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Umweltverschmutzung fordert 15-mal mehr Tote als Krieg

Jeder sechste vorzeitige Todesfall geht auf dreckige Luft, unsauberes Wasser oder verunreinigten Boden zurück, wie eine Studie erstmals aufzeigt.

Umweltverschmutzung ist für weltweit 16 Prozent der vorzeitigen Todesfälle verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine in dieser Art erstmals erschienene Studie von 47 internationalen Wissenschaftlern, die heute im Fachmagazin «The Lancet» veröffentlicht wurde. Durch Schadstoffe in der Luft, im Wasser und im Boden verursachte Krankheiten haben im Jahr 2015 demnach zum Tod von geschätzt 9 Millionen Menschen geführt. Das ist dreimal mehr als durch Aids, Tuberkulose und Malaria zusammen und 15-mal mehr als durch Kriege und andere Formen der Gewalt.

In den am stärksten betroffenen Regionen fordern durch Umweltverschmutzung verursachte Krankheiten sogar mehr als ein Viertel der Toten. Dabei handelt es sich in erster Linie um Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Lungenkrebs und Atemwegserkrankungen. Ein Grossteil dieser Todesfälle wird in armen oder aufstrebenden Ländern verzeichnet. Vor allem dort, wo die Industrie schnell ausgebaut wird, sind die Auswirkungen spürbar: etwa in Indien, Pakistan, China, Bangladesh oder Madagaskar. In Europa sind Bulgarien, Weissrussland, die Ukraine und Georgien verhältnismässig am meisten betroffen.

Für die Studie wurden mithilfe verschiedener internationaler Organisationen und Nichtregierungsorganisationen erstmals umfassende Daten zu Todesfällen durch Umweltverschmutzung weltweit zusammengetragen. In der Schweiz starben im Jahr 2015 demnach gut 4000 Menschen an Erkrankungen, die von Schadstoffen verursacht wurden. Das entspricht etwa 6,3 Prozent aller Todesfälle im Land.

In den Industriestaaten Westeuropas, inklusive der Schweiz, sowie in den USA und China ist die dreckige Luft Hauptursache für solche Todesfälle. Verunreinigtes Wasser ist dagegen ein grosses Problem auf der arabischen Halbinsel und in Teilen Afrikas, wie eine interaktive Karte zeigt, welche die Wissenschaftler zusätzlich zum Bericht aufbereitet haben.

Weltweit geht die grösste Gefahr von Schadstoffen in der Luft aus. Allein die Luftverschmutzung, etwa durch Industrie- und Autoabgase, aber auch im Inneren von Räumen durch das Verbrennen von Holz oder Kohle zum Heizen oder Kochen, steht in Zusammenhang mit 6,5 Millionen Todesfällen. Wegen verschmutztem Wasser, durch das Infektionen übertragen werden, starben 2015 etwa 1,8 Millionen Menschen. Die Belastung am Arbeitsplatz durch giftige und krebserregende Substanzen führte zu 800’000 Todesfällen.

«Verschmutzung ist viel mehr als eine Herausforderung für die Umwelt – es ist eine schwerwiegende und allgegenwärtige Bedrohung, die viele Aspekte der menschlichen Gesundheit betrifft», sagt der Epidemiologe Philip Landrigan, der an der Untersuchung beteiligt war.

Durch Umweltverschmutzung entstandene Todesfälle haben auch finanziell drastische Folgen. Die Einbussen betragen weltweit rund 4,6 Billionen US-Dollar, etwa 6,2 Prozent der globalen Wirtschaft, fanden die Wissenschaftler heraus. Als kurzfristige Massnahme schlagen sie beispielsweise vor, Aufklärungskampagnen für das Händewaschen in besonders stark betroffenen Regionen zu intensivieren, damit verschmutztes Wasser künftig nicht mehr so viele Todesopfer fordert. Langfristig sollen unter anderem Mechanismen entwickelt werden, die Menschen vom Autofahren abhalten.

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