Kinder, die neben Autobahnen wohnen, haben eher Krebs

Forscher der Universität Bern haben Krebserkrankungen bei Kindern untersucht. Das Risiko, an Leukämie zu erkranken, steht offenbar im Zusammenhang mit der Wohnlage.

Erhöhen Abgase das Leukämierisiko bei Kindern? Die Autobahn vor dem Schöneichtunnel in Schwamendingen. (2005)

Erhöhen Abgase das Leukämierisiko bei Kindern? Die Autobahn vor dem Schöneichtunnel in Schwamendingen. (2005) Bild: Keystone

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Kinder, die sehr nahe an Autobahnen oder Autostrassen aufwachsen, sind wahrscheinlich einem grösseren Risiko ausgesetzt, an Leukämie zu erkranken. Zu diesem Schluss kommen Berner Sozial- und Präventivmediziner in einer neuen Studie.

Die Forschergruppe der Universität Bern fand einen Zusammenhang zwischen dem Wohnort und den von 1985 bis 2008 in der Schweiz registrierten Krebserkrankungen bei Kindern, wie die Uni Bern mitteilte.

Schadstoffbelastung ging zurück

Nebst einer gewissen genetischen Veranlagung wird auch der Einfluss von Luftverschmutzung diskutiert. So enthalten Autoabgase Benzol und andere bekannte krebserregende Stoffe. Die Berner Studie erhärtet nun die Vermutung, dass Verkehrsabgase das Leukämierisiko bei Kindern erhöhen.

Zwar sei die mittlere Schadstoffbelastung durch den Verkehr in der Schweiz seit den 1990er Jahren dank strengen Vorschriften zurückgegangen, schreibt die Universität Bern. In unmittelbarer Nähe von viel befahrenen Strassen seien die Schadstoffkonzentrationen in der Luft aber immer noch stark erhöht.

Distanz entscheidend

Die Studie des Berner Institutes für Sozial- und Präventivmedizin basiert auf Daten des Schweizer Kinderkrebsregisters und der Schweizerischen National Kohorte, die alle in den Volkszählungen 1990 und 2000 erfassten Kinder einschliesst, also insgesamt über 2 Millionen.

Die Forschenden teilten die Wohnorte der Kinder zum Zeitpunkt der Volkszählung in verschiedene Distanzgruppen ein. Ein deutlich erhöhtes Krankheitsrisiko fand sich bei Kindern, die näher als 100 Meter von der nächsten Autobahn oder Autostrasse entfernt lebten. Dies im Vergleich zu Kindern mit einer Wohnortdistanz von über 500 Metern.

Bei der Unterteilung nach Altersklassen zeigte sich, dass sich die Erhöhung des Risikos auf Kleinkinder im Alter bis 4 Jahren beschränkt. In dieser Altersgruppe war das Leukämierisiko bei einem Wohnort innerhalb von 100 Metern neben einer Autobahn etwa doppelt so hoch wie bei einem Abstand von einem halben Kilometer oder mehr.

Die Tatsache, dass das erhöhte Risiko nur bei Leukämien gefunden wurde, weist laut den Forschern auf Benzol als mögliche Ursache hin. Bekannt ist, dass eine hohe Benzolbelastung am Arbeitsplatz bei Erwachsenen Leukämien auslösen kann.

Nicht anders erklärbar

Untersucht wurde auch, ob sich die Resultate durch andere Faktoren erklären liessen, so etwa ionisierende Hintergrundstrahlung aus dem Weltall und des Erdgesteins oder die Distanz zu Hochspannungsleiten. Dies war nicht der Fall. Auch spielten sozio-ökonomische Unterschiede keine Rolle.

Insgesamt deuteten die Resultate tatsächlich darauf hin, dass Luftverschmutzung durch den Verkehr das Risiko für Kinderleukämie erhöhen können, schreiben die Forscher in der Studie, die im «European Journal of Epidemiology» publiziert wurde. (woz/sda)

Erstellt: 03.11.2015, 19:05 Uhr

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