Nach 15 Jahren wieder ein Nobelpreis für einen Schweizer Forscher

Die Auszeichnung in der Disziplin Chemie geht an Jacques Dubochet und zwei Forscher-Kollegen.

Grosse Freude: Ein Schweizer bekommt den Chemie-Nobelpreis. Video: Tamedia/SDA

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der diesjährige Nobelpreis für Chemie geht an den Schweizer Jacques Dubochet, Joachim Frank (USA) und Richard Henderson (GB). Sie werden für die Entwicklung von Kryoelektronenmikroskopie geehrt, wie die Nobel-Jury in Stockholm mitteilte.

Umfrage

Ein Nobelpreis für die Schweiz. Das ist ...






Die Entwicklung der drei Forscher ermöglicht Einblicke in die Details von Molekülen. Jacques Dubochet arbeitet an der Universität Lausanne. Er verbesserte diese Mikroskopietechnik Anfang der 1980er-Jahre wesentlich, indem er die in Wasser gelösten Moleküle für die Messung rasant einfror. Dadurch behalten die Moleküle ihre natürliche Form, und ihre Struktur kann untersucht werden.

Wissenschaftler mit Humor

Dass hochkarätige Wissenschaftler nicht kompliziert und trocken sein müssen, stellt Jacques Dubochet schon mit seinem offiziellen Lebenslauf unter Beweis. «Von optimistischen Eltern gezeugt», steht da zu seinem Zeugungsjahr 1941.

Weiter gibt er an, schon im Alter von drei Jahren seine wissenschaftliche Karriere angefangen zu haben. Er habe im Waadtland mit «Messern, Nadeln, Schnüren und Zündhölzern» als Instrumenten experimentiert.

«Berge, Natur, Politik (links)»

Mit 14 Jahren habe er als erster Schüler seiner Region die offizielle Diagnose Dyslexie bekommen - eine Leseschwäche. «Das erlaubte mir, schlecht in allem zu sein und Leute mit Schwierigkeiten zu verstehen.»

1967 schloss er sein Studium als Biologe ab. 1969 begann er, die Elektronen-Mikroskopie zu studieren, die sein Hauptthema blieb. 1970 folgte die Abschlussarbeit in Genf und Basel bei Eduard Kellenberger, der ihm «Biophysik, ethische Verantwortung und nachhaltige Freundschaft» beigebracht habe. Den Nobelpreis erhält er für seine Arbeit zur Kryoelektronenmikroskopie.

Als Hobbys gibt der Vater zweier erwachsener Kinder unter anderem «Berge, Natur, Politik (links)» an. Dubochet ist laut SP-Nationalrat Roger Nordmann Mitglied der Waadtländer SP.

Schweiz wartete 15 Jahre auf Nobelpreis

Als letzter Schweizer erhielt 2002 der ETH-Professor Kurt Wüthrich den Nobelpreis für Chemie – für seine bahnbrechenden Arbeiten im Bereich der Magnetresonanz-Spektroskopie.

Nach der 15-jährigen Durststrecke ist die Freude hierzulande entsprechend gross. Bundespräsidentin Doris Leuthard ist stolz auf die Schweiz, wie sie auf Twitter schreibt.

Forschungsminister Johann Schneider-Ammann zeigte sich stolz auf den Nobelpreisträger und nicht zuletzt auf den Bildungs- und Forschungsplatz Schweiz, wie er in einem Communiqué mitteilte. Das Kryo-Elektronenmikroskop, zu dem Dubochet massgeblich beitrug, sei zweifellos bahnbrechend. Auch SP-Fraktionschef Roger Nordmann hat Dubochet auf Twitter gratuliert.

Im vergangenen Jahr erhielten der Franzose Jean-Pierre Sauvage, der gebürtige Brite James Fraser Stoddart und der Niederländer Bernard Feringa den Chemie-Nobelpreis. Sie entwickelten «molekulare Maschinen»: eine Art Lift, künstliche Muskeln und ein Nano-Auto. Alles aus nur wenigen Molekülen. (woz/sda)

Erstellt: 04.10.2017, 09:39 Uhr

Die Schweizer Nobelpreisträger seit 1901

Jacques Dubochet ist der achte Schweizer Chemie-Nobelpreisträger und - bei grosszügiger Auslegung des Bürgerrechts - der 28. Schweizer, der einen Nobelpreis erhält. Letztmals hatte mit Kurt Wüthrich 2002 ein Schweizer die Auszeichnung erhalten, ebenfalls für Chemie.

Zu den 28 Wissenschaftlern werden auch Doppelbürger und eingebürgerte Ausländer gezählt, die teilweise in der Liste des Nobel-Komitees unter einer anderen Nationalität aufgeführt sind. Neun Mal ausgezeichnet wurden ferner Organisationen mit Sitz in der Schweiz.

Chemie-Nobelpreis
Alfred Werner (Jahr der Verleihung: 1913), Paul Karrer (1937), Leopold Ruži?ka (1939, CH seit 1917), Hermann Staudinger (1953, D/CH seit 1920), Vladimir Prelog, (1975, CH seit 1959), Richard Ernst (1991), Kurt Wüthrich (2002), Jacques Dubochet (2017).

Medizin-Nobelpreis
Theodor Kocher (1909), Paul H. Müller (1948), Walter Rudolf Hess (1949), Taddeusz Reichstein (1950, CH seit 1915 ), Max Theiler (1951, CH/ZA/USA), Daniel Bovet (1957), Werner Arber (1978), Edmond H. Fischer (1992), Rolf M. Zinkernagel (1996).

Physik-Nobelpreis
Charles Edouard Guillaume (1920), Albert Einstein (1921, D/CH/USA) Wolfgang Pauli (1945, A/CH/USA), Felix Bloch (1952, CH/USA), Heinrich Rohrer (1986), Karl Alexander Müller (1987).

Literatur-Nobelpreis
Carl Spitteler (1919), Hermann Hesse (1946, D/CH seit 1924).

Friedensnobelpreis
Henry Dunant (1901), Elie Ducommun und Charles-Gilbert Gobat (1902).

Friedensnobelpreis an Organisationen
Der Friedensnobelpreis ist der einzige, der auch an Institutionen vergeben werden kann. Das in Bern beheimatete Internationale Büro für Frieden erhielt den Friedensnobelpreis im Jahr 1910.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bekam die Auszeichnung gleich drei Mal: 1917, 1944 und 1963, damals zusammen mit der Liga der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften.
Von den in Genf beheimateten anderen internationalen Organisationen erhielten das Internationale Nansen-Büro für Flüchtlinge den Friedenspreis 1938, das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) 1954 und 1981, die UNO-Arbeitsorganisation (ILO) 1969 und der Weltklimarat IPCC 2007. (sda)

Artikel zum Thema

Physik-Nobelpreis geht an Gravitationsforscher

Drei US-Amerikanern gelang der Nachweis der von Einstein vorausgesagten Verkrümmungen der Raumzeit. Dafür erhalten sie nun die höchste wissenschaftliche Ehrung. Mehr...

Medizin-Nobelpreis geht an drei Amerikaner

Video Den diesjährigen Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhalten Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young. Sie werden für die Erforschung innerer Uhren geehrt. Mehr...

Drei Schweizer haben Chancen auf den Nobelpreis

Anfang Oktober gibt das Nobelpreis-Komitee die Gewinner bekannt – ist dieses Jahr auch ein Schweizer darunter? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Fast wie auf der Titanic: Ein Liebespaar betrachtet die untergehende Sonne im untergehenden Venedig (17. November 2019).
(Bild: Luca Bruno) Mehr...