Zum Hauptinhalt springen

Sicher ist nicht wirklich sicher

Das Schmerzmittel Ibuprofen soll die Hoden schädigen.

Das Schmerzmittel Iproben ist in der Schweiz frei verkäuflich. Foto: Ariana Lindquist (Getty Images)
Das Schmerzmittel Iproben ist in der Schweiz frei verkäuflich. Foto: Ariana Lindquist (Getty Images)

Er war der Star meiner Hausapotheke: der Algifor-Forte-Sirup. Wenn der Sohn wieder einmal über Ohrenschmerzen klagte, schnappte ich den zähflüssigen Sirup, kippte ihn auf den Löffel – und alles war wieder gut.

In Zukunft werde ich mir das zweimal über­legen. Eine neue Studie hat nämlich ergeben, dass der Wirkstoff Ibuprofen nicht so harmlos ist, wie ich immer dachte. Er bremst die Testosteron­produktion der Hoden, belastet die Nieren und vermutlich auch das Herz.

Natürlich verabreichte ich meinem Kind nie auch nur annähernd Dosen, wie sie in der Studie zur Anwendung kamen. Denn meine Haltung zu Medikamenten war immer: so viel wie unbedingt nötig, so wenig wie möglich, im Zweifelsfall lieber konservativ. Nur bei Ibuprofen war es ein bisschen anders.

Wärmstens empfohlen

Befreundete Ärzte hatten es mir wärmstens empfohlen, weil das Mittel nicht nur Schmerzen bekämpfe, sondern auch Entzündungen hemme. Gerade bei den sich träge dahinschleppenden Erkältungen, die sich bei jeder Unvorsichtigkeit zur Mittelohrentzündung auswirken können, war das sehr willkommen.

Und nachdem mein Sohn seine halbe Kindheit mit Zwiebelwickel auf dem Ohr verbrachte und trotzdem immer mal wieder im Krankenhaus landete wegen seiner Ohren, setzte ich irgendwann einen Punkt. Keine Zwiebeln mehr jetzt, sondern Chemie. Im Zweifelsfall lieber zu früh als zu spät. Druck auf dem Ohr? Nimm einen Löffel. Und auf die Nacht lieber gleich noch einmal: Sicher ist sicher.

Von dieser Haltung bin ich nun geheilt, denn sicher ist eben nicht immer sicher. Denn auch die Stars unter den Medikamenten bleiben: Medikamente. Mit Vorsicht zu geniessen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch