Der Jäger der Planeten

Der Astronom Mike Brown tötete Pluto, aber fand Planet 9.

Astronom Mike Brown vor einem Bild des Planeten 9. Foto: «Washington Post»

Astronom Mike Brown vor einem Bild des Planeten 9. Foto: «Washington Post»

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Bis vor kurzem bestand das Lebenswerk von Mike Brown in einer Ironie: Er steckte alle Kraft in das Aufspüren eines zehnten Planeten. Doch als er erfolgreich war, gab es nicht einen Planeten mehr, sondern einen weniger.

Es war an einem Bürotag im Sommer 2006, als Brown einige alte Fotos nachkontrollierte. Plötzlich war er für einige Stunden der einzige Mensch, der wusste, dass das Sonnensystem für immer ein anderes sein würde: Er hatte einen Lichtfleck gefunden, der sich bewegt hatte. Damit hatte er entdeckt, was erst drei Menschen vor ihm entdeckt hatten: einen neuen Planeten. Und zwar einen, der noch entfernter, aber einen Hauch grösser war als Pluto.

Es war das Ende von fünf entmutigenden Jahren Suche, in denen Brown tat, was die Astronomen zuletzt in den Dreissigerjahren getan hatten: den Kuipergürtel systematisch nach unentdeckten Planeten abzusuchen.

Es gab Ärger

Und es gab sofort Ärger: Denn Brown hatte noch weitere plutoähnliche Objekte entdeckt. Die Astronomische Gesellschaft stand vor dem Problem, nun 10, 12, eventuell Hunderte Objekte als Planeten anzuerkennen. Bitterer Streit brach aus, der damit endete, dass Pluto und alle Neulinge zu Zwergplaneten degradiert wurden.

Brown taufte dann seine Entdeckung auf den Namen Eris, die griechische Göttin der Zwietracht. Er nahm auf Twitter den Namen @plutokiller an und schrieb das charmante Buch: «Wie ich Pluto zur Strecke brachte – und warum er es nicht anders verdient hat». Dort schilderte er nicht nur seine Entdeckungen, sondern auch die Tabellen der Trinkgewohnheiten seine neugeborenen Tochter, deren Ultraschallbilder ihn an Aufnahmen der Venus-Atmosphäre erinnert hatten. (Worauf seine Frau sagte: «Du hast sie nicht mehr alle.»)

Als die Tochter dann eines Tages sprechen konnte, sagte sie: «Daddy, wenn du den Leuten einen Planeten weggenommen hast, musst du ihnen einen neuen finden».

Ein folgsamer Vater

Und offensichtlich war Brown ein folgsamer Vater. Das Resultat ging letzte Woche durch die Weltpresse. Brown entdeckte es nicht mit dem Teleskop, sondern mit dem Computer. Er untersuchte die exzentrischen Bahnen einiger Minitrümmer. Diese scheinen unerklärlich, ausser durch eine kühne Hypothese: dass weit draussen, noch ein weiterer Planet durch das Dunkel zieht, und zwar kein Zwerg, sondern ein ausgewachsener Planet mit zehnfacher Erdmasse. Brown taufte ihn: «Planet 9».

«Ich weiss, dass ich mich damit in eine lange Reihe von Astronomen stelle, die einen Planeten berechneten – und dann fand man: nichts», sagte Brown. «Aber die Rechnungen stimmen.»

Findet man den Planeten, hat Brown zwar keinen zehnten Planeten gefunden, aber einen neuen neunten. Sein Werk wäre einer der spektakulärsten Beispiele für Stillstand im Universum.

Erstellt: 26.01.2016, 23:20 Uhr

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