Stimmts wirklich? Sechs Gesundheitsmythen im Check

Heilen Wunden mit Honig? Wir sind populären Meinungen rund um Fitness und Gesundheit nachgegangen.

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Macht fettiges Essen länger satt?

Wer immer wieder von Heisshungerattacken heimgesucht wird, dem wird oft geraten: Du musst halt einmal «etwas Rechtes», sprich Deftiges, essen. So bleibst du länger satt. Das ist nur bedingt ein guter Rat.

«Unsere Sättigung hängt in erster Linie davon ab, wie voll unser Magen ist», erklärt Brigitte Buri von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE). «Je mehr wir essen, desto eher kommt es durch die Dehnung der Magenwand zu einem Sättigungsgefühl.» Mit anderen Worten: Wie schnell wir uns satt fühlen, hängt viel mehr von der Mahlzeitengrösse, also dem Volumen, ab als von dem, was wir essen. Allerdings, präzisiert die Ernährungsfachfrau, sei an der Behauptung vom sättigenden Fett durchaus etwas dran. «Eine fettreiche Ernährung wirkt sich hemmend auf die Magenentleerung aus – so verspürt man nach einer deftigen Mahlzeit normalerweise für längere Zeit keinen Hunger mehr.»

Machen Running-Socken schneller?

Topläuferinnen, aber auch Hobbysportler tragen oft Kompressionssocken, auch «Running Socks» genannt. Sie hoffen, mit den straffen Strümpfen ihre Leistung zu verbessern. Glaubt man der Werbung, müssten Kompressionssocken tatsächlich wie Siebenmeilenstiefel wirken. Dass dem so ist, dafür sei die Datenlage allerdings «zu dürftig», dämpft Orthopäde Martin Narozny allzu hohe Erwartungen. Zwar hätten Studien gezeigt, erklärt der Leiter des Zürcher Medbase Sports Medical Center, dass Kompression während der Laufleistung zu grösseren Kraftreserven nach dem Lauf beitragen könne und dass Kompressionssockenträger subjektiv über weniger Muskelkater berichteten. «Aber», so Narozny, «Kompressionssocken führen zu keiner Steigerung der Ausdauerleistung.» Zu empfehlen sind Kompressionsstrümpfe – in medizinischer Anfertigung wohlgemerkt – dagegen für Menschen mit Venenproblemen. Narozny: «Sie profitieren, weil die Krampfadern weniger stark ausgeweitet werden und weil die Schwellung, die die kranken Venen verursachen, mit Kompressionsstrümpfen reduziert werden kann.»

Fördert Honig die Wundheilung?

Bienenhonig versüsst nicht nur Heissgetränke und Butterbrote – er lässt auch Wunden schneller heilen. Was wie das Versprechen eines Schamanen klingt, findet zunehmend auch Eingang in die moderne Medizin. «Honig kommt am Inselspital regelmässig zum Einsatz», bestätigt Pflege- und Wundexpertin Barbara Egger (60). «Vor allem in Fällen von schlecht heilenden Wunden nach medizinischen Eingriffen, wo es um eine Reinigung der Wunde geht.» Zudem wirke Honig antibakteriell und entzündungshemmend. Die Erklärung: Die zuckrige Masse entzieht den Keimen das Wasser – mit der Folge, dass deren Vermehrung gebremst wird. Mediziner sehen im Honig bereits eine Alternative, wenn Antibiotika gegen multiresistente Keime versagen.

Kann man also, wenn man sich verletzt, einfach Honig aus dem Lebensmittelladen auf die Wunde schmieren? So einfach ist es nicht. Fachleute wie Barbara Egger setzen nur Honig ein, der für medizinische Zwecke aufbereitet wurde, sogenannten Medihoney. Dazu wird meist Manuka-Honig aus Neuseeland verwendet. Der stammt vom Blütennektar der Südseemyrte (Manuka) und gilt als besonders antibakteriell. Allerdings, räumt die Wundexpertin ein, sei auch medizinischer Honig kein Wundermittel. In der Dermatologie seien sie am Inselspital zurückhaltend, erklärt Barbara Egger. Denn aufgrund der unterschiedlichen Substanzen im Honig bestehe die Gefahr von allergischen Reaktionen. «Aber in vielen Fällen ist Honig ein wunderbares und erst noch natürliches Heilmittel.»

