Designer-Babys: Erfolg durch unvorhergesehene Mutationen?

Ein Bericht stellt die Ergebnisse des umstrittenen Crispr-Experiments eines chinesischen Forschers infrage.

Die Zwillinge sollen dank seiner Genmanipulation vor HIV-Infektion geschützt sein: He Jiankui stellt seine Arbeit in Hongkong vor. Foto: Alex Hofford (Keystone)

Die Zwillinge sollen dank seiner Genmanipulation vor HIV-Infektion geschützt sein: He Jiankui stellt seine Arbeit in Hongkong vor. Foto: Alex Hofford (Keystone)

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Unvorhergesehene Mutationen: Mehr als ein Jahr nach der Geburt der mutmasslich ersten genetisch veränderten Babys der Welt hat ein Medienbericht die Ergebnisse des umstrittenen Experiments des chinesischen Forschers He Jiankui in Frage gestellt.

Im Erbgut der zwei Mädchen gebe es vermutlich unter anderem unvorhergesehene Mutationen infolge der Genmanipulation, berichtete das Fachblatt «MIT Technology Review» am Dienstag unter Berufung auf Hes Forschungsbericht, der dem Magazin vorlag. Die Zeitschrift hatte mehrere Wissenschaftler dazu befragt.

Die im November 2018 geborenen Designerbabys mit den Pseudonymen «Lulu» und «Nana» waren laut He durch künstliche Befruchtung gezeugt worden, wobei das sogenannte Crispr/Cas9-Gentechnikverfahren zur Erbgutveränderung, auch «Genschere» genannt, zum Einsatz kam. He erklärte damals, er habe die DNA des Zwillingspaares so verändert, dass die beiden Mädchen vor einer HIV-Infektion geschützt seien.

Scharfe Kritik

Der Bericht in der «MIT Technology Review» entkräftet das von He als «medizinischen Durchbruch» gefeierte Experiment. Die Analyse des Forschungsmanuskripts, in dem der chinesische Forscher seine Methode und Ergebnisse beschrieb, habe bestätigt, was viele Experten zuvor bereits vermutet hätten: Sein Forschungsbericht beweist nicht den Erfolg seiner Genmanipulation. Vielmehr gehe daraus hervor, dass die Genmutation jener «ähnele», die immun gegen HIV mache, mit dieser aber nicht identisch sei.

Darüber hinaus zeigten laut «MIT Technology Review» im Anhang des Forschungsberichts enthaltene Daten, dass an anderen Stellen des Erbguts der Zwillingsmädchen Manipulationen vorgenommen wurden, deren Folgen bislang unabsehbar seien.

Das umstrittene Experiment des chinesischen Forschers hatte international scharfe Kritik ausgelöst und wurde von Wissenschaftlern als ethisch unvertretbar verurteilt. Die Eltern der Zwillinge blieben anonym - bis heute sind keine Details über den Gesundheitszustand der zwei Neugeborenen bekannt. (sep/sda)

Erstellt: 04.12.2019, 10:02 Uhr

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