Muss Spinat auf die Dopingliste?

Das Gemüse könnte die Muskelkraft steigern, berichten deutsche Forscher. In Versuchen nahm auch die Fitness der Probanden zu.

Soll nicht nur Popeye stark machen: Spinat im Kinderspital Zürich. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Soll nicht nur Popeye stark machen: Spinat im Kinderspital Zürich. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Der schlagkräftige Matrose mit dem Anker-Tattoo auf dem linken Arm ist gerade 90 geworden. Popeye hat es zu diesem Alter bringen müssen, bis sich endlich eine Erklärung für seine einseitigen Diätvorlieben findet. Bekanntlich erlangt der populäre Seemann ungeahnte Kräfte, sobald er Spinat verschlingt. Das grüne Gemüse gehört für Popeye zum unerlässlichen Doping, bevor er seine ebenso fiesen wie zunächst übermächtig wirkenden Gegner kurz und klein schlägt.

Wissenschaftler der Freien Universität Berlin beschreiben nun, wie Spinat die Muskelkraft steigern könnte. Das Team um Pharmazeutin Maria Parr hat 46 Männer über zehn Wochen untersucht, von denen einige das Nahrungsergänzungsmittel Ecdysteron schluckten, das auch im Spinat vorkommt. «Wir haben einen Kraftzuwachs gesehen, der grösser war als bei allen anderen», sagte Parr dem Bayerischen Rundfunk. In einem Fachartikel beschreiben die Berliner Forscher zudem, dass die Muskelmasse der Probanden zunahm und sie bei Kniebeugen und beim Bankdrücken etwas besser abschnitten.

Bisher stehen weder Spinat noch Ecdysteron auf der Liste der verbotenen Substanzen – eben weil das Hormon in Krebsen und etlichen Pflanzen vorkommt, die auf dem Speiseplan landen könnten. «Das wird hoffentlich in den nächsten Monaten überarbeitet und überdacht werden», sagt Parr und meint damit, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) zukünftig auch Ecdysteron ächten sollte.

«Ohne Training bringt Spinat gar nichts»

«Es ist sicher gut, die Substanz im Auge zu behalten, aber die Wirkung auf die Leistungsfähigkeit muss genauer untersucht werden», sagt Dopingexperte Martin Bidlingmaier von der Ludwig-Maximilians-Universität München, der die Wada berät. Als «Russian Secret» steht die Substanz seit den 1980er-Jahren im Verdacht, leistungssteigernden Cocktails beigemischt zu werden. Auch in Naturheilmitteln sowie der Traditionellen Chinesischen Medizin ist der Stoff enthalten.

Untersuchungen an Menschen gibt es bisher wenige, was ein Verdienst der neuen Studie ist. Allerdings erhielten nur 24 der 46 Teilnehmer die Substanz zum Krafttraining, die anderen Probanden bildeten Kontrollgruppen. «Immerhin: Ohne Training bringt der Stoff aus dem Spinat gar nichts», sagt Bidlingmaier. Zudem steigerten die jungen Männer ihre Kraft nicht um das Dreifache, wie es zunächst vorschnell hiess. Beim Bankdrücken stemmten sie mit Ecdysteron 92 statt 83, mit Placebo 86 statt 83 Kilogramm. Eine Steigerung um neun gegenüber drei Kilogramm ist zwar beachtlich, angesichts der kleinen Teilnehmerzahl und unterschiedlicher Ausgangswerte relativiert sich der «Erfolg» jedoch schnell.

Liebhaber des Spinats müssen zudem nicht befürchten, sich beim Essen zu dopen. Für Ecdysteron-Konzentrationen, wie sie in der Studie erreicht wurden, müsste ein Gourmet täglich zwei Kilo Spinat zu sich nehmen, in der Versuchsgruppe mit der höheren Dosis gar acht Kilo. Selbst Popeye kam wohl nicht auf solche Mengen. Vielleicht sollte endlich der Zaubertrank von Asterix und Co. untersucht werden. Angesichts der Schlagkraft der Gallier, die es sogar mit römischen Kohorten aufnahmen, scheint das leistungsfördernde Potenzial des Druiden-Gebräus grösser zu sein.

Erstellt: 01.07.2019, 14:58 Uhr

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