Krankenkasse soll keine Raucher-Schäden zahlen

Günstigere Prämien für Kinder und Jugendliche, keine Zahlungen mehr in Bagatellfällen: Das erwarten Schweizer von unserem Gesundheitssystem.

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In der Schweiz stossen tiefere Prämien für Kinder und junge Erwachsene auf breite Akzeptanz. Vier von fünf Befragten möchten eine solche Entlastung allerdings auf einkommensschwache Haushalte beschränken, wie der diesjährige gfs-Gesundheitsmonitor zeigt.

72 Prozent der Befragten unterstützen den Entscheid des Parlaments, Kinder und junge Erwachsene stärker von Krankenkassenprämien zu entlasten, wie die Interpharma am Montag bekannt gab.

Mehrheit wünscht komplette Befreiung

Tiefere Prämien für junge Erwachsene sind mit 61 Prozent Zustimmung weniger umstritten als eine komplette Prämienbefreiung von Kindern. Diese wird zwar von einer Mehrheit von 54 Prozent gewünscht, jedoch von eine starken Minderheit von 43 Prozent auch abgelehnt. Nicht mehrheitsfähig sei nach wie vor eine generelle Einführung von altersabhängigen Prämien, heisst es weiter.

Im Vorjahresvergleich am stärksten zugenommen hat die Erwartung steigender Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien. 92 Prozent oder 26 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr gehen davon aus, dass die Kosten im Gesundheitswesen weiterhin zunehmen werden.

58 Prozent will Status quo

Eine klare Mehrheit der Befragten (58 Prozent) will den Leistungskatalog generell auf dem heutigen Stand belassen. Lediglich elf Prozent haben sich für einen Abbau ausgesprochen: Auch am Obligatorium in der Grundversicherung soll nicht gerüttelt werden.

Eine verstärkte Kostensensibilität führe jedoch punktuell zu einer Abnahme der Solidarität bei einzelnen Kassenleistungen. So wird von knapp zwei Dritteln der Befragten gefordert, dass die Krankenkassen die Medikamentenkosten in Bagatellfällen nicht mehr übernehmen sollen. Das sind 15 Prozentpunkt mehr als im Vorjahr.

Zahlungen an Raucher kritisiert

Stärker kritisiert wird auch die Kassenzahlung rund um ungewollte Kinderlosigkeit (53 Prozent, minus 14 Prozentpunkte), bei der Vorbeugung gesundheitlicher Schäden (54 Prozent, minus 7 Prozentpunkte) sowie bei Schäden durch Rauchen und Alkohol (37 Prozent, minus 5 Prozentpunkte).

Generalisieren lasse sich die Bereitschaft zur Leistungseinschränkung jedoch nicht. So forderten unverändert neun von zehn Befragten, dass Krebsmedikamente allen unabhängig vom Einkommen zugänglich sein sollen.

Die Repräsentativumfrage «gfs-Gesundheitsmonitor» wird im Auftrag von Interpharma von gfs.bern seit 1996 einmal jährlich erstellt. Zwischen dem 6. und dem 25. März wurden insgesamt 1200 Stimmberechtigte aus der ganzen Schweiz befragt. (kaf/sda)

Erstellt: 19.06.2017, 10:17 Uhr

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