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Überlebensrate bei Krebs variiert enorm zwischen Ländern

Die Chance, eine Krebserkrankung zu überleben, hängt laut einer Studie stark vom Wohnort ab. Bei zwei Krebsarten sind die Unterschiede besonders gross – beide betreffen Frauen.

Von Land zu Land verschieden: Eine Frau bei der Krebs-Vorsorgeuntersuchung.
Von Land zu Land verschieden: Eine Frau bei der Krebs-Vorsorgeuntersuchung.
Keystone

Wie viele Kinder eine Leukämie-Erkrankung oder wie viele Frauen Eierstockkrebs überleben, hängt stark davon ab, in welchem Land sie wohnen: Gemäss einer internationalen Studie mit Schweizer Beteiligung schwanken die Überlebensraten bei zehn häufigen Krebsarten drastisch zwischen Nationen.

Während zum Beispiel in Industrieländern wie Deutschland, Österreich oder Kanada über 90 Prozent der Kinder mit akuter lymphatischer Leukämie fünf Jahre nach der Diagnose noch leben, sind es in Jordanien, Lesotho, Tunesien, der Mongolei oder Jakarta (Indonesien) nur 16 bis 50 Prozent. In der Schweiz sind es etwas weniger als 90 Prozent.

«Dies deutet auf grosse Mängel bei der Behandlung dieser weitgehend heilbaren Erkrankung, der häufigsten Krebserkrankung bei Kindern», erklärten die Forscher in einer Mitteilung zur Concord-2-Studie, die am Mittwoch im britischen Fachjournal «Lancet» veröffentlicht wurde. Sie untersucht die geografischen Unterschiede bei der Fünfjahres-Überlebensrate bei zehn verschiedenen Krebsarten.

150'000 Schweizer Patienten

In die aktuelle Auswertung flossen Daten von insgesamt 25 Millionen Krebspatienten und 75'000 Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie (Blutkrebs) aus nationalen Krebsregistern in über 60 Ländern ein. Aus der Schweiz wurden Daten aus acht kantonalen Krebsregistern berücksichtigt, die etwa 150'000 Krebspatienten umfassten.

Die gute Nachricht: In entwickelten Ländern stieg die Chance, Dickdarm-, Enddarm- sowie Brustkrebs zu überleben, deutlich. In 22 Ländern (inklusive Schweiz) leben noch mehr als 60 Prozent der Patienten fünf Jahre nach der Diagnose von Dick- und Enddarmkrebs, beim Brustkrebs sind es in 17 Ländern (inklusive Schweiz) 85 Prozent oder mehr. Erfolge konnten auch beim Prostatakrebs erzielt werden.

Schlechte Raten auch in Europa

Besonders grosse Länderunterschiede machten die Wissenschaftler beim Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs aus. Bei Letzterem variiert die Überlebensrate fünf Jahre nach der Diagnose zwischen 70 Prozent in den Top-Ländern Mauritius, Korea, Taiwan, Island und Norwegen und weniger als 40 Prozent in Libyen. In der Schweiz liegt sie bei 65 Prozent.

Auch in Europa habe diese Rate in etlichen Ländern wie Grossbritannien, Frankreich, Irland und mehreren osteuropäischen Staaten nicht auf über 60 Prozent angehoben werden können, und es habe in den letzten 15 Jahren nur wenig Verbesserung gegeben, erklärten die Forscher.

Magenkrebs überleben Patienten in Südostasien häufiger als anderswo. Dies liege vermutlich an der aktiven und frühen Diagnose sowie radikale operative Therapie der Erkrankung. Dies könnte eine wichtige Lektion für andere Länder sein, betonten die Forscher.

Düster sehen die Überlebenschancen nach wie vor bei Leber- und Lungenkrebs aus - sowohl in Industrie- als auch Entwicklungsländern. Nach fünf Jahren lebt noch weniger als jeder fünfte Patient (Schweiz: 12%), mancherorts nur jeder Zwanzigste. Dies deutet laut den Forschern darauf hin, dass die Patienten noch immer zu spät Hilfe suchen.

Zehn Krebsarten untersucht

In der Concord-2-Studie wurden die Krebsarten Brust, Dickdarm, Enddarm, Prostata, Lunge, Magen, Leber, Eierstöcke, Gebärmutterhals und Blutkrebs (inklusive Leukämie des Kindes) untersucht. Die Studie wird von der London School of Hygiene & Tropical Medicine geleitet und unter anderen von der Schweizer Krebsliga, der Stiftung Krebsforschung Schweiz und dem Rückversicherer Swiss Re finanziert.

SDA/fko

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