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Wie Fluglärm krank macht

Fluglärm kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, das haben Studien belegt. Wie genau es dazu kommt, war bislang unklar. Forscher wollen das Rätsel nun gelöst haben.

Lärm, an den sich der Mensch nicht gewöhnt: Ein Flugzeug im Landeanflug über Zürich. (Archivbild)
Lärm, an den sich der Mensch nicht gewöhnt: Ein Flugzeug im Landeanflug über Zürich. (Archivbild)
Keystone

Forscher aus Mainz und den USA haben einen biologischen Zusammenhang zwischen nächtlichem Fluglärm und Bluthochdruck nachgewiesen. Eine Studie mit 75 Teilnehmern habe ergeben, dass der Lärm die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin steigert und die Gefässfunktion beeinträchtigt, teilte die Mainzer Universitätsklinik mit.

«Wir wissen, dass Fluglärm Bluthochdruck, Herzinfarkte und auch Schlaganfälle auslösen kann», sagte Studienleiter Thomas Münzel. Die genauen Mechanismen, die zu diesen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, seien bislang jedoch nicht bekanntgewesen. Die Wissenschaftler forderten, aus den Ergebnissen der Studie politische Konsequenzen zu ziehen.

Bei der Studie beschallten die Forscher 75 gesunde Männer und Frauen in ihren heimischen Schlafzimmern in der Nacht mit Fluglärm von durchschnittlich 60 Dezibel. Einer Gruppe verpassten die Wissenschaftler 30 Überflüge pro Nacht, einer Zweiten 60 Überflüge. Eine Kontrollgruppe schlief ohne Lärm.

Mehr Lärm, mehr Schäden

Die Forscher filmten die Probanden mit einer Infrarotkamera und ermittelten mit Ultraschallgeräten die Gefässfunktion. Dabei zeigte sich nach Angaben der Wissenschaftler, dass der Lärm unter anderem durch bestimmte Funktionsstörungen des Kreislaufs Bluthochdruck auslösen kann.

Überrascht waren die Forscher, dass sich der Mensch offenbar nicht an nächtlichen Fluglärm gewöhnt. Die Wissenschaftler liessen einer Nacht mit 30 Überflügen eine Nacht mit 60 Überflügen folgen. Die Steigerung der Flugszahl führte zu einer deutlich schlechteren Gefässfunktion, als die von Teilnehmern, die direkt 60 Überflüge über sich ergehen lassen mussten.

«Das bedeutet, dass man sich im Rahmen mehrerer Beschallungen nicht an den Fluglärm gewöhnt, sondern das Ausmass der Gefässschäden eher zunimmt», erklärte Münzel.

Vitamin C kann helfen

In der Studie zeigte sich zudem, dass sich die Gefässschädigung mit Vitamin C therapieren lässt. Vitamin C binde die freien Radikale im Blut, die sich aufgrund des Lärms gebildet hatten. «Das bedeutet freilich nicht, dass sich durch Vitamin C die Folgen von Fluglärm einfach lösen lassen», betonte Erstautor Frank Schmidt von der Universitätsmedizin Mainz.

Weitere Studien laufen noch. So soll die Norah-Studie, an der mehrere Unis und Institute beteiligt sind, bis Sommer 2014 erste Ergebnisse über die längerfristige Auswirkung von Verkehrslärm im Allgemeinen liefern. Auch die Mainzer Universitätsmedizin arbeitet an einer weiteren Studie, die Auswirkungen von Fluglärm bei Patienten mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht.

SDA/fko

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