Wie E-Zigaretten das Herzinfarktrisiko beeinflussen

Forscher haben Daten von über 96'000 Personen ausgewertet – und bezeichnen die Ergebnisse als «echten Weckruf».

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Forscher der University of Kansas sind beunruhigt. Sie haben über 96'000 Datensätze der Jahre 2014 bis 2017 studiert und ausgewertet und fanden dabei heraus, dass Raucher von E-Zigaretten eine um 34 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts haben – gegenüber Nichtrauchern. «Diese Daten sind ein echter Weckruf und sollten zu mehr Bewusstsein für die Gefahren von E-Zigaretten führen», sagt Dr. Mohinder Vindhyal, Assistenzprofessor an der medizinischen Fakultät der Universität.

Dabei haben die Wissenschaftler die Daten um andere Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Bluthochdruck oder Cholesterinwerte bereinigt, ansonsten wären die Zahlen noch höher gewesen. «Wenn das Risiko eines Herzinfarkts bei E-Zigaretten-Nutzern im Vergleich zu Nichtrauchern um bis zu 34 Prozent steigt, möchte ich nicht, dass meine Patienten oder meine Familienmitglieder ‹dampfen›», sagt Vindhyal.

Die Forscher haben nicht nur das Herzinfarktrisiko genauer angeschaut, sondern auch andere Krankheiten. Demnach ist gegenüber Nichtrauchern die Wahrscheinlichkeit um 25 Prozent erhöht, dass die Blutgefässe beschädigt werden.

E-Zigaretten-Raucher würden auch eher an einer Depression erkranken, um 55 Prozent wahrscheinlicher als bei Nichtrauchern sei diese Gefahr, sagen die Forscher. Es sei aber nach wie vor unklar, ob das Rauchen zu einer Depression führe, oder ob die Krankheit die Leute zum Rauchen führe.

Schäden von normalen Zigaretten?

Die Studie, welche Ende März vollständig veröffentlicht werden soll, hat aber einen Haken, wie die Autoren gleich selber zugeben. So könne nicht festgestellt werden, ob die Schäden schon bestanden, bevor mit dem Rauchen von E-Zigaretten begonnen wurde, oder ob sie erst durch das Verdampfen entstanden. Denn die meisten Nutzer von E-Zigaretten in der Studie hatten zuvor bereits normale Zigaretten geraucht. Die Forscher hätten diese Tatsache so gut wie möglich berücksichtigt.

Ein erstes Ergebnis deutete demnach bei Verdampfern noch auf eine um 56 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts hin, gegenüber Nichtrauchern. Diese Zahl wurde dann aber unter Berücksichtigung der Vorgeschichte der Raucher auf 34 Prozent korrigiert und soll nun für das erhöhte Risiko nur durch Verdampfen stehen.

Zudem stützen sich die Wissenschaftler auf Daten von Umfragen (National Health Interview Surveys), welche das Center for Disease Control (eine Abteilung des Gesundheitsministeriums) durchführte. Die Teilnehmenden haben ihre Daten also selber angegeben, wobei es dabei auch zu Erinnerungsverzerrungen kommen kann, wenn sich Probanden nicht mehr richtig erinnern oder Faktoren zu stark bewerten.

Die Forschung stecke noch in den Anfängen, gibt denn auch Dr. Mohinder Vindhyal zu bedenken, er hoffe aber, dass es nicht wie bei den Zigaretten Jahrzehnte dauere, bis die Risiken anerkannt werden.

Glimmstängel noch gefährlicher

In der Studie dargelegt ist auch, dass das Tabak-Rauchen noch gefährlicher ist. Das Herzinfarkt-Risiko ist dabei gegenüber Nichtrauchern um 165 Prozent erhöht – bei den Verdampfern lag der Wert bei 34 Prozent. Oder anders gesagt: Raucher von E-Zigaretten haben demnach ein tieferes Herzinfarktrisiko als jene, die an den herkömmlichen Glimmstängeln hängen. Auch die Wahrscheinlichkeiten für Gefässerkrankungen sind für Dampf-Inhalierer (25 Prozent) wesentlich geringer als für Zigarettenraucher (94 Prozent). Das gilt auch für psychische Krankheiten.

Und die Verdampfer helfen gemäss einer Studie der Universität London beim Zigarettenstopp besser als alle anderen Ersatzmittel wie Pflaster, Kaugummis oder Sprays. Der Umstieg vom Tabakprodukt auf den Verdampfer bringt somit zwar gesundheitliche Verbesserungen mit sich – gegenüber Nichtrauchern bestehen allerdings trotzdem Nachteile.

Umstieg, nicht Ausstieg

Wie gross diese sind, will in der Schweiz das Inselspital Bern an 1200 ausstiegswilligen Rauchern erforschen. In der Langzeitstudie soll auch untersucht werden, wie die verschiedenen Ausstiegsmethoden wirken und welche Gesundheitswerte dabei erreicht werden. Die Studie soll 6 Monate dauern und es werden noch Teilnehmer gesucht.

Diese Forschung soll auch einem aktuell in der Politik behandelten Thema dienen. Gesundheitsexperten wollen in E-Zigaretten mehr Nikotin erlauben, damit mehr Raucher auf die Verdampfer umsteigen. Dabei ist die Gefahr von Nikotin noch wenig erforscht, nur das hohe Suchtpotenzial des Stoffs ist bereits erwiesen. Wird mehr Nikotin in Verdampfern erlaubt, führt das zu einer erhöhten Abhängigkeit, und der Umstieg von der Zigarette bleibt eben ein Umstieg und wird nicht zum Ausstieg aus der Droge.


Video: Was halten Passanten von der E-Zigarette?

Wer «juult», fühlt sich nicht wie ein Süchtiger. Weil der Dampf nicht kratzt. Video: Anja Ruoss, Anja Stadelmann


(anf)

Erstellt: 08.03.2019, 14:02 Uhr

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