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Medizin-Nobelpreis geht an Entdecker der Orientierungszellen

Damit Menschen wissen, wo sie sind, verfügt das Gehirn über eine Art Navigationssystem. Als Erste darauf gestossen sind ein Amerikaner und ein norwegisches Ehepaar.

Entdeckten die sogenannten Rasterzellen im Hirn: Die norwegische Forscherin May-Britt Moser und ihr Ehemann Edvard Moser, hier bei einer Preisverleihung in Hamburg. (5. September 2014)
Entdeckten die sogenannten Rasterzellen im Hirn: Die norwegische Forscherin May-Britt Moser und ihr Ehemann Edvard Moser, hier bei einer Preisverleihung in Hamburg. (5. September 2014)
AFP

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an John O'Keefe aus den USA sowie an das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser. Sie teilen sich die Auszeichnung für die Entdeckung von Zellen, die ein Positionierungssystem im Gehirn bilden. Das teilte das Karolinska-Institut in Stockholm mit.

Damit Menschen wissen, wo sie sind, und den Weg von einem Ort zum anderen finden, hat das Gehirn eine Art «inneres GPS» (Global Positioning System). Es macht es möglich, sich im Raum zu orientieren, und zeigt somit das zelluläre Fundament einer höheren kognitiven Funktion auf, wie das Nobelkomitee in seiner Begründung schreibt.

(Video: Reuters)

Orts- und Rasterzellen

Die erste Komponente dieses Systems entdeckte John O'Keefe bereits 1971: Er fand bei Ratten in einer Hirnregion namens Hippocampus einen Typ Zellen, der immer dann aktiv war, wenn sich das Tier an einem bestimmten Ort befand. War es woanders, waren andere Zellen aktiv. O'Keefe schloss daraus, dass diese «Ortszellen» eine Karte des Raumes bildeten.

Viele Jahre später, im Jahr 2005, entdeckten May-Britt and Edvard Moser einen weiteren entscheidenden Baustein des Gehirn-GPS. Sie fanden einen Zelltyp, den sie Rasterzellen nannten. Diese bilden eine Art Koordinatensystem und erlauben damit das präzise Navigieren. Ihre weiteren Forschungen zeigten auf, wie Orts- und Rasterzellen zusammenwirken.

Moser «schockiert»

Die diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger hatten überhaupt nicht mit der Auszeichnung gerechnet. «Ich bin immer noch schockiert. Das ist so grossartig», sagte die norwegische Forscherin May-Britt Moser laut Nobelkomitee.

Über ihren ebenfalls geehrten Mann sagte Göran K. Hansson, der Sekretär des Nobelkomitees: «Ich habe Edvard Moser noch nicht erreicht. Er sitzt gerade im Flugzeug, ich hoffe, ihn zu erreichen, wenn er gelandet ist.»

8 Millionen Kronen

Den dritten Preisträger John O'Keefe habe er dagegen schon erwischt. Er sei wie May-Britt Moser «sehr sehr glücklich. Ich glaube nicht, dass sie das erwartet hatten.» Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 1'060'000 Franken (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäss am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Im vergangenen Jahr hatten der gebürtige Deutsche Thomas Südhof sowie James Rothman und Randy Schekman aus den USA die Auszeichnung erhalten. Sie hatten wesentliche Transportmechanismen in Zellen entdeckt, deren Defekte Grundlage von vielen Krankheiten sind.

(SDA)

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