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Sprintforscher: 9,48 Sekunden als ultimativer 100-Meter-Rekord

Analysen der Resultate von Sprintwettkämpfen, aber auch Pferde- und Hunderennen, zeigen laut einem amerikanischen Forscher, dass die Bestzeiten tatsächlich begrenzt sind.

Moment der Gewissheit: Ohne seinen Siegesjubel hätte Olympiasieger Usain Bolt den Weltrekord noch weiter unterboten.
Moment der Gewissheit: Ohne seinen Siegesjubel hätte Olympiasieger Usain Bolt den Weltrekord noch weiter unterboten.
Keystone

Es war ein historischer Moment in der Geschichte der Leichtathletik, als der Jamaikaner Usain Bolt das 100-Meter-Finale beendete – mit einer Weltrekordzeit von 9,69 Sekunden, obwohl er schon auf den letzten Metern abbremste. Wenig später publizierten norwegische Wissenschaftler die Resultate einer Video-Analyse des Finallaufs. Demnach hätte Bolt eine Fabelzeit von 9,55 Sekunden erreichen können, wenn er sein Tempo durchgehalten hätte.

Immer schneller und kein Ende? Der Forscher Mark Denny von der Stanford University in Kalifornien, selbst ein Marathonläufer, glaubt: Nein, es gibt eine ultamitive Bestzeit für die Zeit, in der ein Mensch den 100-Meter-Sprint absolvieren kann: exakt 9,48 Sekunden. Um dies herauszufinden, analysierte er nicht etwa biomechanische Eigenschaften des Körpers, sondern verglich die Leistungen von Sprintern mit denen anderer Schnellläufer – nämlich Rennhunden und Vollblut-Rennpferden.

Daten aus Jahrzehnten gesammelt und analysiert

In einem gewaltigen Datenpool aus Hunderennen, die bis ins Jahr 1920 zurückreichen, und entsprechenden Siegerlisten von Wettbewerben für Pferde und Menschen suchte Denny nach Trends oder Regelmässigkeiten. Wie sich anhand der jährlichen Bestleistungen zeigte, so der Forscher, hatten Rennhunde und Pferde ein erstes Limit bereits in den Siebzigerjahren erreicht. Aus den Verbesserungen der Vergangenheit schliesst Denny allerdings auch, dass die geltenden Rekorde vielleicht doch nochmals unterschritten werden könnten: Beim Kentucky Derby für dreijährige Vollblüter im amerikanischen Louisville, das jährlich 150’000 Zuschauer anzieht, könnte die Höchstgeschwindigkeit der Pferde auf mehr als 17 Meter pro Sekunde steigen.

9,48 Sekunden als ultimatives Limit ermittelt

Bei menschlichen Sprintern musste der Wissenschaftler jedoch nach Distanzen unterscheiden – und ermittelt ein allgemeingültiges Resultat: Auf allen Strecken ist der Mensch schon in der Nähe des Limits. Denny glaub aufgrund seiner statistischen Analysen, dass über die 100 Meter nur noch eine minime Verbesserung möglich wäre: Eines Tages könne ein Mensch die Rekordzeit von 9,48 Sekunden aufstellen – mit einer Höchstgeschwindigkeit, die Usain Bolts Tempo noch um 23 Zentimeter pro Sekunde übertreffen würde. Und bei der Damenkonkurrenz, so glaubt er, wird 10,19 Sekunden die Grenze des Machbaren sein.

Obwohl der Forscher seinen Ergebnissen nach mehreren Kontrollrechnungen Glauben schenkt, sind Unsicherheiten nicht ganz ausgeschlossen – allein schon deshalb, weil trotz zahlreicher Studien zum menschlichen Schnelllauf bis heute nicht geklärt ist, welcher Aspekt der Physiologie die Leistungsfähigkeit letztlich begrenzt.

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