Der Unmut über Tierversuche wächst

Eine neue Umfrage zeigt, dass in der Bevölkerung Tierversuche immer weniger Rückhalt haben. Bei Versuchen für Alltagsprodukte wie zum Beispiel Spülmittel sei der Gesetzgeber zu lasch.

Im Dienste der Wissenschaft: Ratte in einem Labor.

Im Dienste der Wissenschaft: Ratte in einem Labor. Bild: Keystone

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Der Schweizer Tierschutz (STS) prangert den ungenügenden Schutz von Versuchstieren an. Gemäss einer Umfrage steigt das Missbehagen der Bevölkerung gegenüber Tierexperimenten mit der Belastung, der die Tiere ausgesetzt werden. Zwei Drittel der Befragten halten Versuche, in denen Tieren starke Schmerzen zugefügt werden, für ethisch nicht vertretbar.

Trotz neuer Tierschutzgesetzgebung sei heute die Versuchstierhaltung in der Schweiz von artgerecht oft weit entfernt, kritisierten Vertreter des STS an einer Pressekonferenz in Bern.

Erschreckend sei, dass es der Gesetzgeber bis heute erlaube, Tiere für Experimente auf eine Art zu halten und zu behandeln, die jedem anderen Tierhalter unweigerlich und mit Recht eine Verurteilung wegen Missachtung der Tierschutzgesetzgebung und Tierquälerei einbrächte.

Der STS hat beim Marktforschungsinstitut DemoScope eine Umfrage in Auftrag gegeben. 1035 Personen aller Landesteile wurden dafür befragt. Die Umfrage zeigt laut STS ein deutliches Missbehagen der Bevölkerung gegenüber Tierexperimenten beziehungsweise gegenüber Vorgehen und Vorgaben der Behörden in Sachen Tierversuche.

Keine Versuche für Spülmittel

Zwei Drittel der Befragten hielten belastende Versuche, in denen den Tieren erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt würden, für ethisch nicht vertretbar. Tierversuche für Alltagsprodukte wie beispielsweise für Spülmittel oder Schädlingsbekämpfungsmittel lehnten sogar drei von vier Befragten ab.

Klar zum Ausdruck komme auch der Wunsch der Bevölkerung nach mehr Fördergeldern für alternative Testmethoden: Drei Viertel der Befragten hätten angegeben, dass sie 25 Prozent und mehr der heutigen Subventionen in der Höhe von rund 100 Millionen Franken für Tierversuche in Alternativmethoden investiert sehen möchten. Damit würden künftig mindestens 25 Millionen Franken für die Erforschung von Alternativ- und Ersatzmethoden zur Verfügung stehen gegenüber der jährlich heute rund 400'000 Franken.

Derzeit spricht sich gemäss der Umfrage mit 55 Prozent eine knappe Mehrheit der Schweizer Bevölkerung klar oder eher für Tierversuche aus. Dies entspricht im Vergleich zu einer Umfrage aus dem Jahr 2007 einem Anstieg von sieben Prozentpunkten. (kle/sda)

Erstellt: 07.11.2013, 15:24 Uhr

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