Ab 2060 sieht es für das Mittelland düster aus

Hitzewellen, Wassermangel und massiv höhere Gesundheitskosten: Eine Studie des Bundes untersucht, wie sich der Klimawandel auf das Gebiet des Kantons Aargau auswirkt.

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Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat Studien in Auftrag gegeben, welche die Auswirkungen des Klimawandels auf sechs Schweizer Grossräume aufzeigen soll. Die erste Teilstudie zeichnet anhand des Kantons Aargau ein ziemlich düsteres Bild vom möglichen Zustand des Mittellandes im Jahr 2060.

Werden bis 2060 keine Massnahmen ergriffen, muss laut der Studie mit häufigeren und intensiveren Hitzewellen, wie jene von 2003, gerechnet werden. Dies führe zu gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung und ziehe gegenüber 2010 zusätzliche Gesundheitskosten in Höhe von 100 bis 300 Millionen Franken mit sich.

Ein weiteres Schreckensszenarium zeichnen die Autoren auch für die Natur. Die Auswirkungen auf die Biodiversität aufgrund der Veränderung der Ökosysteme seien ähnlich problematisch einzustufen wie diejenigen auf die Gesundheit.

Die generell höheren Temperaturen, so errechneten die Autoren der Studie, führen in der Aargauer Landwirtschaft zwar zu einer Ertragssteigerung von 25 Millionen Franken. Auf der anderen Seite müsste wegen zu wenig verfügbaren Wassers mit einer Verminderung der Erträge von 40 Millionen Franken gerechnet werden.

Weniger Heizkosten

Höhere Durchschnittstemperaturen haben laut der Studie auch positive Effekte. Die aargauische Bevölkerung könnte aufgrund der milderen Wintertemperaturen im Jahr 2060 von geringeren Heizkosten profitieren. Die Einsparung betrage 80 bis 180 Millionen Franken.

Alle diese Zahlen basieren auf der Annahme, dass die Jahresmitteltemperatur im Mittelland um 3,1 Grad ansteigt. In einem zweiten Szenarium gingen die Autoren der Studie von einem Anstieg von 1,4 Grad aus.

Nur die Vorboten

Die dargestellten Auswirkungen müssten als Vorboten einer noch gravierenderen Entwicklung in den folgenden Jahrzehnten interpretiert werden, wird in der Studie gewarnt. Es müsse beispielsweise davon ausgegangen werden, dass infolge verringerter Niederschläge während der Vegetationsperiode Ackerbau ohne Bewässerung nicht mehr möglich wird.

In den Wäldern würden grossflächige Schäden entstehen. Die Pegel von Fliessgewässern würden wegen abgeschmolzener Gletscher stark zurückgehen.

Für jeden der sechs Grossräume Mittelland, Alpen, Voralpen, Jura, Südschweiz und grosse Agglomerationen wurde ein repräsentativer Kanton bestimmt, der im Detail analysiert wird. Mit den Arbeiten begonnen wurde auch in den Kantonen Uri, Genf und Basel-Stadt.

Das Zusammenfügen der sechs Fallstudien soll ein Bild für die gesamte Schweiz liefern. Der Bundesrat will gemäss Bafu-Angaben vom Montag voraussichtlich Anfang 2014 über einen Aktionsplan entscheiden. (wid/sda)

Erstellt: 16.12.2013, 15:46 Uhr

Steinböcke gedeihen gut im Klimawandel

Der Klimawandel scheint dem Alpensteinbock gutzutun: Höhere Frühlingstemperaturen und frühere Schneeschmelze verbessern das Nahrungsangebot. Dieses fördert das Hornwachstum, ein Indiz für Vitalität, wie eine neue Studie unter Leitung der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf ZH aufzeigt. Ein internationales Forscherteam um Ulf Büntgen und Kurt Bollmann von der WSL hat Daten von mehr als 8000 Steinböcken ausgewertet. Sie stammen aus einer einzigartigen Datensammlung des Amtes für Jagd und Fischerei Graubünden, das sämtliche gejagten Steinböcke erfasst hat, wie die WSL mitteilte.

Die jährlichen Hornzuwachsraten der Steinböcke analysierten die Forscher aus der Schweiz, Norwegen und den USA mit den gleichen Methoden, wie sie bei der Jahrringforschung verwendet werden. Dabei dienen die Jahrringe von Bäumen zur Altersbestimmung von Holz und Holzbauten. Die Resultate zeigen, dass das Hornwachstum der Steinböcke vor allem durch Veränderungen der Frühlingstemperatur in Europa bestimmt wird, wie die Forscher nun im Fachjournal «Ecology Letters» berichten. Diese hängt von der Nordatlantischen Oszillation ab, einer Luftdruckschwankung zwischen Islandtief und Azorenhoch, die das Winterwetter in Europa beeinflusst.(SDA)

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