Diese Pflanzen helfen der Haut

Sie beruhigen oder wirken antibakteriell: So lindern pflanzliche Heilmittel Wunden, Entzündungen oder Hautkrankheiten.

Heilpflanzen können bei Neurodermitis, Schuppenflechte und Hautinfektionen helfen. Trotzdem führen sie in der Dermatologie ein Schattendasein. Foto: PeopleImages, iStock

Heilpflanzen können bei Neurodermitis, Schuppenflechte und Hautinfektionen helfen. Trotzdem führen sie in der Dermatologie ein Schattendasein. Foto: PeopleImages, iStock

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Kamille, Ringelblume, Aloe vera – einige Pflanzen sind weitherum bekannt für ihre entzündungslindernde Wirkung auf der Haut. Was aber regt trockene Haut an, mehr Fett zu bilden? Bitterstoffe aus dem Enzian zum Beispiel. Was kann unange­nehme Feigwarzen beseitigen? Grün­tee-Extrakt. Was ist imstand, die Schuppenflechte zu lindern? Ein Extrakt aus der ­Indigopflanze.

«In der Ausbildung zum Hautarzt hört man vor allem Negatives über Pflanzen: Sie können ­Allergien verursachen, sie wirken ungenügend, sie reizen unter Umständen die Haut. Über die nützliche Verwendung dagegen erfahren angehende Dermatologen an Universitätskliniken fast nichts», stellt Christoph Schempp fest, Oberarzt der Universitäts­-hautklinik im deutschen Freiburg im Breisgau. Er behandelt regelmässig Patienten mit pflanzlichen Wirkstoffen und gehört zu einer kleinen Minderheit von Medizinern, die zu diesem Thema forschen.

Die Betroffenen indes nehmen häufig alles andere lieber als das oft verordnete Kortison. «Ich warne aber vor Schwarz-Weiss-Malerei. ‹Natürliche› Präparate sind nicht besser als ‹künstliche›», sagt Schempp. «In den Pflanzen steckt genauso Chemie. Und sie haben auch nicht immer weniger Nebenwirkungen.»

Trotzdem schätzt er die Möglichkeiten, die sich damit bieten. «Pflanzen bergen einen grossen Schatz an Wirkstoffen. Gut ausgewählt und sinnvoll eingesetzt, können Pflanzen viel Gutes tun. Die Patienten nehmen das dankbar an.» Einige Beispiele:


Neurodermitis

Die Haut registriert nicht nur Wärme, Schmerz und Berührung. Sie spürt auch, wenn ein bitterer Stoff aufgetragen wird – und reagiert darauf. 2015 berichteten Forscher erstmals von Bitterstoffrezeptoren in der Haut. Diese lassen sich therapeutisch nützen, auch für Hautpflege­produkte. «Bitterstoffpflanzen haben grosses Potenzial», ist Schempp überzeugt.

Kommen Hautzellen beispielsweise mit bitterem Enzianwurzelextrakt in Kontakt, stimuliert das einerseits die Bildung von wichtigen Fetten, andererseits stärkt es die Barrierefunktion der Haut – zwei Abläufe, die bei Neurodermitis gestört sind. Bei dieser Hauterkrankung ist die Haut trockener, weil sie weniger Substanzen enthält, die sie feucht halten, und weil die Hautzellen weniger Fette bilden. Überdies ist die Haut durchlässiger als bei Menschen mit gesunder Haut.

Bitterstoffe im Gelben Enzian (die drei grossen Pflanzen) regen die Hautzellen an, mehr wichtige Fette zu bilden. Foto: Getty Images

Auch Süssholz kann bei Neurodermitis guttun. Der darin enthaltene Wirkstoff Licochalcon A erhöht den Feuchtigkeitsgehalt der Haut (auch bei gesunder Haut). In einem kleinen Experiment bestrichen 26 Teilnehmer mit Neurodermitis ihre Unterarme mit einer Salbe aus Schlüsselblumenextrakt, Omega-6-Fettsäuren aus Traubenkernöl und Licochalcon A – oder aber mit einer Placebosalbe. Nach gut zwei Wochen war die Haut auf sieben von zehn Unterarmen entzündet, die mit Placebo bestrichen worden waren. Von den anderen entzündeten sich nur drei von zehn Unterarmen.


Schuppenflechte

Die Indigopflanze, früher zum Blaufärben von Textilien benützt, erweist manchen Menschen mit Schuppenflechte gute Dienste. Ihr Wirkstoff Indirubin kann ­sowohl die Bildung von Interleukin-17 bremsen, einem entzündungsfördernden Botenstoff, als auch die überschiessende ­Bildung neuer Hautzellen. Eine ­Berberitzenart kann ebenfalls nützlich sein: «Eine grosse ­Studie aus den USA hat gezeigt, dass Mahonia aquifolia bei leichten bis mittelschweren Fällen von Schuppenflechte gute Ergeb­nisse erzielen kann», ergänzt Schempp.


