Auch dank Schweizer Präzision zum Erfolg

Auch Schweizer Forscher arbeiteten an den Experimenten im Cern, die zum Nachweis des Higgs-Teilchens führten. Entsprechend gross war die Freude am Nobelpreis auch an der ETH.

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Gespannt verfolgten in einem Seminarraum des Instituts für Teilchenphysik an der ETH Zürich eine kleine Gruppe von Experten die Live-Übertragung der Bekanntgabe des Physiknobelpreises. Der Beifall war gross, als das Nobelpreis-Komitee in Stockholm ausdrücklich auch das CMS-Experiment erwähnte, an dem ETH-Physiker massgeblich beteiligt sind.

«Ich freue mich sehr», sagt die Teilchenphysikerin Felicitas Pauss, die mitverantwortlich für die Planung und den Bau des CMS-Detektors war. «Es ist absolut richtig die beiden Theoretiker François Englert und Peter Higgs mit dem diesjährigen Physik-Nobelpreis auszuzeichnen.» Sie sei zudem sehr zufrieden, dass die langjährige Arbeit der Experimente an denen insgesamt über 6000 Forscher gearbeitet hätten ebenfalls anerkannt und ausdrücklich angesprochen worden sei. Die ETH hätte entscheidende Beiträge zu mehreren Komponenten des CMS-Detektors geliefert und dank der üblichen Schweizer Präzision somit zum Erfolg beigetragen, das Higgs-Teilchen aufzuspüren.

«Ein besonderer Tag»

«Ich möchte den beiden als erstes ganz herzlich gratulieren», sagt der Teilchenphysiker Günther Dissertori. Er sei froh, dass das Komitee die beiden Experimente Atlas und CMS hervorgehoben habe. Es wäre unfair gewesen, nur eine der vielen Forschergruppen herauszupicken und mit Anerkennung zu ehren.

«Ich habe erwartet, dass dieses Jahr das Higgs drankommt», sagt der Teilchenphysiker Rainer Wallny. Die Frage sei nur gewesen, wer den Preis bekomme. Mit Wehmut denke er an Robert Brout, der gemeinsam mit Englert den Mechanismus publiziert habe, aber vor zwei Jahren gestorben sei. Er sei froh, dass die Entdeckung gelungen sei und er damit eine persönliche Wette gewonnen habe, sonst hätte er einen Hut essen müssen.

«Für mich ist dies ein besonderer Tag», sagt Felicitas Pauss. Denn es sei das zweite Mal, dass sie an Experimenten teilgenommen habe, die eine Anerkennung vom Nobelpreis Komitee erhalten hätten. Zuletzt sei es 1984 gewesen, als Carlo Rubbia den Nobelpreis erhalten habe. So etwas würde nicht vielen Leuten passieren, sagt Pauss.

Erstellt: 08.10.2013, 20:38 Uhr

Schweizer Beitrag

Eigens für den Nachweis neuer Teilchen haben Physiker und Ingenieure aus aller Welt den grössten Teilchenbeschleuniger aller Zeiten samt Teilchendetektoren geplant und gebaut, den Large Hadron Collider (LHC). Der Ringtunnel hat einen Umfang von 27 Kilometern und liegt zwischen 50 und 175 Metern tief im felsigen Untergrund zwischen dem Flughafen Genf und dem Jura-Gebirge.

In diesem Tunnel rasen Protonen aufeinander zu und generieren beim Zusammenprallen neue Teilchen. Zwei gigantische Detektor-Experimente, Atlas und CMS, sollen diese aufspüren – und haben es vergangenen Sommer mit dem Nachweis des Higgs-Teilchens auch getan.

Schweizer Institutionen waren von Anfang an beteiligt: Die Universitäten Bern und Genf an ATLAS und die Uni Zürich, ETH Zürich und das Paul Scherrer Institut (PSI) an CMS.

Kollisionen aufzeichnen

Die Berner Forscher haben Arbeiten beigetragen, um die Teilchenkollisionen auszuwählen, aufzuzeichnen und zu analysieren, teilte die Hochschule am Dienstag mit. Zusammen mit der Uni Genf haben sie auch an einem Detektor mitgearbeitet, der Spuren von Teilchen registriert.

Physiker von der Uni und ETH Zürich sowie am PSI haben die innerste Komponente des CMS-Detektors gebaut, den so genannten CMS-Pixel-Detektor. Der Pixel-Detektor befindet sich nur vier Zentimeter vom Kollisionspunkt der Teilchen entfernt und kann Flugbahnen von Elementarteilchen mit bisher unerreichter Präzision bestimmen, schrieb das PSI in einer Mitteilung.

Deshalb sei er bei den experimentellen Vermessungen des Higgs-Teilchens und der B-Mesonen entscheidend. Neben dem Bau der Apparate war auch die Datenanalyse eine Leistung: Den Nachweis des Higgs-Bosons filterten die insgesamt 6000 an CMS und Atlas beteiligten Wissenschaftler innert weniger Monate aus einer enormen Menge von Daten heraus.

130 Millionen Franken

Insgesamt hat sich die Schweiz mit Beiträgen in Höhe von 130 Millionen Franken an der Entwicklung, der Konstruktion und dem Betrieb der LHC-Detektoren beteiligt, schrieb die Uni Zürich. Das entspricht 9 Prozent der für die Detektoren aufgewendeten Gesamtsumme. (sda)

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