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Drei Dinge lernen vom Krebspatienten

Conradin Döbeli hat seine Therapie selbst in die Hand genommen – und damit etwas erreicht.

Symbol für den Kampf gegen den Krebs: Patient Döbeli mit seinem Drachen. Foto: Christian Aeberhard
Symbol für den Kampf gegen den Krebs: Patient Döbeli mit seinem Drachen. Foto: Christian Aeberhard

Der Kampf von Conradin Döbeli berührt und beeindruckt. Dem Liestaler gelingt es seit vier Jahren, seine aggressive Krebserkrankung in Schach zu halten – dank seines Intellekts. Eigentlich liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei anderthalb Jahren. Doch der 33-Jährige hat sich Fachwissen zu seiner Erkrankung angeeignet, das ihm ermöglicht, eine eigene, mass­geschneiderte Therapie zu entwickeln. Sechsmal ist bei ihm seit der Diagnose der Krebs in Form von Metastasen bereits zurückgekehrt. Doch Döbeli lässt sich nicht unterkriegen, wie diese Zeitung berichtete.

Die Geschichte mag ein ungewöhnlicher Einzelfall sein. Doch manche Aspekte reichen weit darüber hinaus. Der vielleicht wichtigste ist, dass Döbeli seine schwere Krankheit nicht mit unbewiesenen Heilverfahren oder mit abenteurerlicher Alternativmedizin bekämpft. Diäten, Super-Beeren, Nahrungsergänzungsmitteln, Ausleit-Therapien, Chlorophyll, Backpulver und was sonst noch an absurden Behandlungen herumgereicht wird, mögen bei manchen Patienten auf offene Ohren stossen – sie heilen aber keinen Krebs. Das steht auch für Döbeli ausser Frage. Er verlässt sich auf Schulmedizin und rationale Wissenschaft.

Der zweite wichtige Punkt: Conradin Döbeli stützt sich auf seriöse Informationen. Er hat rund 100 wissenschaftliche Studien durchgearbeitet. Er weiss auch, dass eine einzelne Forschungsarbeit nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Studien können widerlegt werden oder sich widersprechen. Döbeli tauscht sich in den sozialen Medien bevorzugt mit selbst betroffenen Wissenschaftlern aus. Dubiose Webseiten, Medienbeiträge, Ratgeberseiten oder selbst ernannte Experten sind für ihn keine ausreichende Basis für eine Behandlung.

Arzt-Patient-Beziehung mit Lehrbuchcharakter

Döbeli behandelt sich dabei nicht allein. Das ist der dritte wichtige Punkt. Es ist immer noch seine Onkologin, die die Therapie leitet. Zu ihr hat der Patient grosses Vertrauen. Er bespricht mit ihr seine Ideen auf Augenhöhe, versucht sie zu überzeugen. Und er lässt sich Einwände gefallen. Die Behandlungsentscheide fällen beide dann gemeinsam.

Es ist eine Arzt-Patient-Beziehung mit Lehrbuchcharakter. Gerade bei einem so aktiven Patienten wie Döbeli keine Selbstverständlichkeit. Es braucht in dieser Konstellation nicht viel, damit ein Arzt oder eine Ärztin die eigene Fachkompetenz infrage gestellt sieht und blockiert. Auf der anderen Seite kann das Vertrauensverhältnis schnell gestört sein, wenn der Patient sich nicht ernst genommen fühlt. Es braucht grosse Offenheit auf beiden Seiten, damit es nicht so weit kommt.

In diesem Zusammenhang mögen manche verwundert oder gar empört sein, wenn Döbelis Onkologin offen einräumt, dass man als behandelnde Ärztin nicht die Zeit hat, immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. Doch das ist kein Zeichen von Unvermögen, sondern von Ehrlichkeit. Die Behandlung von Krebs entwickelt sich heute rasend schnell, sodass es für alle Fachleute eine Herausforderung ist, mitzuhalten.

Glück im Unglück

Aus dem Sonderfall Conradin Döbeli lässt sich also so einiges lernen. Doch man sollte sich hüten, seine Geschichte zum Massstab für andere zu nehmen. Zu ungewöhnlich ist der Patient. Er hat als Medizintechnologe ein Studium absolviert, das es ihm erleichtert, die komplexe Welt der Krebsbiologie geistig zu durchdringen. Hinzu kommen seine sicher überdurchschnittliche Auffassungsgabe und die grosse Energie, mit der er schwierige Probleme anpackt.

Diese Kombination von Eigenschaften sind Döbelis Glück in seiner dramatischen Erkrankungssituation. Doch Glück im Unglück hat er auch aus einem anderen Grund. Einige der Medikamente, die er eingenommen hat, können gravierende Nebenwirkungen haben. Gerade bei experimentellen Therapien können solche auch unerwartet auftreten. Döbeli blieb verschont. Aber nicht jeder möchte das Risiko eingehen.

Conradin Döbeli geht es heute gut. Doch sein Kampf gegen den Krebs ist noch nicht zu Ende. Hoffentlich wird er ihn gewinnen.

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