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Nicht das Gehirn ist bedrückt, sondern der Mensch

Psychische Probleme passen selten in Diagnosekästchen. Das macht sie nicht weniger schwerwiegend, selbst wenn keine eindeutigen organischen Veränderungen feststellbar sind.

Nach Depressionen mit neurobiologischen Tests zu suchen, ist falsch, sagt Daniel Hell. Foto: Oli Scarff (Getty Images)
Nach Depressionen mit neurobiologischen Tests zu suchen, ist falsch, sagt Daniel Hell. Foto: Oli Scarff (Getty Images)

Die Luzerner IV versucht psychische Erkrankungen mittels neurobiologischer Testverfahren im Einzelfall festzulegen. Sie stützt sich dabei unter anderem auf ein schwer überprüfbares Analyseprogramm eines privaten Anbieters, offensichtlich in der Hoffnung, damit auch zwischen arbeitsfähig und arbeitsunfähig abgrenzen zu können. Das widerspricht dem internationalen Forschungsstand. Kein bildgebendes, molekularbiologisches oder elektrophysiologisches Verfahren hat eine Aussagekraft erreicht, um als eindeutiger biologischer Marker zu dienen und einen Menschen beispielsweise als depressiv zu bestimmen. Dieses IV-Vorgehen widerspiegelt eine Problematik, die mit Spardruck zu tun hat, letztlich aber weit darüber hinausgeht und mit modernen kulturellen Vorstellungen und Ideologien zusammenhängt. Das IV-Vorgehen scheint mir selber Symptom einer Fehlentwicklung zu sein.

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