Lichtblick für Aknegeplagte

Wenn weder Cremen noch Medikamente helfen, haben Menschen mit schwerer Akne eine neue Alternative.

Licht mit zwei bestimmten Wellenlängen und ein spezielles Gel, das auf das Gesicht aufgetragen wird: Die Kleresca-Therapie soll die Akne zum Verschwinden bringen. Foto: Kleresca

Licht mit zwei bestimmten Wellenlängen und ein spezielles Gel, das auf das Gesicht aufgetragen wird: Die Kleresca-Therapie soll die Akne zum Verschwinden bringen. Foto: Kleresca

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Man muss genau hinsehen, um im Gesicht von Stefan Jovicic noch ein paar feine Narben zu entdecken. Es sind die letzten Überbleibsel einer Krankheit, die ihm einst das ganze Selbstbewusstsein raubte: einer entstellenden Akne. Bis vor kurzem waren Gesicht und Hals des jungen Mannes mit entzündeten, schmerzhaften Pusteln übersät. «Es war grauenhaft», erzählt der 24-jährige Logistiker aus Zug. «Ich hatte kaum Bartwuchs, so verstopft waren meine Talgdrüsen, und dreimal musste ein besonders grosser Eiterpickel herausgeschnitten und die Wunde genäht werden. Ich schämte mich so, dass ich kaum noch in den Ausgang ging.» Seit er 15 war, unternahm der gebürtige Serbe alles, um sein Hautbild zu verbessern: Hautärzte verschrieben ihm Dutzende von Cremen, und er schluckte während zweier Jahre starke Tabletten. Genützt hat nichts davon.

Heilung brachte Stefan Jovicic erst eine neuartige Lichttherapie, welcher er sich in der Zürcher Praxis von Bettina Rümmelein unterzog. Das Verfahren heisst Kleresca und basiert auf der sogenannten Biophotonik-Technologie. Diese funktioniert im Zusammenwirken von einer hochintensiven LED-Lampe und einem speziellen Gel. Der Patient positioniert das zu behandelnde Körperteil unter eine bläuliche Lampe, die zwei bestimmte Wellenlängen aus dem sichtbaren Licht ausstrahlt, 415 und 447 Nanometer.

Aufgetragen: Das Gel für die Behandlung transportiert das Licht dorthin, wo Akne entsteht. Foto: Kleresca

«Das Licht tötet die Akne verursachenden Bakterien ab und regt gleichzeitig Reparaturmechanismen in der Haut an», erklärt Dermatologin Bettina Rümmelein. Das orangefarbene, sogenannte photokonvertierende Gel, das zuvor auf die betroffene Stelle aufgetragen wird, hat selber keinen Wirkstoff. Aber es beinhaltet Substanzen, die es den Wellenlängen ermöglichen, bis in die zweite Hautschicht, die Dermis, einzudringen, wo die Akne ihren Ursprung hat.

Während der Behandlung, die praktisch keine Nebenwirkungen hat, spürt der Patient ein Wärmegefühl. «Es hat leicht gekitzelt», erinnert sich Stefan Jovicic. Im Normalfall wird die Behandlung zweimal wöchentlich während sechs Wochen durchgeführt – so auch bei Stefan Jovicic.

Seit Ende der Behandlung vor etwas über einem Jahr bekommt der junge Mann höchstens noch ab und zu einen Mitesser. Hässliche Pusteln gehören der Vergangenheit an. Seither ist das Leben von Stefan Jovicic ein anderes geworden: «Es hat sich alles verändert», sagt er, «ich fühle mich wie neugeboren.»

«Begeistert»: Dermatologin Bettina Rümmelein.

Auch seine Ärztin, Bettina Rümmelein, ist «schlichtweg begeistert» von der Methode. In den letzten anderthalb Jahren habe sie nur gerade eine einzige Patientin erlebt, die nicht darauf ansprach. Gemäss einer vom Lampenhersteller durchgeführten Studie beträgt die Ansprechrate rund 90 Prozent. Ein Drittel der Versuchspersonen erzielten klare oder fast klare Haut, die meisten anderen konnten den Schweregrad ihrer Akne reduzieren. Bei all jenen Patienten, die ein Jahr später nachuntersucht wurden, waren die Resultate stabil geblieben.

Kleresca ist nicht die einzige physikalische Therapiemethode, die heute bei Aknepatienten immer öfter angewendet wird. Schon länger sind die positiven Effekte von blauem oder rotem Licht auf entzündliche Vorgänge in der Haut bekannt. Manche Mediziner setzen auf die Photodynamische Therapie, welche vor allem auch gegen Hautkrebs eingesetzt wird. Den Begriff IPL (Intense Pulsed Light oder zu Deutsch Blitzlicht) kennt man von der Haar- oder Besenreiser-Entfernung, das Verfahren wirkt aber auch gegen Akne. Laser kommen in diesem Zusammenhang ebenfalls zur Anwendung, allerdings vorwiegend zur Entfernung von Aknenarben – und nicht von akuten Pickeln.

