Der Prediger spricht leiser

Björn Lomborg, der Kritiker der Klimawandel-Theorie, veröffentlicht sein viertes Buch – und überrascht.

Fürchtet sich noch immer nicht vor dem Klimawandel, ist aber in seiner Kritik milder geworden: Björn Lomborg.

Fürchtet sich noch immer nicht vor dem Klimawandel, ist aber in seiner Kritik milder geworden: Björn Lomborg.

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Wenn er auftritt, hängt das Publikum an seinen Lippen. Der dänische Statistiker Björn Lomborg ist ein begnadeter Kommunikator, gibt sich stets locker, und auf Anzug und Krawatte verzichtet er. Seine Botschaften sind dermassen zugespitzt, dass der 45-jährige Wissenschaftler wie ein Prediger wirkt. Und er schafft es immer wieder, weltweit in aller Munde zu sein. Waren es noch bis vor kurzem seine scharfen Attacken gegen Klimaforscher, Umweltökonomen und die Panikmache der Medien, so scheint es heute, als hätte er sich geläutert. So sieht es jedenfalls die britische Zeitung «The Guardian».

In seinem vierten Buch, das in einem Monat herauskommt, macht der Einsatz für den Klimaschutz plötzlich auch ökonomisch Sinn, wie Lomborg neuerdings findet. Bisher galt dies lediglich für den Kampf gegen Malaria und Aids. Wer in Lomborgs neuer Position einen Wandel vom Saulus zum Paulus sieht, täuscht sich allerdings. Der Däne behauptete nie, der Klimawandel sei nicht vom Menschen verursacht, wie dies oft kolportiert wurde. Er vertrat schon immer die Meinung, Umweltforscher würden die Entwicklung des Klimas schlechter darstellen, als sie tatsächlich ist. Diesem Urteil hat er nicht abgeschworen.

Umweltschutz durch die Kosten-Nutzen-Brille

Lomborgs Karriere begann mit der Veröffentlichung seines Buches «The Skeptical Environmentalist» im Jahre 2001. Das Dänische Komitee für unehrliche Wissenschaften verurteilte das Werk wegen irreleitender Daten. Trotzdem blieb Lomborg ein gefragter Mann. Er gründete das Copenhagen Consensus Center, das den Umweltschutz ausschliesslich durch die Brille des Kosten-Nutzen-Prinzips betrachtet. Seine Botschaften fanden Gehör bis in die höchsten politischen Etagen. Der ehemalige dänische Premierminister Fogh Rasmussen, heute Nato-Generalsekretär, fand Gefallen am Wissenschaftler, der seit Jahren die Klimaforschung und -politik infrage stellte.

Geharnischte Reaktionen gab es, wenn sich Lomborg auf ein Gebiet begab, von dem er offensichtlich nicht viel verstand: die Klimaforschung. Gehörig kritisierte ihn der renommierte deutsche Klimaforscher Stefan Rahmstorf öffentlich. Lomborg verharmlose beispielsweise den Anstieg des Meeresspiegels, indem er nur die Entwicklung der letzten zwei Jahre berücksichtige. Dass es in der Natur der Sache liegt, dass jede langfristige Entwicklung auch kurzfristige Schwankungen aufweist, verschwieg der dänische Statistiker.

Treibhausgas-Reduktion ist ihm zu teuer

In den letzten Monaten verhöhnte Lomborg vor allem den Misserfolg der letzten Klimakonferenz in Kopenhagen. «Es ist an der Zeit, die Kyoto-Kopenhagen-Fantasie aufzugeben und sich dem wirklichen Kampf gegen die Erderwärmung zuzuwenden», schrieb er in der «Washington Post».

Das klingt nach einem konstruktiven Beitrag zur Debatte. Von einer Reduktion der Treibhausgase durch die Verteuerung von Erdöl, Gas und Kohle hält er trotzdem nichts: Die notwendigen Massnahmen sind ihm schlicht zu teuer. Und die Ärmsten, die auf Mobilität angewiesen seien, würden dabei nicht profitieren. Vielmehr soll in die Forschung und Entwicklung von alternativen Technologien investiert werden, um diese billiger zu machen. Das ist zwar bemerkenswert, aber nicht originell.

Harsche Kritik wird sein neues Buch trotzdem ernten. Was er als «sehr gute» Technologie verkauft, ist schon lange eine Idee von umstrittenen Technokraten: zum Beispiel die Atmosphäre mit Chemikalien zu besprühen, um die Sonneneinstrahlung zu reduzieren.

Erstellt: 01.09.2010, 23:04 Uhr

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