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Schweizer Forscher sind dem Superimpfstoff dicht auf der Spur

Wer sich umfassend vor Grippeviren schützen will, benötigt jedes Jahr eine neue Impfung. Tessiner Forscher haben nun einen Antikörper entdeckt, der dies schlagartig ändern könnte.

Kurz vor einem medizinischem Durchbruch: Antonio Lanzavecchia, Leiter des Instituts für biomedizinische Forschung, mit einer Forscherin. (Archivbild)
Kurz vor einem medizinischem Durchbruch: Antonio Lanzavecchia, Leiter des Instituts für biomedizinische Forschung, mit einer Forscherin. (Archivbild)
Keystone

Tessiner Forscher haben ein körpereigenes Abwehrmolekül entdeckt, das gegen alle gefährlichen Grippe-Viren wirkt. Die Entdeckung könnte ein Universalmedikament ermöglichen – oder gar eine Impfung, die nicht jedes Jahr an den zirkulierenden Grippestamm angepasst werden muss.

Der neue Antikörper eliminiere alle Typen des Influenza-A-Virus, berichtet das Team um Antonio Lanzavecchia vom Institut für biomedizinische Forschung der Universität der italienischen Schweiz (USI) im Fachmagazin «Science». Dazu zählen neben den meisten saisonalen Grippeviren auch Vogel- und Schweinegrippe sowie die Spanische Grippe.

Antikörper werden im Körper als Reaktion auf Krankheitserreger produziert. Bei einer Grippeinfektion wirken diese Schutzmoleküle aber normalerweise nur gegen einen von 16 bekannten Subtypen von Influenza A. Auf der Grundlage solcher Antikörper wird jedes Jahr eine neue Grippeimpfung hergestellt, je nachdem welche Subtypen im Umlauf sind.

Neue Test-Methode

Gemeinsam mit Kollegen aus England untersuchten die Tessiner Forscher acht Personen, deren Immunsystem ausserordentlich stark reagierte, sobald sie sich auf natürliche Weise mit einer Grippe infiziert hatten oder geimpft worden waren. Bei einer Person fand sich der Super-Antikörper, der alle 16 Grippe-Subtypen abtötet.

Möglich wurde die Entdeckung dank einer neuen Methode, mit der sich eine riesige Anzahl von Zellen testen lässt, in denen die Antikörper produziert werden. Dadurch verbesserten die Wissenschaftler ihre Chancen, auch extrem rare Moleküle aufzuspüren.

Sie konnten nachweisen, dass sich der neu entdeckte Antikörper namens FI6 an eine ganz bestimmte Stelle an der Basis eines Viren-Eiweisses namens Hämagglutinin heftet und dadurch das Virus lahmlegt. Das Hämagglutinin-Eiweiss ist an der Aussenhülle des Grippevirus verankert.

Achillesferse entdeckt

Es verändert sich enorm rasch und entwischt so dem Immunsystem immer wieder. Die Stelle, an die sich FI6 bindet, sei aber konserviert, sie verändert sich also nicht ständig, schreibt die USI in einer Mitteilung. «Diese Region könnte als Achillesferse des Virus bezeichnet werden.»

Lanzavecchia und seine Kollegen testeten bei Mäusen und Frettchen, wie gut der Antikörper vorbeugend und als Medikament wirkte. Der Antikörper heilte Tiere, wenn sie mit verschiedenen Grippe-Typen infiziert waren. Zudem gewährleistete das Molekül Schutz, wenn die Tiere ein bis zwei Tage nach der Antikörper-Gabe den Viren ausgesetzt wurden.

Dabei wirkt der Antikörper auf zwei Arten: Einerseits verhindert er, dass das Virus in eine Zelle eindringen kann und sich im Körper ausbreitet, wie die USI schreibt. Andererseits ist er in der Lage, spezialisierte Killerzellen herbeizurufen, die den Krankheitserregern den Garaus machen.

Jahre bis zum Medikament

Bis die Entdeckung in ein neues Medikament oder gar eine Impfung mündet, dürfte es aber noch Jahre dauern, wie Lanzavecchia auf Anfrage sagte. Laut ihm arbeiten die Forscher mit der Spinoff-Firma Humabs Biomed in Bellinzona zusammen, um ein Medikament zu entwickeln, das Patienten mit schweren Grippeinfekten helfen könnte.

Bis zu einer eventuellen Zulassung brauche es aber fünf oder mehr Jahre, sagte Lanzavecchia. Eine Impfung zu entwickeln, sei noch anspruchsvoller. Denn dazu wird nicht der Antikörper selbst benötigt, sondern jener Teil des Grippevirus, an den er bindet. Eine Universalimpfung ist deshalb laut dem Forscher ein Fernziel.

SDA/mrs

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