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Verschwörungstheorie erschwert Kampf gegen Zika

Haben genmanipulierte Moskitos das Zika-Virus aggressiver gemacht? Eine Verschwörungstheorie könnte den Einsatz einer vielversprechenden Waffe gegen Zika verzögern.

Das Zika-Virus ist besonders für Schwangere gefährlich: Eine Ärztin untersucht ein mit Mikroenzephalie geborenes Baby in einem Krankenhaus in der brasilianischen Stadt Campina Grande. (12. Februar 2016)
Das Zika-Virus ist besonders für Schwangere gefährlich: Eine Ärztin untersucht ein mit Mikroenzephalie geborenes Baby in einem Krankenhaus in der brasilianischen Stadt Campina Grande. (12. Februar 2016)
Felipe Dana/AP, Keystone
Gefährlicher Stich: Eine Tigermücke auf menschlicher Haut, aufgenommen in einem Forschungszentrum im kolumbianischen Cali. (25. Januar 2016)
Gefährlicher Stich: Eine Tigermücke auf menschlicher Haut, aufgenommen in einem Forschungszentrum im kolumbianischen Cali. (25. Januar 2016)
Luis Robayo, AFP
Kleine Stiche, grosse Wirkung: Die Gelbfiebermücke verursacht eine rasante Ausbreitung des Zika-Virus.
Kleine Stiche, grosse Wirkung: Die Gelbfiebermücke verursacht eine rasante Ausbreitung des Zika-Virus.
Keystone
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Im Zuge der Zika-Epidemie ist die Zahl der Neugeborenen mit zu kleinem Schädel rasant gestiegen. Zwar ist dieser Zusammenhang zwischen dem Virus und der sogenannten Mikrozephalie nicht abschliessend bewiesen, gilt jedoch als wahrscheinlich. Die Frage bleibt, warum das bisher als harmlos geltende Virus plötzlich solch drastische Auswirkungen hat.

Experten vermuten eine genetische Veränderung im Erbgut des Virus, die es gefährlicher gemacht haben könnte. Nun wies unter anderem das Newsportal «infosperber» auf einen möglichen Zusammenhang mit genmanipulierten Moskitos hin, die von der Firma «Oxford Insect Technologies» (Oxitec) ausgesetzt wurden.

Theorie mit riesigen Lücken

Die Geschichte machte ihre Runde bei alternativen Medien und auf den sozialen Netzwerken. Viel zitiert wurde in diesem Zusammenhang ein Artikel mit Karte auf der News-Website Anti-Media, welche den Ort anzeigt, wo Oxitec seine Gentech-Moskitos freigelassen haben soll, und der mitten im Epizentrum der Mikrozephalie-Epidemie liegt.

Wie die Wissenschaftsbloggerin Christie Wilcox jedoch nach ihrer Recherche feststellte, handelte es sich dabei um eine Verwechslung. Der auf der Karte eingezeichnete Ort trug zwar den gleichen Namen, tatsächlich entliess Oxitec die Moskitos jedoch 300 Kilometer entfernt. Dennoch hält sich die Theorie vielerorts hartnäckig.

Gentechnik zur Kontrolle von Mückenpopulationen

Oxitec hat mit Geldern der Bill & Melinda Gates Stiftung genmanipulierte Moskito-Männchen gezüchtet, deren Nachkommen bereits im Larvenstadium absterben. Dadurch soll die Gelbfiebermücke Aedes aegypti dezimiert und somit die Übertragung des Dengue-Fiebers gestoppt werden. Die gleichen Gentech-Moskitos sollen nun helfen, die Zika-Epidemie zu bekämpfen.

Bei früheren Versuchen in zwei brasilianischen Städten schrumpfte die Gelbfiebermücken-Population dank der freigelassenen Oxitec-Moskitos auf bis zu fünf Prozent. Anders als Insektizide wirkt diese Methode ausschliesslich auf die Gelbfiebermücke.

Liesse sich die Mückenpopulation damit lokal ausradieren, könnte das die Rettung für viele Ungeborene sein, weshalb grosse Hoffnungen auf Oxitecs Moskitos ruhen. Zumal bisher kein Impfstoff gegen das Zika-Virus existiert.

Überlebende Larven

Einen Grund zur Beunruhigung sehen Kritiker jedoch in der Tatsache, dass die Larven unter Umständen doch überleben, und die gentechnische Veränderung sich in der Wildpopulation verbreiten könnte. Dies könnte der Fall sein, wenn die Larven mit dem Antibiotikum Tetrazyklin in Kontakt kommen, das auch in der Landwirtschaft eingesetzt wird.

Dass die Moskito-Larven in freier Wildbahn mit Tetrazyklin in Kontakt kämen und überlebten, sei aber extrem unwahrscheinlich, sagt Alexander Mathis von der Universität Zürich auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Die Brutstätten der Gelbfiebermücke sind typischerweise Pfützen und kleine Behälter, in denen sich Regenwasser sammelt.» Landwirtschaftliche Abwässer kämen damit nicht in Berührung.

Springende Gene

Selbst wenn Larven überleben sollten, ist eine Veränderung des Virus rein durch die Anwesenheit genmanipulierter Moskitos unwahrscheinlich. Angeblich sollen springende Gene, sogenannte Transposons, welche bei der Herstellung der Moskitos verwendet wurden, auf das Zika-Virus übergegangen sein.

«Das ist völlig an den Haaren herbeigezogen», sagt Mathis. Viren mutierten generell recht schnell und könnten so virulenter werden. «Das wird auch derzeit untersucht, welche Veränderungen im Zika-Virus eine Rolle gespielt haben könnten und wie es dazu kam.» Dass Transposons dabei eine Rolle gespielt haben, schliesse er jedoch aus.

Diese springenden Gene können sich zwar an beliebige Stellen im Erbgut setzen. Da es sich bei Zika aber um ein RNA-Virus handelt, besitzt es überhaupt kein Erbgut im klassischen Sinne, in das sich ein Transposon hineinsetzen und zu Veränderungen führen könnte.

Riskantes Zögern

Obwohl die Theorie auf mehr als wackligen Beinen steht, schürt sie Zweifel, die den Einsatz der Moskitos verzögern könnten. Oxitec wartet bereits seit April 2014 auf den Entscheid der für die Zulassung medizinischer Produkte zuständige Behörde Anvisa. Sie soll das Label bestimmen, unter welchem die Moskitos vermarktet werden sollen.

Zwar könnte diese Verzögerung seitens der Anvisa an rein bürokratischen Problemen liegen. Verschwörungstheorien dürften jedoch dem schnellen Einsatz der Oxitec-Mücken gegen Zika alles andere als dienlich sein.

SDA/mlr

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