6 Fragen zur brutalen Hitzewelle in Indien

Superheisse Westwinde machen Indien zu einem Hotspot der Erde. Nun wird auch noch ein schwächelnder Monsun erwartet. Fragen und Antworten zur brutalen Hitzewelle.

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Ist die Hitzewelle in Indien ungewöhnlich?

Der Mai gehört in der Vormonsun-Periode in Indien klimatisch zu den heissesten Monaten im Jahr. Ein Tagesmaximum von etwa 40 Grad Celsius ist vielerorts in Nordindien normal. Ende Mai, Anfang Juni kann es gemäss dem staatlichen indischen Wetterdienst sogar über 45 Grad heiss werden. Trotzdem ist die gegenwärtige Hitzewelle ungewöhnlich. In der Hauptstadt Delhi war es seit mehr als zehn Jahren nicht mehr so heiss, die Thermometer zeigten vergangenen Montag ein Maximum von 45,5 Grad. Eine Hauptursache liegt in den extrem heissen Westwinden, welche trockene Wärme aus Südpakistan nach Nordindien transportieren. Die Luftfeuchtigkeit ist also tief. Dort erwarten Meteorologen Temperaturen von bis zu 50 Grad.

Gehört Indien derzeit zu den wärmsten Zonen der Erde?

Das Satellitenbild zeigt, dass in Indien derzeit tatsächlich Verhältnisse herrschen wie vielerorts in der Sahara. Mit gegen 50 Grad Celsius sind die Temperaturen jedoch noch weit von den Rekordmessungen entfernt. Die Nasa beschreibt die Suche nach den heissesten Plätzen der Welt: 1913 wurde das Death Valley als der absolute Hotspot ausgerufen: 56,7 Grad Celsius. Neun Jahre später messen Wissenschaftler in El Azizia, Libyen 58,0 Grad. Zu den heissesten Zonen der Erde gehören die Sahara, die Wüste Gobi in China und der Mongolei und die Sonora-Wüste in Mexiko. Doch diese Gebiete sind derart abgelegen und unwirtlich, dass sich keine regelmässigen Messungen machen lassen. Heute behelfen sich die Wissenschaftler mit Satelliten. Die Nasa hat zwei im All, welche die Wärmeenergie der Erdoberfläche messen können. Die höchste Temperatur messen die Satelliten in der iranischen Wüste Lut: 70,7 Grad Celsius. Für solche Rekorde braucht es einen klaren Himmel, trockene Böden und eine schwache Windzirkulation.

Wird die Hitze in Indien noch lange anhalten?

Die Hitzetage werden in den meisten betroffenen Regionen in den nächsten Tagen anhalten. Monsunregen ist laut dem indischen Institut für Tropische Meteorologie bis Mitte Juni zum Beispiel in Zentralindien nicht zu erwarten. Der indische Wetterdienst IMD befürchtet, dass der Monsun dieses Jahr weniger stark ausfallen wird als sonst. Allerdings gehen die Prognosen der Wetterdienste auseinander: Der private Dienst Skymet sagt überdurchschnittlichen Regen voraus.

Welche Folgen haben Hitzewellen für die Gesundheit?

Es besteht die Gefahr der Dehydrierung, vor allem wenn zu wenig getrunken wird. Der Körper ermüdet durch die Hitze, Betroffene haben Kopfweh, schwächeln, es wird ihnen schwindlig. Das Risiko für Hitzschläge nimmt zu. In Indien sind bereits nach ersten Schätzungen 1800 Menschen durch die extreme Hitze gestorben. Jedes Jahr sterben Hunderte Menschen während der heissen Jahreszeit in Indien. Doch dieses Jahr ist die Zahl der Todesopfer laut «The Guardian» die höchste seit 1995. Die letzte grosse Hitzewelle in Zentraleuropa war 2003. Der Jahrhundertsommer forderte über 20'000 Todesopfer.

Wie stark ist die Landwirtschaft betroffen?

Bereits im letzten Jahr fiel deutlich weniger Regen als sonst. Indien brauche nun termingerecht Niederschläge, damit die Preise für Nahrungsmittel wie Zwiebeln, Gemüse und Hülsenfrüchte unter Kontrolle blieben, schreibt «The Economic Times». «Guter Regen» im Juni würde eine frühe Ernte für frische Zwiebeln sichern, während inländische Produktion von früh gesäten Hülsenfrüchten lebenswichtig sei, zumal der Verkaufspreis in den letzten zwei Monaten bereits um 50 Prozent gestiegen sei.

Hat das Wetterphänomen El Niño einen Einfluss auf den Monsun?

Die Wetterdienste weltweit haben die El-Niño-Saison ausgerufen. Das Wetterphänomen stört die pazifische Zirkulation. Dabei flaut der Ostpassat praktisch ab, weil aus bis heute noch unerklärlichen Gründen die Druckverhältnisse im Westpazifik und in Südostasien ansteigen und damit die Unterschiede zwischen Ost und West verringern. Das kann in Südostasien zu einem schwachen Monsun führen. Der indische Wetterdienst warnt deshalb vor diesen Bedingungen, die in diesem Jahr besonders ausgeprägt sein könnten. El Niño hat einen grossen Einfluss: Er kann Dürren in Südostasien, Australien und den Philippinen bringen, Stürme in den Staaten, in Mexiko extreme Überflutungen nach Starkniederschlägen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.05.2015, 20:56 Uhr

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