Tote durch E-Zigaretten: Jetzt steht eine Substanz in Verdacht

Die mysteriösen Todesfälle und Erkrankungen in den USA gaben Rätsel auf. Nun könnte es einen Durchbruch geben.

Zwei Todesfälle und 200 Erkrankungen: Ein in Cannabisprodukten enthaltener Stoff könnte Auslöser mysteriöser Fälle in den USA sein. (Archivbild) Bild: Toby Melville/Reuters

Zwei Todesfälle und 200 Erkrankungen: Ein in Cannabisprodukten enthaltener Stoff könnte Auslöser mysteriöser Fälle in den USA sein. (Archivbild) Bild: Toby Melville/Reuters

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Schweizer Ärzte zeigen sich besorgt über die Häufung unerklärlicher Lungenprobleme in den USA (wir berichteten). Im August waren mehrere Menschen ins Spital geliefert worden – möglicherweise stehen die Erkrankungen in Zusammenhang mit dem Gebrauch von E-Zigaretten.

Nach zwei Todesfällen und mehr als 200 Lungenerkrankungen gibt es jetzt anscheinend eine heisse Spur. Untersuchungen der gerauchten Produkte hätten einen Stoff in den Fokus gerückt, der möglicherweise für die Beschwerden verantwortlich sei, berichtete die «Washington Post» am Donnerstag. Die Zeitung berief sich dabei auf interne Kommunikation der Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) mit Behörden aus den betroffenen Bundesstaaten.

Bei dem Stoff, der bei verschiedenen Marken in mehreren der sogenannten Liquids – Flüssigkeiten, die verdampft werden – vorkommt, handelt es sich demnach um ein Vitamin-E-Öl. Die Ermittler hätten den Stoff in Proben von Cannabisprodukten gefunden, welche die Erkrankten zuvor geraucht hatten. In einigen US-Bundesstaaten ist der Verkauf von entsprechenden THC-Produkten erlaubt.

Vitamin E kommt natürlicherweise in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Ölen oder Nüssen vor. Wie die «Washington Post» berichtete, kann der Stoff wegen seiner molekularen Struktur beim Einatmen gefährlich werden.

Vor allem Cannabis-Liquids betroffen

In einer Stellungnahme gegenüber der Deutschen Presse-Agentur kommentierte die FDA den Bericht nicht direkt. Sie erklärte, dass mehr Informationen benötigt würden, um die Verbindung zwischen speziellen Produkten oder Substanzen und den gemeldeten Krankheitsfällen besser zu verstehen.

«Es gibt keine Substanz, einschliesslich Vitamin-E-Azetat, die in allen Proben identifiziert wurde», hiess es. Die Zusammensetzung der Stoffe in den Proben, von denen die FDA nun schon mehr als 100 erhalten habe, seien nur ein Stück des Puzzles. Die Untersuchungen gingen weiter.

In den USA hatten sich die Meldungen ungeklärter Lungenerkrankungen, die nach dem Konsum von E-Zigaretten auftreten, in den vergangenen Wochen gehäuft. Mehr als 200 Erkrankungen und zwei Todesfälle waren in einer Reihe von Bundesstaaten aufgetreten.

Die Symptome reichten von Atembeschwerden, Atemnot und Brustschmerzen bis hin zu Fällen von Magen-Darm-Erkrankungen mit Erbrechen und Durchfall. Viele der Betroffenen hatten Liquids mit dem psychoaktiven Cannabis-Wirkstoff THC konsumiert. In der Schweiz sind Liquids mit mehr als einem Prozent THC verboten.


Wie E-Zigaretten das Herzinfarktrisiko beeinflussenForscher haben Daten von über 96'000 Personen ausgewertet – und bezeichnen die Ergebnisse als «echten Weckruf».

(oli/sda)

Erstellt: 06.09.2019, 17:12 Uhr

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