Aggressive Pilze befallen Orangen

Die Sporen breiten sich weltweit aus. Die Zitrus-Schwarzflecken-Krankheit grassiert besonders in Südafrika. Europa wehrt sich bisher erfolgreich gegen eine Invasion des Pilzes.

Von der Schwarzflecken-Krankheit befallene Orange. Foto: Universität Florida

Von der Schwarzflecken-Krankheit befallene Orange. Foto: Universität Florida

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Advent ohne Orangen – für viele ist das undenkbar. Orangen-Liebhaber sollten daher Clovis Douanla-Meli die Daumen drücken. Der Spezialist für die Diagnose von Zitrusfrucht-Krankheiten verteidigt am Julius-Kühn-Institut in Braunschweig nämlich die Grenzen der Europäischen Union gegen einen aggressiven Pilz namens Phyllosticta citricarpa.

Keimen die Sporen dieses Pilzes auf einer Orange, bleiben die Pilzfäden zwar an der Oberfläche und dringen nicht bis zur Frucht vor. Auf der Orange aber entstehen rasch winzige Fruchtkörper voller Pilzsporen, die in der Mitte einer bis zu einen Zentimeter breiten Einsenkung mit dunklen Rändern in der Schale sitzen. Zitrus-Schwarzflecken-Krankheit heisst dieses Pflanzenleiden. Der Pilz selbst ist für Menschen zwar nicht gefährlich, befallene Früchte können trotzdem nicht mehr verkauft werden. Vor allem aber attackieren die Pilze auch andere Teile der Orangenbäume. Weil die Pflanzen viele Blätter verlieren, reifen erheblich weniger Früchte, und die Ernte bricht ein. Das passiert mittlerweile in sehr vielen Orangenplantagen der warmen Länder. Besonders stark grassiert die Krankheit in den Plantagen Südafrikas, die Besitzer bleiben auf ihren Ernten sitzen und stehen bald vor dem Ruin.

DNA-Test für Orangen

Da bisher auch keine resistenten Sorten bekannt sind, gibt es nur eine wirklich erfolgversprechende Möglichkeit im Kampf gegen die Zitrus-Schwarzflecken-Krankheit: Der Pilz darf auf keinen Fall in bisher nicht betroffene Regionen eingeschleppt werden. Dazu gehört zum Beispiel die Europäische Union – und das soll auch so bleiben. Tauchen bei Kontrollen in einem deutschen Importhafen Orangen mit Symptomen auf, die von diesem Pilz verursacht worden sein könnten, werden die Früchte in das Braunschweiger Julius-Kühn-Institut geliefert. Mit einem DNA-Test, den er in Deutschland gerade etabliert hat, kontrolliert Clovis Douanla-Meli dann die Früchte auf das Erbgut von Phyllosticta citricarpa. Offensichtlich erfolgreich, bisher blieb die EU von der Zitrus-Schwarzflecken-Krankheit verschont.

Auch Bananen betroffen

«Mit Pilzen haben auch die Bananenplantagen zu kämpfen», berichtet Alexandra zum Felde von der Universität Kassel in Witzenhausen. Der Schwarze Sigatoka-Pilz Mycospharella fijiensis zum Beispiel tauchte in den 60er-Jahren zuerst auf den Fidschi-Inseln in der Südsee auf und hat seither alle tropischen Länder mit Bananenanbau erreicht. Vermutlich verbreitete sich der Erreger mit den riesigen Bananenblättern, die als Verpackungsmaterial benutzt wurden. Der Pilz lässt auf den Blättern lebender Stauden grössere Bereiche des Gewebes absterben. Diese schwarzen Flecken geben der Krankheit ihren Namen und schwächen die Pflanzen sehr. Dadurch sinkt der Ertrag erheblich, und die Früchte reifen zu früh.

Das ist in vielen Ländern der Welt kein allzu grosses Problem, weil die Bananen zum Beispiel in Afrika oder auf den Inseln der Südsee als Grundnahrungsmittel gekocht und gebraten werden. Der geringere Ertrag ist zwar schmerzhaft, aber die restliche Ernte kann problemlos verzehrt werden.

Anders sieht es dagegen mit den Cavendish-Bananen aus, die von grossen Plantagen in die kühleren Länder der Erde exportiert werden. Die frühreifen Früchte überstehen den Transport nicht und sind daher wertlos. Daher sprühen die Firmen einmal in der Woche aus Helikoptern oder Flugzeugen ein Fungizid auf ihre Plantagen, um den Schwarzen Sigatoka-Pilz unter Kontrolle zu halten. Zwar gibt es inzwischen auch erste resistente Sorten. Für die Plantagen aber kommen sie nicht infrage, weil die gesamte Exportkette auf die bisherige Cavendish-Banane ausgerichtet ist und für andere Sorten keinerlei Erfahrungswerte existieren.

Gegen Fungizide gewappnet

Mit Argusaugen beobachten die Bananenkonzerne auch eine andere Pilzinfektion, die Panama-Krankheit vom Tropen-Typ 4. In Südostasien vernichtet dieser Pilz bereits seit den 90er-Jahren die Stauden in den Bananenplantagen. Gegen diesen Pilz wirkt keines der bekannten Fungizide. «Stecken die Pilzsporen erst einmal im Boden, wird man sie nicht mehr los», erklärt Alexandra zum Felde. Genau wie bei der Zitrus-Schwarzflecken-Krankheit helfen nur strikte Kontrollen, mit denen man das Einschleppen des Pilzes verhindern möchte. Kein leichtes Vorhaben, wenn die Sporen mit kleinen Erdbröckchen an den Schuhen von Farmern und Wissenschaftlern von Plantage zu Plantage und von Kontinent zu Kontinent wandern können. Jordanien und den Oman hat die Typ 4-Panama-Krankheit bereits erreicht.

Könnte sich der Pilz in Afrika festsetzen, wäre das vermutlich eine Kata­strophe: Jeder Mensch in Uganda verzehrt im Jahr durchschnittlich 260 Kilogramm Kochbananen. Da bisher weder resistente Sorten bekannt wurden, noch Gentechniklabors Erfolge im Kampf gegen den gefährlichen Pilz melden, wäre eine Hungersnot programmiert, wenn der Erreger solche Länder erobern sollte. Erreicht die Typ 4-Panama-Krankheit die Exportplantagen in Latein­amerika, könnten auch in mitteleuro­päischen Supermärkten die Bananen und damit die wohl beliebtesten Tropenfrüchte hierzulande knapp werden.

Erstellt: 03.12.2014, 19:39 Uhr

EU-Importstopp

Südafrika verzichtet freiwillig

Der Hauptlieferant für Orangen in der Schweiz ist Spanien. Die Europäische Union befürchtet nun, dass Plantagen mit Zitrusfrüchten in Ländern wie Spanien einem grossen Risiko ausgesetzt sind, sich mit der Zitrus-Schwarzflecken-Krankheit ­anzustecken. Südafrika hat schon Anfang September den Zitrusexport nach Europa freiwillig gestoppt, nachdem die EU Importe aus südafrikanischen Plantagen abgelehnt hat. Laut der Citrus Growers Association South Africa wird der Export von Zitrus­früchten in diesem Jahr um 14 Prozent geringer ausfallen. (ml)

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