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«Der Boden bleibt sonst ja verborgen»

Der Berner Bodenfachmann Andreas Chervet hat gezeigt, wo die Pflanzen wachsen.

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Sie haben im Bodenkalender 2013 aussergewöhnliche Bodenbilder dargestellt, wovon eine Auswahl in der TA-Sommerbildserie «Die Schollen der Schweiz» gezeigt wurde. Wie ist die Idee entstanden?
Den Boden attraktiv darzustellen, ist eine knifflige Aufgabe. Er ist ja nur an der Oberfläche sichtbar, im Untergrund bleibt er verborgen. Dabei ist er so unheimlich wichtig für Pflanze, Tier und Mensch. Die Biodiversität im Boden ist beispielsweise um ein Mehrfaches höher als diejenige über dem Boden.

Wie haben Sie dieses fundamentale Problem gemeistert?
Unsere Idee war, die drei Elemente Boden, Pflanzen und Landschaft als Einheit zu zeigen. Also den Boden unter einer bestimmten landwirtschaftlichen Kultur in der entsprechenden Landschaft. Mich hat überrascht, dass alle Landwirte, die wir anfragten, spontan zusagten und beim Projekt begeistert mitmachten.

Zuletzt hatten Sie Bodenprofile von neun Böden, die landwirtschaftlich genutzt werden.
Ja. Die Bilder sind an das angelehnt, was wir im Fachjargon Profilansprache nennen: An einer senkrechten Wand einer Bodengrube werden Aufbau und Eigenschaften eines Bodens beurteilt und beschrieben. Fürs Kalenderbild haben wir jeweils die präparierte Grubenwand entsprechend den darauf wachsenden Kulturpflanzen und der Landschaft im Hintergrund ausgerichtet.

Im November-Bild sieht man blitzsaubere Karotten, die eng aneinandergereiht im schwarzen Moorboden stecken. Ein gestelltes Bild?
Hier ist gar nichts gestellt. Das Bild zeigt eine Doppelreihe Karotten. Die Rüebli der hinteren Reihe füllen gerade die Lücken der vorderen. Allerdings haben wir die Karotten gewaschen, bevor wir die Profilwand präparierten - und zwar einzeln mit Zahnbürste und Spritzflasche. Sonst wäre das Wasser über den Boden gelaufen und das Bodenprofil zerflossen. Man kann unsere Arbeit durchaus mit archäologischen Ausgrabungen mit Spaten und Pinsel vergleichen.

Sie haben selbst mitgegraben?
In jedem Fall, ohne ging es nicht. Zuerst haben wir mit dem Bagger eine in der Regel zwei Meter tiefe Grube gegraben, dann brauchte es noch viel Arbeit, um die Profilwand schön zu präparieren.

Harte Knochenarbeit?
Ja, zuweilen war es eine schweisstreibende Arbeit, aber die entstandenen Bodenbilder machen unglaublich Freude. Natürlich gab es da und dort Probleme. Einmal stoppte ein Findling den Bagger, und wir mussten die Profilwand um einige Meter verschieben.

Wie haben Sie die drei Geissli im Titelbild zum Kalender dazugebracht, sich auf der Weide mit dem sauren Boden synchron über das Bodenprofil zu beugen?
Das war ein Schnappschuss. Der Bauer hatte zwei alte und drei junge Geissen. Eigentlich wollten wir auch die beiden alten fotografieren, aber die bockten. Plötzlich neigten sich die drei jungen Geissen alle gleichzeitig über das Bodenprofil, wohl aus reiner Neugier. Und die Fotografin hatte zufällig den Finger am Auslöser des Fotoapparats

Andreas Chervet, Bodenkundler vom Berner Amt für Landwirtschaft und Natur hat gemeinsam mit der Forschungsanstalt Agroscope den Bodenkalender 2013 gemacht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2013, 17:43 Uhr

Bodenfachmann Andreas Chervet.

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