Anwendung und Wirkmechanismus sind bei allen Methoden grob gesehen die gleichen: Der Patient legt sich in mehreren Sitzungen unter das jeweilige Gerät, die Aknebakterien werden durch die spezifischen Wellenlängen des Lichts zerstört, und der Wundheilungsprozess wird angeregt.

Cremen und Medikamente

Auch Severin Läuchli, Leiter der Akne-Sprechstunde am Universitätsspital Zürich, kennt die verschiedenen lichtbasierten Verfahren. Eines davon, das IPL, wird auch an seiner Klinik angeboten. Er sagt: «Ich kann bestätigen, dass Lichttherapien funktionieren, jedoch gemäss meiner Erfahrung nicht besser als herkömmliche Therapien.» Als «Wunderwaffen» möchte er sie deshalb nicht bezeichnen. Unabhängige Studien, welche die Wirkung, speziell auf längere Dauer, einwandfrei beweisen, sind ihm keine bekannt.

Standardmässig wird Akne in erster Linie äusserlich behandelt: mit Vitamin-A-Säure-haltigen Cremen, welche eine schälende Wirkung auf die Haut haben; oder mit antibakteriellen Substanzen wie Benzoylperoxid. Wenn dies nicht die erwünschte Wirkung zeigt oder die Akne sehr stark ist, kommen innerliche Anwendungen zum Zug: Das können Antibiotika in Tablettenform sein oder bei Frauen manchmal die Antibabypille.

Auch eine Möglichkeit: Aknebehandlung mit dem Blitzlampengerät (Intense Pulsed Light).

Der potenteste Wirkstoff gegen Akne ist das Vitamin-A-Säure-Präparat Isotretinoin. Es ist etwa im breit verwendeten Medikament Roaccutan enthalten und bekämpft alle drei Ursachen der Akne gleichzeitig. «Isotretinoin wirkt in 80 Prozent der Fälle – und zwar praktisch ohne Rückfälle», sagt Hautarzt Severin Läuchli. Der Patient muss während der sechs- bis zwölfmonatigen Einnahme allerdings relativ viele Nebenwirkungen in Kauf nehmen, allen voran starke Trockenheit der Augen, Nasenschleimhäute und Lippen. Manchmal auch Haarausfall, Gelenkbeschwerden oder Überempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht. «Nach Therapieende ist die Zufriedenheit jedoch oft hoch.»

Severin Läuchli ist der Meinung, dass praktisch jeder Akne mit Medikamenten beizukommen ist – sofern man diese genug hoch dosiert und lange genug anwendet. «Manche Patienten geben schlicht zu früh auf, weil sie mit den Nebenwirkungen nicht mehr klarkommen.» Insofern hänge der Therapieerfolg auch von einer guten Patientenführung ab. Er klärt seine Patienten daher immer darüber auf, dass allfällige Hautrötungen durch die Cremen mit der Zeit nachlassen können und dass man trockene Augen und Lippen mit Lippenpomade und Tropfen erträglich machen kann.

Wirksame Alternative

Auch Bettina Rümmelein empfiehlt Lichttherapien niemandem als Erstes, sondern schöpft vorher die Möglichkeiten der herkömmlichen Medizin aus. Doch bei manchen Personen, vor allem mit starker Akne, stosse diese an Grenzen – so wie bei Stefan Jovicic. Seine Akne heilte trotz konsequenter Einnahme von Isotretinoin nicht ab, und zu allem Übel wurden seine Lippen so trocken, dass sie häufig bluteten. «Andere Patienten bekommen unter Isotretinoin grosse Mühe beim Tragen von Kontaktlinsen, können aber schlecht auf eine Brille ausweichen, weil sie etwa viel Sport treiben», so die Hautärztin.

Für Frauen mit Kinderwunsch kommt Isotretinoin ebenfalls nicht infrage, denn das Medikament würde beim ungeborenen Kind zu schlimmen Missbildungen führen. Isotretinoin hatte ausserdem den Ruf, Depressionen auszulösen oder zu verstärken. Diese Behauptung wurde kürzlich in Studien klar widerlegt. Da Depressionen aber immer noch als mögliche Nebenwirkung im Beipackzettel erwähnt sind, kann Bettina Rümmelein es verstehen, wenn Patienten mit Depressionen das Medikament ablehnen. Was gegen Antibiotika sprechen kann, ist, dass sie oft die Wirkung verlieren, sobald man sie wieder absetzt, und dass sich Resistenzen gegen sie entwickeln können.

