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Schweizer erhält Chemie-Nobelpreis

Nach 15 Jahren geht die Auszeichnung wieder an einen Schweizer Forscher: Jacques Dubochet wird für die Entwicklung einer neuen Mikroskopie-Technik geehrt.

Grosse Freude: Ein Schweizer bekommt den Chemie-Nobelpreis. Video: Tamedia/SDA

Der diesjährige Nobelpreis für Chemie geht an den Schweizer Jacques Dubochet, Joachim Frank (USA) und Richard Henderson (GB). Sie werden für die Entwicklung von Kryoelektronenmikroskopie geehrt, wie die Nobel-Jury in Stockholm mitteilte.

Die Entwicklung der drei Forscher ermöglicht Einblicke in die Details von Molekülen. Jacques Dubochet arbeitet an der Universität Lausanne. Er verbesserte diese Mikroskopietechnik Anfang der 1980er-Jahre wesentlich, indem er die in Wasser gelösten Moleküle für die Messung rasant einfror. Dadurch behalten die Moleküle ihre natürliche Form, und ihre Struktur kann untersucht werden.

Wissenschaftler mit Humor

Dass hochkarätige Wissenschaftler nicht kompliziert und trocken sein müssen, stellt Jacques Dubochet schon mit seinem offiziellen Lebenslauf unter Beweis. «Von optimistischen Eltern gezeugt», steht da zu seinem Zeugungsjahr 1941.

Weiter gibt er an, schon im Alter von drei Jahren seine wissenschaftliche Karriere angefangen zu haben. Er habe im Waadtland mit «Messern, Nadeln, Schnüren und Zündhölzern» als Instrumenten experimentiert.

Gut gelaunter Nobelpreisträger: Jacques Dubochet an der Meidenkonferenz der Universität Lausanne. (4. Oktober 2017)
Gut gelaunter Nobelpreisträger: Jacques Dubochet an der Meidenkonferenz der Universität Lausanne. (4. Oktober 2017)
Jean-Christophe Bott, Keystone
Auszeichnung für Schweizer Forscher: Mitglieder des Nobelpreiskomitees geben die Gewinner bekannt.
Auszeichnung für Schweizer Forscher: Mitglieder des Nobelpreiskomitees geben die Gewinner bekannt.
AFP
2002 hat der ETH-Professor Kurt Wüthrich den Nobelpreis für Chemie erhalten – für seine bahnbrechenden Arbeiten im Bereich der Magnetresonanz-Spektroskopie.
2002 hat der ETH-Professor Kurt Wüthrich den Nobelpreis für Chemie erhalten – für seine bahnbrechenden Arbeiten im Bereich der Magnetresonanz-Spektroskopie.
ETH
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«Berge, Natur, Politik (links)»

Mit 14 Jahren habe er als erster Schüler seiner Region die offizielle Diagnose Dyslexie bekommen - eine Leseschwäche. «Das erlaubte mir, schlecht in allem zu sein und Leute mit Schwierigkeiten zu verstehen.»

1967 schloss er sein Studium als Biologe ab. 1969 begann er, die Elektronen-Mikroskopie zu studieren, die sein Hauptthema blieb. 1970 folgte die Abschlussarbeit in Genf und Basel bei Eduard Kellenberger, der ihm «Biophysik, ethische Verantwortung und nachhaltige Freundschaft» beigebracht habe. Den Nobelpreis erhält er für seine Arbeit zur Kryoelektronenmikroskopie.

Als Hobbys gibt der Vater zweier erwachsener Kinder unter anderem «Berge, Natur, Politik (links)» an. Dubochet ist laut SP-Nationalrat Roger Nordmann Mitglied der Waadtländer SP.

Schweiz wartete 15 Jahre auf Nobelpreis

Als letzter Schweizer erhielt 2002 der ETH-Professor Kurt Wüthrich den Nobelpreis für Chemie – für seine bahnbrechenden Arbeiten im Bereich der Magnetresonanz-Spektroskopie.

Nach der 15-jährigen Durststrecke ist die Freude hierzulande entsprechend gross. Bundespräsidentin Doris Leuthard ist stolz auf die Schweiz, wie sie auf Twitter schreibt.

Forschungsminister Johann Schneider-Ammann zeigte sich stolz auf den Nobelpreisträger und nicht zuletzt auf den Bildungs- und Forschungsplatz Schweiz, wie er in einem Communiqué mitteilte. Das Kryo-Elektronenmikroskop, zu dem Dubochet massgeblich beitrug, sei zweifellos bahnbrechend. Auch SP-Fraktionschef Roger Nordmann hat Dubochet auf Twitter gratuliert.

Im vergangenen Jahr erhielten der Franzose Jean-Pierre Sauvage, der gebürtige Brite James Fraser Stoddart und der Niederländer Bernard Feringa den Chemie-Nobelpreis. Sie entwickelten «molekulare Maschinen»: eine Art Lift, künstliche Muskeln und ein Nano-Auto. Alles aus nur wenigen Molekülen.

(SDA)

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