Übung macht den Meister

Die Spitäler müssen einsehen, dass sie bestimmte Operationen besser gar nicht durchführen als in ungenügender Zahl.

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Roger Federer mag ein Riesentalent sein, doch wenn er nicht seit Jahr und Tag hart trainieren würde, wäre er niemals dort, wo er jetzt ist. Kaum jemand dürfte das bezweifeln. Oder vielleicht doch? Auch wenn der Vergleich etwas hinkt: Wenn es um Topqualität bei Operationen statt beim Tennis geht, scheint es, als ob das Training vielen Beteiligten nicht mehr so wichtig wäre. Im Kanton Zürich proben derzeit die Regionalspitäler deswegen den Aufstand. Nachdem die Gesundheitsdirektion Ende August zusätzliche Verschärfungen bei den Mindestfallzahlen verkündet hat, legten sie beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein. Und auf nationaler Ebene torpedieren Spitäler und Politiker seit Jahren den Versuch der Kantone, hoch spezialisierte Operationen im Bereich der Bauch­chirurgie auf grosse Zentren zu konzentrieren. Auch hier geht es unter anderem um Fallzahlen.

Um nicht gänzlich auf die am eigenen Spital kaum durchgeführten bauchchirurgischen Eingriffe verzichten zu müssen, wird zum Beispiel ernsthaft moniert, dass in der Schweiz nicht bewiesen sei, dass höhere Fallzahlen zu einer besseren Behandlungsqualität führten. Längst durchgeführte Untersuchungen aus den USA, Kanada oder Skandinavien hätten demnach hierzulande keine Bedeutung.

Wenig überraschend liefert eine aktuelle Studie nun den Gegenbeweis – und zeigt bei der Bauchchirurgie, was für viele andere Eingriffe auch gilt: Auch an Schweizer Spitälern macht Übung den Meister.

Eine andere Behauptung der Gegner von Mindestzahlen: Ein erfahrener Chirurg kann bei schwierigen Eingriffen das Niveau halten, auch wenn er sie später selten durchführt. Dem widersprechen gestandene Kollegen, die selbst erlebt haben, wie sie und ihr Team ohne Training schlechter wurden, obwohl sie zuvor eine bestimmte Operation häufig durchgeführt hatten.

Bei all den Einwänden geht es kaum je um wissenschaftliche Fakten oder das Behandlungsergebnis für den Patienten. Auch nicht darum, dass man es seit Jahren versäumt hat, selbst dafür zu sorgen, dass Operationen lieber gar nicht als in Miniquantitäten durchgeführt werden. Es ist Zeit, dass sich das ändert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.10.2017, 20:34 Uhr

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