Wunden

Betulin, das weisse Pulver der Birkenrinde kann – zu Salbe verarbeitet – gereizte Haut beruhigen und die Wundheilung beschleunigen, zum Beispiel nach Hautverpflanzungen. Die in der Birkenrinde enthaltenen Terpene scheinen die Bildung von Hornzel­len zu fördern. Gegenwärtig wird ein solches Präparat bei Patienten mit einer schweren Hauterkrankung getestet, bei der sich die Haut in Blasen ablöst. Im Gegensatz dazu ist Honig zwar kein pflanzliches Präparat, er zählt aber dennoch zu den «alternativen» Heilmitteln. Vor allem bei Wunden, die infolge von Durchblutungsstörungen oder durch Wundliegen auftreten, helfe er oft gut, sagt Schempp. Aber: «Man braucht Zeit für den Honig. Das geht nicht von jetzt auf gleich.» Honig wirkt antibakteriell, unter anderem deshalb, weil er beim Kontakt mit Wasser eine Art Desinfektionsmittel freisetzt. Der Freiburger Hautarzt warnt aber davor, handelsüblichen Honig zu verwenden. Dieser kann Clostridien enthalten, die den gefährlichen Gasbrand verursachen können. Medizinischer Honig ist zwar deutlich teurer, dafür aber sterilisiert.


Hautschäden durch Sonne

Aus den sogenannten aktinischen Keratosen, also durch ­Sonnenlicht verursachte Hautschäden, entwickelt sich in manchen Fällen weisser Hautkrebs. Meist treten sie im Gesicht oder auf der Glatze auf. Wie potent pflanzliche Medikamente sein können, beweist die unscheinbare ­Gartenwolfsmilch. Ihr weisser «Milchsaft» enthält Ingenolmebutat. Ein Extrakt mit nur 0,015 Prozent dieses Wirkstoffs beseitigte in Studien nach zwei- oder dreimaliger Anwendung vier von zehn solcher Hautveränderungen. Andere Medikamente müssen mindestens einen Monat lang angewendet werden, um denselben Effekt zu erzielen. «Die Wolfsmilch aktiviert das Immunsystem und führt zu einer heftigen Entzündung. Zuerst entsteht eine nässende Wunde. Dann fällt der Schorf ab und mit ihm die verhornte Hautläsion», erläutert Schempp. «Inzwischen wird dieser pflanzliche Wirkstoff weltweit eingesetzt.»


Hämmorrhoiden

Lange bewährt sind pflanzliche Gerbstoffe, beispielsweise in Eichenrinde, Blutwurz oder Zaubernuss (Hamamelis virginiana). «Sie spielen in der Dermatologie eine grosse Rolle», sagt Schempp. Hand-, Fuss- und Sitzbäder sowie Mundspülungen helfen, nässende und entzündete Hautstellen zu beruhigen (sollten aber nicht bei grossflächigen Hautschäden angewendet werden). Die Gerbstoffe wirken austrocknend, abdichtend und entzündungshemmend auf Haut und Schleimhäute.


Feigwarzen

Diese Warzen im Bereich von Genitalien und After werden durch bestimmte Papillomaviren verursacht und meist beim Geschlechtsverkehr übertragen. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen überwindet das Immunsystem die Infektion von allein, und die Warzen verschwinden wieder. In den übrigen Fällen beseitigte ein standardisierter Grüntee-Extrakt rund die Hälfte der Warzen, ein Scheinmedikament konnte immerhin etwa ein Drittel heilen.

«Die Wirkung ist nicht sehr stark», urteilt Schempp. Wie sie zustande kommt, ist nicht klar. Grüntee enthält sogenannte Catechine, die als Antioxidantien wirken. «Erkauft» wird die Wirkung mit teils starken Entzündungsreaktionen. Das pharmakritische «arznei-telegramm» riet deshalb – auch angesichts der hohen Spontanheilungsrate – von der Anwendung ab.


Hautinfektionen

Schon der antike Arzt Plinius lobte den Koriander als Mittel gegen schlecht heilende Wunden. Der Hauptbestandteil, das Linalool, wirkt antibakteriell und kann eitrige Pusteln beseitigen, zum Beispiel bei Akne. Zudem beruhigt Korianderöl entzündete Haut und wirkt schmerzlindernd. Die Universitätshautklinik in Freiburg im Breisgau verbraucht pro Jahr rund 1000 Kilo einer selbst hergestellten Salbe mit einem Prozent Korianderöl.

Erstellt: 16.09.2019, 15:34 Uhr

Worauf bei pflanzlichen Heilmitteln zu achten ist

Pflanzliche Duftstoffe verursachen im Vergleich zu künstlichen weniger Allergien. Wer jedoch auf Duftstoffe allergisch reagiert, sollte Acht geben: Es kann zu sogenannten «Kreuzreaktionen» mit ätherischen Ölen kommen.

Korbblütler rufen häufiger Allergien hervor (typischerweise etwa bei Floristinnen und Gärtnern). Zu den Korbblütlern zählen zum Beispiel Arnika, echte Kamille, Schafgarbe, Calendula und Echinacea. Sie wirken zwar nur schwach allergisierend, trotzdem sollte man insbesondere Arnika besser nicht bei offenen Wunden oder auf entzündeter Haut einsetzen, weil das eine Allergie begünstigen kann. Empfehlenswert sind nur qualitativ gute Produkte.

Je nach Zubereitung dominieren andere Inhaltsstoffe in einem Heilpflanzenpräparat. Extrakte, bei denen die Pflanzenwirkstoffe mit flüssigem Kohlendioxid unter Hochdruck extrahiert werden, sind sehr rein. Bei anderen Zubereitungsarbeiten besteht teilweise die Gefahr, dass beispielsweise Schwermetalle oder Pestizide aus dem Anbau im Extrakt nachweisbar sind. Abkochungen sind nur kurz haltbar, deshalb rasch verbrauchen.

Weitere Informationen zum Thema zum Beispiel auf der Website des Universitätsklinikums Freiburg; eine Liste von Apotheken und Ärzten in der Schweiz, die auf Pflanzenheilkunde spezialisiert sind, führt die Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie SMGP.

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