Tödliches Bad in der Ostsee

In Deutschland ist eine Frau an einer Infektion mit Vibrionen gestorben. Solche Fälle könnten durch den Klimawandel zunehmen.

Die Ostsee ist ein beliebtes Ferienziel. (Keystone)

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Dass ein Bad in der Ostsee zu einer tödlichen Infektion führen kann, mag viele Menschen erstaunen. Doch in Mecklenburg-Vorpommern ist dies gerade passiert, wie der Direktor des dortigen Amtes für Gesundheit und Soziales, Heiko Will, bestätigte. Eine hochbetagte Frau starb an einer Infektion mit dem Bakterium Vibrio vulnificus, das zur Gattung der Vibrionen gehört, die natürlicherweise in Süss- und Meerwasser vorkommen. Mit all seiner Tragik ist der Fall allerdings weder extrem aussergewöhnlich noch Zeichen einer massiv erhöhten Gefahr für die Millionen Menschen, die jährlich ihre Ferien an der Ostsee verbringen.

Denn die Bakterien sind vor allem für Menschen mit chronischen Erkrankungen gefährlich. Diabetes, Leberleiden, Krankheiten, die mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen, aber auch ein hohes Alter gehören zu den Risikofaktoren. Auch die jetzt an der Ostsee gestorbene Patientin zählte zu den gefährdeten Personen.

Bakterien können zu Blutvergiftung führen

Die stäbchenförmigen Bakterien dringen hierzulande typischerweise über Verletzungen der Haut in den Körper ein. Bei gefährdeten Menschen lösen die Erreger Wundinfektionen aus. Auch Durchfall, hohes Fieber und Schüttelfrost können auftreten. Werden rechtzeitig Antibiotika verabreicht, kann die Infektion gestoppt werden. In einigen Fällen kann sich dagegen eine tödliche Sepsis – im Volksmund auch Blutvergiftung genannt – entwickeln.

Vibrio vulnificus sind stäbchenförmige Bakterien. Foto: Getty Images

Heiko Will warnt dennoch vor Panik. Denn all diese Geschehnisse sind selten. In Mecklenburg-Vorpommern wurden von 2003 bis heute insgesamt 50 Erkrankungen beobachtet. Acht Patienten starben in diesem Zeitraum. Im vergangenen, sehr heissen Sommer zählte das Land 17 Infektionen, von denen drei tödlich endeten. In dieser Saison wurden neben der tödlichen Erkrankung der alten Dame noch vier weitere Fälle gezählt.

Vibrionen leben bevorzugt in leicht salzigem Wasser. Steigt die Wassertemperatur über 20 Grad Celsius, vermehren sich die Erreger besonders gut. In warmen Sommern bietet die Ostsee den Keimen damit optimale Bedingungen. Aktuell weist die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC ein mittleres Infektionsrisiko für weite Teile der Ostsee von Dänemarks Küste bis zum Süden Finnlands aus. Ein hohes Risiko besteht für den Schwarzmeerraum.

Wassererwärmung fördert Infektionen

Forscher befürchten allerdings, dass die Vibrio-Infektionen zunehmen werden, wenn der Klimawandel die Weltmeere weiter erwärmt. Schon in den vergangenen Jahrzehnten wurde ein Anstieg registriert. Wurden in den Anrainerstaaten der Ostsee in den 1980er-Jahren noch deutlich weniger als zehn Fälle jährlich gemeldet, stiegen sie im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends auf 20 bis 30 Fälle pro Jahr. Die amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC registrierte zwischen 1996 und 2005 eine Zunahme der Fälle um 40 Prozent. Allerdings stecken sich in den USA die meisten Menschen an, wenn sie rohe oder unzureichend gegarte Meerestiere essen. Vor allem Austern sind eine Gefahrenquelle.

In einer anderen Untersuchung hatten Forscher gezeigt, dass die Oberflächentemperatur der Meere in den zurückliegenden fünf Jahrzehnten um mehr als ein Grad Celsius anstieg. Gleichzeitig nahm die Zahl der Vibrio-Bakterien in Wasserproben zu, die die Wissenschaftler an neun verschiedenen Stellen im Nordatlantik und der Nordsee genommen hatten. Damit ist mehr denn je aktuell, was das Robert-Koch-Institut schon vor Jahren schrieb: Menschen mit offenen Wunden sollten den Kontakt mit warmem Meerwasser meiden. Das gilt insbesondere, wenn sie an Vorerkrankungen leiden oder ein geschwächtes Immunsystem haben.

Erstellt: 09.08.2019, 19:00 Uhr

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