Zahl der MS-Fälle ist in der Schweiz stark angestiegen

Eine neue Studie wurde publiziert – sie zeigt ein auffallendes Geschlechterverhältnis und die zentrale Rolle des Lebensstils.

Es wird vermutet, dass die Zahl der MS-Betroffenen in den nächsten Jahren weiter zunimmt: Mann mit Multipler Sklerose geniesst die Aussicht in seinem Garten. Foto: Mark Hunt (Getty Images)

Es wird vermutet, dass die Zahl der MS-Betroffenen in den nächsten Jahren weiter zunimmt: Mann mit Multipler Sklerose geniesst die Aussicht in seinem Garten. Foto: Mark Hunt (Getty Images)

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Seit den 1980ern war man davon ausgegangen, dass es in der Schweiz rund 10'000 Menschen gibt, die an multipler Sklerose (MS) leiden. Doch inzwischen sind es deutlich mehr – mindestens 15'000, wie nun eine Studie im Rahmen des Schweizer MS-Registers ergeben hat.

Das MS-Register wurde 2016 von der Schweizerischen Multiple-Sklerose-Gesellschaft zusammen mit dem Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich ­lanciert. Es hat zum Ziel, die ­Verbreitung der unheilbaren Nervenkrankheit und die Lebensqualität der Betroffenen in der Schweiz zu dokumentieren.

Neben der Zunahme der MS-Patienten insgesamt hat sich auch das Geschlechterverhältnis weiter verschoben: Schon immer waren etwas mehr Frauen an MS erkrankt als Männer. Nach der neuen Hochrechnung sind nun aber 73 Prozent, also fast drei Viertel, der Betroffenen Frauen, wie Registerleiter Viktor von Wyl in einer Mitteilung zum Zwischenbericht schreibt.

Der Anstieg der MS-Erkrankungen wird im Bericht mit dem ebenfalls markanten Bevölkerungswachstum in den letzten 30 Jahren begründet; ferner mit der steigenden Lebenserwartung (auch der MS-Patienten) und den verbesserten Diagnosemöglichkeiten. All diese Gründe, so der Bericht weiter, reichten als Erklärung für die Zunahme jedoch nicht aus.

«Leider verstehen wir die Entstehungsmechanismen der Krankheit immer noch zu wenig.»Jens Kuhle, Leiter MS-Zentrum Universitätsspital Basel

Weiter spielt offenbar der Lebensstil eine Rolle, wie Jens Kuhle, Leiter des MS-Zentrums am Universitätsspital Basel und Studien-Mitautor, auf Nachfrage erklärt. «Rauchen, Übergewicht, aber auch hormonelle Faktoren, zum Teil durch spätere Geburten beeinflusst, können die MS-Entstehung begünstigen.» Gerade die Risiken eines ungesunden Lebensstils hätten besonders bei jungen Frauen in den letzten Jahren tendenziell zugenommen.

Darüber hinaus gebe es aber auch Hinweise, dass Autoimmunerkrankungen wie Allergien, Morbus Crohn oder eben MS in den Industrieländern generell häufiger auftreten. Kuhle vermutet denn auch, dass die Zahl der MS-Betroffenen in den nächsten Jahren weiter zunimmt. «Leider verstehen wir die Entstehungsmechanismen der Krankheit immer noch zu wenig.»

Weitere Infos: Link

Erstellt: 19.11.2019, 13:40 Uhr

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