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Welche «Pille danach» ist am zuverlässigsten?

Für die Notfallverhütung sind zwei Wirkstoffe auf dem Markt. Nun empfehlen Forscher eher den einen, da dieser bis wenige Stunden vor dem Eisprung wirkt.

Felix Hütten
Faktor Zeit als Vorteil: Medikamente mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat werden von Fachleuten als zuverlässiger bezeichnet. Foto: Phanie, Picture Alliance
Faktor Zeit als Vorteil: Medikamente mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat werden von Fachleuten als zuverlässiger bezeichnet. Foto: Phanie, Picture Alliance

Uli gegen Levo, zwei Gegner im Ring, und immer wieder die eine Frage: Wer ist der Bessere? Dabei sind Uli und Levo keine Boxkämpfer, sondern die Abkürzungen zweier Wirkstoffe, Ulipristalacetat und Levonorgestrel. Sie werden für die Notfallverhütung verwendet – im Alltag auch ­«Pille danach» genannt.

Uli oder Levo also. Apotheken in der Schweiz verkaufen beide, und beide «Pillen danach» sind wirksam; aber ist eine von beiden wirklich besser?

Immerhin wirbt der Hersteller der Uli-Pille, sie sei der «goldene Standard in der Notfallverhütung». Kein Wunder also, dass diese Pille mit rund 45 Franken etwa doppelt so teuer ist wie das Konkurrenzprodukt. Und ­Frauen, die nach einer Verhütungspanne eine Apotheke aufsuchen, sind oft bereit, einen höheren Preis zu zahlen – auch wenn es eine günstigere, aber womöglich ja schlechtere Alternative gibt.

Die pharmakritische Zeitschrift «Gute Pillen, schlechte Pillen» hat allerdings Zweifel an dieser Bewertung und bemängelt in einem kürzlich publizierten Artikel die lückenhafte Studienlage, die den angeblichen Goldstandard von Ulipristalacetat kaum belegen könne.

Die Medikamente sind keine «Abtreibungspillen»

Ganz so gravierend sind die Unterschiede tatsächlich nicht, wenngleich es welche gibt. Hierfür ist es zunächst wichtig, den grundsätzlichen Wirkmechanismus der «Pille danach» zu verstehen. Denn sie ist beileibe ­keine «Abtreibungspille», wie oft fälschlicherweise behauptet wird. Beide Wirkstoffe, Uli und Levo, verzögern lediglich den bevorstehenden Eisprung der Frau – stets in der Hoffnung, dass Spermien bis dahin abgestorben sind und die Eizelle nicht mehr befruchten können. Ist der Eisprung hingegen bereits erfolgt, hilft die «Pille danach» nichts mehr, egal welcher der beiden Wirkstoffe zum Einsatz kommt.

Der zentrale Unterschied zwischen den beiden Präparaten: Studien zeigen, dass die etwas günstigeren Levo-Pillen bis etwa einen Tag vor dem Eisprung ­wirken können, Uli-Pillen hingegen sogar bis wenige Stunden vor dem Eisprung. Kurzum: «Weil eine Frau ohne Ultraschalluntersuchung nicht weiss, wann ihr Eisprung stattfinden wird und wie viel Zeit noch bleibt, um diesen zu verhindern, ist Ulipristalacetat immer das zuverlässigere Arzneimittel», sagt Christian Albring, Präsident des deutschen Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF).

In einer vor wenigen Tagen aktualisierten Version der deutschsprachigen Leitlinien bekräftigen die Autoren diese Empfehlung für «Uli» auf Basis einer Metaanalyse – auch wenn die Interpretation der exakten Stundenzahl, in der die Pillen wirken ­sollen, unter Experten schon immer ein Streitthema war. Grundsätzlich gilt daher, egal welcher Wirkstoff zum Einsatz kommt: Je mehr Zeit zwischen dem un-geschützten Geschlechtsverkehr und der Einnahme der Pille liegt, desto eher kann es zu einem ­Eisprung und damit zu einer Schwangerschaft kommen.

Wirksamkeit der regulären Pille eingeschränkt

Und natürlich gibt es für beide Pillen Einschränkungen, etwa für Frauen mit erhöhtem Körpergewicht. «Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass Levonorgestrel bei höherem Körpergewicht weniger zuverlässig wirkt», sagt Christian Albring vom BVF. Der Effekt lasse sich für Ulipristalacetat bei starker Adipositas auch beobachten.

Weitere Studien liefern Hinweise, dass die Wirksamkeit der regulären «Pille» nach der Einnahme von Ulipristalacetat beeinträchtigt sein könnte, weshalb in dieser Zeit besondere Vorsicht bei der Verhütung angebracht ist. Mögliche Nebenwirkungen beider Präparate, Uli und Levo, sind Blutungen, Schwindel, Erbrechen und Müdigkeit. Am besten sind Frauen – und natürlich auch ihre Männer – daher beraten, wenn sie das Risiko von Ver­hütungspannen möglichst weit senken.

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