Wirken Generika schlechter als Originalpräparate?

Die Schweiz leistet sich eines der besten und teuersten Gesundheitswesen der Welt. Viel Geld sparen liesse sich bei den Medikamenten, vor allem wenn mehr Generika verwendet würden. Das sind Nachfolgemedikamente, nachdem Erstanmelde- und Patentschutz eines Arzneimittels abgelaufen sind. In der Schweiz sind Generika aber nicht sehr beliebt. Offenbar befürchten viele Patienten, dass die billigeren Nachahmerprodukte weniger gut wirken als die teuren Originale. Doch dieser Vorbehalt ist unbegründet. «Ein Generikum, also ein bekanntes Medikament ohne Innovation, enthält dieselben Wirkstoffe, dieselbe Wirkstoffmenge und hat dieselben Indikationen wie das Originalpräparat», sagt Danièle Bersier von Swissmedic, dem Schweizerischen Heilmittelinstitut, das für die Zulassung und Kontrolle der Arzneimittel in der Schweiz zuständig ist. «Die Wirksamkeit der Generika ist deshalb vergleichbar und muss auch durch Studien belegt werden.» Dennoch seien gewisse Abweichungen vom Original möglich. Diese betreffen aber lediglich die Hilfsstoffe, wie etwa die Aromastoffe. Deshalb könne in den meisten Fällen auch problemlos von einem Originalpräparat auf ein Generikum umgestiegen werden, so Danièle Bersier. «Der Wechsel sollte allerdings immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.»

Hilft Wasser trinken gegen Kopfweh?

Wer häufig an Kopfschmerzen leidet, dem wird oft leicht vorwurfsvoll geraten: Du musst halt mehr trinken. Dass viel trinken, vorzugsweise Wasser, einem Brummschädel vorbeugen soll, ist ein altbekanntes Hausmittel. Gute Studien dazu gibt es aber kaum. Somit konnte die Wissenschaft bisher nicht belegen, dass Wasser trinken wirklich einen positiven Effekt hat. Trotz der dürftigen Studienlage sei es – solange man nicht an einer schweren Herzinsuffizienz leide – einen Versuch wert, es auszuprobieren, sagt Eduard Scherer, Neurologe am Kantonsspital Winterthur. Man könne zur üblicherweise aufgenommenen Flüssigkeit für einen bis zwei Monate zusätzlich 1 bis 1,5 Liter Wasser am Tag trinken. «Verringern sich dadurch im individuellen Fall Stärke und Häufigkeit der Kopfschmerzen, kann die erhöhte Trinkmenge beibehalten werden», empfiehlt der Spezialist. «Sonst soll man es wieder lassen.»

Macht Schokolade glücklich?

Wer es sich nicht verkneifen kann und immer mal wieder Schokolade isst, beruhigt das Gewissen gern mit der Ausrede: Es macht mich halt glücklich. Das ist vermutlich nicht gelogen. Durch den Genuss von Schokolade kommt nämlich ein Prozess in Gang: Um nach der süssen Sünde den Blutzucker zu regulieren, schüttet der Körper Insulin aus. Insulin wiederum steigert auch die Aufnahme von Aminosäuren in den Muskeln – Tryptophan gelangt dabei als einzige Aminosäure auch ins Gehirn und kurbelt dort die Produktion des Glückshormons Serotonin an. «Schokolade kann also durchaus eine gewisse stimmungsaufhellende Wirkung haben», sagt Charlotte Weidmann von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE). «Dass damit aber zum Beispiel eine Depression weggegessen werden könnte, dafür ist die Konzentration der Glücksstoffe in Schokolade zu gering.» Die Ernährungsfachfrau rät denn auch davon ab, jedes Mal Schoggi zu essen, wenn einem etwas über die Leber gekrochen sei. «Schokolade enthält viele Kalorien und sollte nur gelegentlich und in kleinen Mengen genossen werden.» Als Alternative empfiehlt Weidmann eine Banane. «Die wirkt ähnlich wie Schokolade, hat aber weniger Kalorien und schlägt deshalb auch weniger auf die Hüften.»

Erstellt: 06.04.2018, 16:03 Uhr

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