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Neue Viren schüren alte Ängste

Das Coronavirus aus China sorgt für Aufregung. Neue Bedrohungen versetzen uns schnell in Alarmzustand.

MeinungAlexandra Bröhm
Wachsamkeit ist bei neuen Erregern immer angezeigt, Panik aber nicht: Menschen tragen zu ihrem eigenen Schutz und dem ihrer Mitmenschen Masken. Foto: Getty Images
Wachsamkeit ist bei neuen Erregern immer angezeigt, Panik aber nicht: Menschen tragen zu ihrem eigenen Schutz und dem ihrer Mitmenschen Masken. Foto: Getty Images

Die Angst steckt tief in uns: Ein neues Virus, es verbreitet sich rasant, Menschen sind gestorben, noch weiss man wenig, vielleicht ist es morgen schon in der Nachbarschaft. Derartige Gedanken schiessen vielen durch den Kopf, wenn sie Meldungen von einem unbekannten Erreger hören. Das war 2009 so bei der Schweinegrippe, 2014 bei Ebola und wiederholt sich nun bei dem neuen Coronavirus 2019-nCoV aus China. Auf neue Viren reagieren wir viel heftiger als auf bekannte Bedrohungen. Zu tun hat das mit zwei Dingen. Unsere Risikowahrnehmung hat einen starken Hang dazu, das Gefahrenpotenzial von Neuem zu über- und das von Bekanntem zu unterschätzen. Verantwortlich dafür ist unter anderem die Amygdala, ein kleines Zentrum tief in unserem Gehirn, das unsere Ängste verwaltet und bei Unbekanntem meist zuerst mal ein grosses Achtung-Schild hebt.

Deshalb nehmen viele die Hunderten von Grippetoten, die es in der Schweiz jedes Jahr gibt, nur beiläufig wahr. Was aber eine neue Gefahr auslösen kann, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 2014: Ein Lehrer aus dem im Nordosten gelegenen US-Staat Maine hatte im September 2014 in der Millionenstadt Dallas eine Konferenz besucht. Zufällig zur gleichen Zeit trat in Dallas ein eingeschleppter Ebola-Fall auf. Der Patient lag in Quarantäne. Der Lehrer hatte nie mit ihm zu tun. Trotzdem musste er nach seiner Rückkehr auf Anordnung der Behörden zuerst einmal dem Unterricht fernbleiben.

Unsere Ängste vor Epidemien haben auch historische Wurzeln. Verheerende Pestepidemien dezimierten im Mittelalter die Bevölkerung Europas mehrmals massiv. Es gibt Schätzungen, wonach im 14. Jahrhundert über ein Drittel der Europäer an Pest starb. Und Anfang des 20. Jahrhunderts raffte die Spanische Grippe im Herbst 1918 mehr Menschen dahin als der vier Jahre dauernde Erste Weltkrieg.

Wachsamkeit ist bei einem neuen Virus immer angesagt, Panik aber gerade in diesem Fall nicht. Das Risiko in der Schweiz, diesen Winter schwer an Grippe zu erkranken, ist viel höher, als sich das neue Corona­virus einzufangen.

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