Das müssen Sie über die aktuellen Klimaberichte wissen

Die Nasa, die EU und die Weltwetterorganisation haben neue Temperatur-Daten herausgegeben. Das sind die fünf wichtigsten Erkenntnisse.

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Wo bleibt der Schnee? Das fragt man sich hierzulande schon seit Wochen, zumindest im Flachland. Dann schaut man sich die gerade erschienenen Klimaberichte an und denkt: Alles klar, Wetter und Klima spielen verrückt.

Am Mittwoch hat die Raumfahrtbehörde Nasa gemeinsam mit der US-Wetter­behörde NOAA ihre Analyse zum abgelaufenen Jahrzehnt veröffentlicht. Gleichzeitig gab die Weltwetterorganisation (WMO) neue Daten heraus. Beide bestätigten die Zahlen des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus der EU von vergangener Woche. Wir fassen die fünf wichtigsten Erkenntnisse der drei grossen Berichte zusammen:

1. Wir haben gerade das wärmste Jahrzehnt seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt

Zu diesem Schluss kommen alle Behörden. Vor allem in der zweiten Hälfte der Dekade wurden aussergewöhnlich warme Temperaturen gemessen. Laut der Nasa waren die letzten fünf Jahre allesamt die wärmsten seit Beginn ihrer Aufzeichnungen 1880. «Wir haben eine neue Stufe erreicht», sagt NOAA-Forscher Deke Arndt. Seit den 1960ern war jedes Jahrzehnt wärmer als das vorangegangene – und das deutlich.

2019 war weltweit gesehen das zweitwärmste Jahr und schrammte nur ganz knapp am Rekord von 2016 vorbei. Der Nasa zufolge lag die Temperatur um 0,95 Grad über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts. Die WMO-Analysen ergaben 1,1 Grad über der Norm 1850–1900.


2. In Europa war 2019 das heisseste Jahr überhaupt

Europa erlebte im vergangenen Jahr sogar die höchsten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Sie lagen gemäss Copernicus-Daten 1,24 Grad über dem langjährigen Durchschnitt 1981–2010. Ein ähnlich hoher Wert wurde bisher erst dreimal gemessen. Von den vergangenen 20 Jahren lagen 19 über dem Schnitt.

Den Auswertungen zufolge sind auch die klimaschädlichen Kohlendioxid-Konzentrationen (CO2) in der Atmosphäre gestiegen. Die Copernicus-Forscher sprechen von «zweifelsohne erschreckenden Alarmsignalen».


3. In Teilen der USA und Kanadas war es kälter als üblich

Es gab 2019 sogar Regionen, in denen die Temperaturen über das ganze Jahr gesehen unter dem Schnitt lagen. Viele befinden sich allerdings irgendwo im Ozean. Ausnahmen sind der mittlere Teil Kanadas und die «Great Plains» im Norden der USA, wo eine «arktische Front» gegen Ende des Jahres für Minusrekorde sorgte.

Grosse Teile der Erde waren jedoch überdurchschnittlich warm, einige sogar extrem. Australien etwa, wo seit Monaten grossflächige Brände wüten, verzeichnete 2019 das heisseste und trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Besonders warm war es auch im südlichen Afrika, in Brasilien sowie in Zentral- und Osteuropa.


4. Auch die Schweiz erlebte ein extremes Jahr

Der nationale Wetterdienst Meteo Schweiz registrierte 2019 das fünftwärmste Jahr seit Messbeginn 1864. Zehn Monate waren wärmer als die Norm 1981–2010, drei davon erreichten Werte im extremen Bereich.

Alle Jahre, die Meteo Schweiz als «extrem» bezeichnet, fallen in die gerade abgelaufene Dekade. Neben 2019 waren dies 2011, 2014, 2015 und 2018. Dank des sehr sonnigen Sommers gehört das Jahr 2019 auf der Alpennordseite regional zu den fünf sonnigsten seit Messbeginn. Extrem warme Sommer seien in der Schweiz zum Standard geworden, schreibt Meteo Schweiz. Im vergangenen Jahr sei aber noch ein aussergewöhnlich milder Winter hinzugekommen.


5. Das aktuelle Jahr wird ebenfalls Rekorde brechen

2020 ist gestartet, wie 2019 aufgehört hat: mit Katastrophen, die stark mit dem Klima und dem Wetter zusammenhängen. Australien kämpft mit beispiellosen Buschfeuern, in der Region rund um die indonesische Hauptstadt Jakarta verursachten Rekordniederschläge schwere Überschwemmungen.

Auch dieses Jahr sei wegen der Rekordmengen an klimaschädlichem CO2, das sich in der Atmosphäre befinde, mit extremem Wetter zu rechnen, sagt WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. «Wenn es so weitergeht, müssen wir bis Ende des Jahrhunderts mit einem Temperaturanstieg von 3 bis 5 Grad rechnen.»

Erstellt: 16.01.2020, 18:36 Uhr

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