien sind nicht das Gelbe vom Ei, aber sie sind nicht staatlich gelenkt, und es herrscht keine Zensur. Korruption ist in der Schweiz die Ausnahme und nicht die Regel. Wir leben nicht in der Ukraine, in Nicaragua oder in Weissrussland, sondern in einem nicht schlecht funktionierenden Rechts- und Sozialstaat.

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