Praktisch jeder Akne ist mit Medikamenten beizukommen: Das ist die Meinung von Severin Läuchli.

«Während ich früher in all diesen Fällen nicht mehr weiterhelfen konnte, steht mir nun mit der Biophotonik-Technologie eine hochwirksame Alternative zur Verfügung, die erst noch sozusagen nebenwirkungsfrei ist», sagt Bettina Rümmelein. Hin und wieder könne es durch die Lichtbehandlung zu einer Überpigmentierung der Haut kommen – die Hautärztin spricht von einem «Pippi-Langstrumpf-Effekt». Aber die braunen Flecken seien harmlos und würden nach einigen Tagen wieder verschwinden. Schädliches UV-Licht strahlt die Lampe keines aus. Um die Augen trotzdem vor dem intensiven Licht abzuschirmen, trägt der Patient eine Schutzbrille.

Da das Verfahren nichts Chemisches enthält, sondern rein physikalisch wirkt, kann es auch problemlos an Schwangeren angewendet werden. Eine Lichttherapie könnte also auch für jene Aknepatienten interessant sein, die sich keinen Medikamenten aussetzen mögen oder einen möglichst schnellen Therapieerfolg wünschen – Medikamente wirken langsamer.

Einziger Wermutstropfen ist der Preis, den der Patient aus eigener Tasche berappen muss. Die Einzelbehandlung mit Kleresca kostet etwa 200 Franken, für die ganze Behandlung muss man schnell einmal 2000 Franken und mehr aufwerfen. Ähnlich sieht es bei den anderen erwähnten physikalischen Verfahren aus. Viele Patienten können sich das nicht leisten. «Mit ein Grund», sagt Severin Läuchli, «weshalb sich am Unispital nach einer Beratung nur gerade einer von hundert Patienten auch tatsächlich dafür entscheidet.»

In einem Punkt sind sich Severin Läuchli und Bettina Rümmelein einig: Zumindest jene Patienten, bei denen die herkömmlichen Therapien nicht in Frage kommen oder nichts nützen, sollten die Kosten über die Krankenkasse abrechnen dürfen – wie es auch bei medikamentösen Therapien der Fall ist. Beide Fachleute wissen, dass eine schwere Akne nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf die Psyche des Betroffenen haben kann.

Sie erleben es immer wieder, dass sich Aknepatienten wegen ihres unschönen Hautbildes sozial zurückziehen. «Es gibt sogar Patienten, die mit dem Gedanken spielen, sich das Leben zu nehmen», weiss Bettina Rümmelein. Die Ärztin kämpft bei den Krankenkassen immer wieder dafür, dass die Kosten übernommen werden. Nur zweimal hatte sie damit bisher Erfolg – auch bei Stefan Jovicic. Dieser möchte nun, glücklich über seine pickelfreie Haut, noch das Problem der Aknenarben angehen. Eine erste Narbenbehandlung mit Laser hat er bereits hinter sich. Mit vielversprechendem Effekt. Die nötigen paar tausend Franken dafür hat er gerne zusammengespart. «Das ist es mir allemal wert», sagt er.

Erstellt: 19.01.2018, 07:25 Uhr

Was ist Akne?

Im gestauten Talg können sich Bakterien vermehren: Einer der Gründe, wie Akne entsteht.

Acne vulgaris ist die am weitesten verbreitete Hautkrankheit. Acht von zehn Personen sind irgendwann davon betroffen. Besonders häufig tritt sie im Gesicht, auf dem Décolleté oder am Rücken von Pubertierenden auf. Nicht selten – und zunehmend häufiger – leiden jedoch auch Frauen zwischen 30 und 40 noch an einer Spät-Akne. Akne ist nicht die Folge mangelnder Hygiene oder schlechter Ernährung. Meist sind es drei Mechanismen, die in Kombination zur Akne führen:

1) Übermässige Talgproduktion aufgrund eines hormonellen Ungleichgewichts.

2) Verhornungsstörung der Haut, die zu Verstopfungen der Talgdrüsenausgänge führt.

3) Entzündliche Reaktion von Bakterien der Hautflora, die sich im gestauten Talg vermehren.

Es gibt unterschiedliche Schweregrade: In leichteren Fällen zeigen sich nur Hautunreinheiten und Mitesser. Kommt es zu Knötchen und eitrigen Bläschen, spricht man von einer mittelschweren Akne. Bei einer schweren Akne gehen die Entzündungen tiefer und führen zu unschönen, grossen Knoten, die nach dem Abheilen Narben auf der Haut hinterlassen.

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