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Sind Kinder für ihre Eltern verantwortlich?

Peter Schneider

Sollten Kinder für ihre Eltern Verantwortung übernehmen? Und wenn ja, inwieweit? D. B.

Ein alter jüdischer Scherz lautet: «Das Leben ist furchtbar. Es wäre viel besser, niemals geboren worden zu sein. Aber wer hat schon so viel Glück? Nicht mal einer von hunderttausend!» Sie und ich hatten dieses Glück jedenfalls nicht. Und nun sollen wir auch noch für die verantwortlich sein, die uns unsere Existenz eingebrockt haben? Warum sollten wir überhaupt für irgendwas oder irgendwen verantwortlich sein? Ganz einfach: Weil niemand von uns kraft seiner eigenen Entscheidung auf dieser Welt ist und wir nun das Beste aus dem Schlamassel machen müssen, in den wir hineingeboren wurden. Und das geht nun mal nicht ohne wechselseitige Verantwortung füreinander. Die Frage ist also nur, in welchem Masse wer für wen und wofür verantwortlich ist.

Dass Eltern umso uneingeschränkter für ihre Kinder verantwortlich sind, je kleiner und hilfloser diese sind, ist offensichtlich. Und dass Kinder wiederum für ihre Eltern Verantwortung übernehmen sollten, sobald diese wegen ihres weit fortgeschrittenen Alters Hilfe benötigen, leuchtet ebenfalls ein. Wobei auch hier der alte römische Rechtsgrundsatz gilt: ultra posse nemo obligatur – niemand kann zu mehr verpflichtet werden, als er leisten kann. Aufopferung im Mutter-Teresa-Stil gehört meines Erachtens nicht zu den Kinderpflichten, wohl aber mehr als ein monatlicher Kurzbesuch im Altersheim. Aber wie steht es mit der Verantwortung des dreissigjährigen Sohnes, wenn es um die Schulden seiner fünfzigjährigen spielsüchtigen Mutter geht? Wie um die Verantwortung der vierzigjährigen Tochter, deren ebenfalls noch recht junge Eltern sich schon seit vielen Jahren immer tiefer in den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Ruin saufen?

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