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«Das war eine tolle Belohnung»

Luciano Lepre hat den Mekong erwandert und seine Quelle entdeckt.

Der Mekong durchquert sechs Länder und gehört zu den längsten Flüssen der Erde. Foto: PD

Der Mekong durchquert sechs Länder und gehört zu den längsten Flüssen der Erde. Foto: PD

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Sie sind acht Monate lang von der Mündung des Mekong bis zur Quelle gewandert. Wie lang ist die ganze Strecke?
Da gibt es unterschiedliche Angaben, und sie gehen von 4375 Kilometern bis zu 4905 Kilometern.

Das ist ja ein Unterschied von über 500 Kilometern.
In Yunan und in Osttibet verschwindet der Mekong in bis zu 4000 Meter tiefen Schluchten, die nicht mehr sichtbar sind und nie erforscht wurden. Mit den Satelliten­messungen fand man heraus, dass er über 4900 Kilometer lang ist.

Wieso haben Sie sich auf diesen langen Weg gemacht?
Ich bin eigentlich Fotograf und wollte das Leben der über hundert verschiedenen Volksgruppen in sechs verschiedenen Ländern abbilden, die am Fluss leben. Das ist absolut faszinierend. Das Drama ist, dass jetzt in der bergigen chinesischen Provinz Yunan viele Staudämme gebaut werden, mit verheerenden Konsequenzen. Der Mekong ist nach dem Amazonas die Flussregion mit der reichsten Biodiversität.

Zuoberst am Fluss haben Sie dann eine Mekong-Quelle entdeckt.
Dass wir die Quelle entdeckt ­haben, war eher ein Zufall. Im letzten Dorf am Fluss, das etwa 200 Kilometer von der Quelle entfernt ist, habe ich mich mit Pieter Neele, einem holländischen Kollegen, der in China wohnt, zusammengetan, und wir haben beschlossen, die Quelle zu suchen. Die ersten 70 Kilometer konnten wir noch mit dem Jeep fahren, dann mussten wir zu Fuss weiter.

Wussten Sie, wo Sie suchen müssen?
Die Frage der Mekong-Quellen hat eine lange und kontroverse Geschichte. Heute sind zwei Quellen von der chinesischen Akademie ­der Wissenschaften anerkannt. Zuoberst teilt sich der Fluss in zwei Arme. 1999 konnte ein Kartograf mithilfe von Satellitenbildern feststellen, dass einer dieser Arme noch 1,6 Kilometer länger war als geglaubt. Wir gingen diesem Arm nach und entdeckten, dass er sich noch einmal verzweigte. Die bisher anerkannte Quelle war etwas ent­täuschend, weil man sie kaum sah in diesem steinigen Gebiet. Der Entdecker, ein Chinese, war wohl in der falschen Saison oben. Der andere Arm führte weniger Wasser, war aber länger, und sein Ende lag vollständig im Mekong-Bassin. Das war unsere neu entdeckte Quelle, die höher als die anderen und am weitesten weg vom Meer liegt.

Dann haben Sie die richtige Quelle gefunden?
Ja, und wir haben einen Bericht an eine wissenschaftliche Zeitschrift ­gesandt. Jetzt muss unsere Quelle nur noch von der chinesischen Akademie anerkannt werden.

Ist es so wichtig, dass man den genauen Ort der Quelle kennt?
Den Tibetern zum Beispiel ist das völlig egal. Für sie ist eine Quelle 50 Kilometer weiter unten am Fluss entscheidend, wo sie auch jagen. Sie sagen, dass die Gletscher früher oder später sowieso verschwinden werden, und dann sei ihre Quelle wieder die einzige.

Sind Sie stolz?
Ich klopfe mir nicht gerne selber auf die Schultern. Aber die Entdeckung war das Tüpfelchen auf dem i, eine Belohnung für die acht Monate lange Wanderung.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.01.2015, 20:18 Uhr

Luciano Lepre

Der 59-jährige Fotograf hat den ganzen Mekong erwandert. Die Bilder zeigt er in einer Multimediashow in der ganzen Schweiz.

www.mekongshow.ch

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