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Kommt jetzt die Neid-Debatte?

Die meisten Kantone haben die Erbschaftssteuer abgeschafft. Nun soll sie via Volksinitiative auf nationaler Ebene wieder eingeführt werden. Kommt nach der Gier-Debatte nun die Neid-Debatte?

Wahrscheinlich. Und mit welchen Argumenten diese Diskussion geführt werden dürfte, darauf gab vor ein paar Wochen der «Bilanz»-Chefredaktor Dirk Schütz in seinem Editorial zur jährlichen Ausgabe mit der Präsentation der 300 reichsten Schweizer einen kleinen Vorgeschmack: «Wegen der leeren Staatskassen blasen Regierungen rund um die Welt zur Jagd auf die Wohlhabenden.» Man nennt diese Jagd der neidischen Erfolglosen auf die Erfolgreichen: Steuern. (Für die besonders Reichen in den USA wurden die Steuern von Bush gesenkt und auch von Obama seither nicht wieder erhöht. Aber das nur nebenbei.) «Der Druck auf die Schweiz, noch immer Fluchtland Nummer 1 für die Reichsten dieser Welt» – das Boot ist noch lange nicht voll, jedenfalls nicht für die wirklich Verfolgten dieser Erde –, «ist deshalb so gross wie nie zuvor. Umso bedenklicher, dass jetzt auch der Druck von innen steigt. Die Pauschalbesteuerung taumelt, jetzt droht eine Wiedereinführung der Erbschaftssteuer.» Wo bleiben da Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und schweizerische Asyltradition?

Das Vermögen der in der «Bilanz» bilanzierten 300 Reichsten der Schweiz, so lesen wir, sei in den vergangenen zwölf Monaten «um 11 Milliarden auf zusammen 481 Milliarden gestiegen». Diese Summe «entspricht dem zweithöchsten Vermögensstand, den ‹Bilanz› über 23 Jahre gemessen hat». Droht da jemand neidisch zu werden? Zum Beispiel auf die von ihrer Regierung mit Tuten und Blasen gejagte und im Asylland Schweiz pauschalbesteuerte Millionenerbin Athina Onassis (26), die ihr Vermögen schliesslich redlich ererbt hat, während die meisten Sozialhilfeempfänger sich ihren BMW allein durch Nichtstun verdient haben. Von unser aller Steuern! (Oder glauben Sie, das bisschen Pauschalsteuer reichte für die vielen Sozialhilfe-BMW aus?) Und während manch eine der besonders gebärfreudigen muslimischen Familien allein vom Kindergeld in Saus und Braus lebt, müssen viele Alleinerben sich auch im neuen Jahr ganz allein mit ihrem Erbe herumschlagen. Und wenn Sie Kinder haben, frisst der Staat ihr sauer ererbtes Erbe zu einem ganzen Fünftel auf. Wer wollte sie darum beneiden? Geld, so hat die NeuroÖkonomie in letzter Zeit immer wieder festgestellt, macht nicht grenzenlos glücklich. Das ist von der seriösen Glücksforschung in vielen Experimenten sowohl mit Menschen als auch mit Weissbüschelaffen bewiesen worden.

Im Zweifelsfall aber, so zeigt die ganz unwissenschaftliche alltägliche Empirie, ziehen die zu Unrecht beneideten Reichsten immer noch die Steuerersparnis dem Glück und der Wissenschaft vor.

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