Aliens stecken womöglich im Ozean fest

Weshalb haben uns Ausserirdische noch nicht kontaktiert? Astronomen fanden kürzlich eine neue Erklärung. Sie ist ziemlich simpel.

Die Oberfläche der meisten Welten da draussen ist von einem einzigen tiefen Ozean bedeckt: Illustration eines Wasserplaneten. Foto: iStock

Die Oberfläche der meisten Welten da draussen ist von einem einzigen tiefen Ozean bedeckt: Illustration eines Wasserplaneten. Foto: iStock

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Die bemerkenswerteste Entdeckung in den dreissig Jahren, während denen ich mich mit Astrophysik beschäftige, ist, dass die meisten Sterne am Nachthimmel eigene Planeten haben. Bei über hundert Milliarden Sternen allein in unserer Galaxie gibt es mindestens zehn Milliarden erdähnliche Planeten, die Leben, wie wir es kennen, beherbergen könnten.

Einige dieser Sterne mit ihren Planeten haben sich vor über zehn Milliarden Jahren gebildet – wenn sich das Leben auf ihnen bereits vor langer Zeit entwickelt hat, kann ich mir kaum vorstellen, wie fortgeschritten eine Zivilisation sein könnte, die zehnmal so lange wie unsere existiert, vielleicht sogar seit Milliarden von Jahren. Die unausweichliche Frage ist also: Wo sind all die Aliens?

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All diese Welten und kein Lebenszeichen – das ist doch eher seltsam. Dies wird – nach dem Physiker Enrico Fermi, der die Frage 1950 stellte – das Fermi-Paradoxon genannt, obwohl das Problem bereits 1933 vom sowjetischen Raketenwissenschaftler Konstantin Ziolkowski beschrieben wurde. Es gibt viele mögliche Antworten auf diese Frage.

Manche glauben, dass die Ausserirdischen bereits hier sind und Wissenschaftler ihre Anwesenheit vertuschen. Eine andere mögliche Lösung für dieses Paradoxon ist, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Leben aus einer Ursuppe entsteht, winzig ist und unsere Welt der einzige Ort ist, an dem es passiert ist. Das würde mir seltsam erscheinen; es gibt nichts Besonderes an unserem Planeten oder den Bedingungen auf seiner Oberfläche.

Vielleicht hören alle Welten mit Leben nur zu und senden nicht!

Es wurde auch schon vorgeschlagen, dass unsere Welt mit ihrer primitiven Zivilisation von Ausserirdischen ausser Acht gelassen wird. Ist die Erde ein planetarer Zoo, beobachtet, studiert und gemieden, bis die Zeit reif ist?

«Ich kann mir nicht denken, wie Meeresbewohner, wie klug sie auch immer sein mögen, Gesteine zu Metall schmelzen.»: Ben Moore bei der Nordbrücke in Zürich. Foto: Sophie Stieger

Vielleicht ist unsere Galaxie voller Leben, aber unsere Suche in den Funkfrequenzen verfehlt das Summen der intergalaktischen Kommunikation, die mit einem anderen Mechanismus als Radiowellen stattfindet. Oder vielleicht hören alle Welten mit Leben nur zu und senden nicht!

Ein dystopischeres Szenario besagt, dass es einen grossen Filter gibt, der Zivilisationen beendet, sobald sie ein Niveau von Raffinesse erreicht haben, das dem unseren ähnelt: Sie verursachen ihr eigenes Aussterben durch Klimawandel, durch Atomkriege oder Umweltverschmutzung. Im August kamen Astronomen der Harvard University zum Ergebnis, dass die Oberfläche der meisten Welten da draussen von einem einzigen tiefen Ozean bedeckt ist.

Ich kann mir nicht denken, wie Meeresbewohner, wie klug sie auch immer sein mögen, Gesteine zu Metall schmelzen.

Unsere eigenen Computersimulationen, die den Ursprung des Wassers auf der Erde zu erklären suchen, sind zum selben Ergebnis gekommen. In diesem Sinne könnte die Erde, die Ozeane und Land hat, etwas Seltenes sein. In Wasserwelten könnte sich fortschrittliches Leben in ihrem Ozean entwickeln. Aber um ins All zu fliegen oder mit anderen Welten zu kommunizieren, müssten diese Ausserirdischen eine industrielle Revolution durchlaufen.

Bilder: Die Suche nach ausserirdischem Leben

Ich kann mir nicht denken, wie Meeresbewohner, wie klug sie auch immer sein mögen, Gesteine zu Metall schmelzen. Dazu braucht es Feuer, und das ist unter Wasser wirklich schwer zu entfachen. Solche Ausserirdischen könnten dazu bestimmt sein, für immer in ihrer Meerestiefe zu bleiben: vielleicht viel intelligenter als das Leben auf der Erde, aber ohne den Kosmos jenseits ihres wässrigen Gefängnisses zu kennen.

Ben Moore ist Professor für Astrophysik an der Universität Zürich.

(Das Magazin)

Erstellt: 09.10.2018, 16:12 Uhr

Ben Moore

Professor an der Universität Zürich

Ben Moore (49) ist seit 2002 Professor für Astrophysik an der Universität Zürich und hält dort eine Vorlesung zur Astrobiologie, welche sich mit der möglichen Entstehung und Existenz von ausserirdischem Leben beschäftigt. Moore ist Autor von zwei erzählenden Sachbüchern, «Elefanten im All – Unser Platz im Universum» und «Da draussen – Leben auf unserem Planeten und anderswo» im Verlag Kein & Aber.

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