Die Sonne schwächelt, aber der Klimawandel ist stärker

Die Sonne könnte schwach werden wie während der «Kleinen Eiszeit». Doch die Abkühlung wäre nur gering.

Magnetstürme auf der Sonne: Forscher versuchen vorauszusagen, wie sich die Sonnenaktivität entwickeln wird. Foto: Nasa, SDO

Magnetstürme auf der Sonne: Forscher versuchen vorauszusagen, wie sich die Sonnenaktivität entwickeln wird. Foto: Nasa, SDO

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Eine Mitteilung der britischen Royal Astronomical Society gab in diesen heissen Tagen unter Wissenschaftlern zu reden: Valentina Zharkova von der Northumbria University im englischen Newcastle verkündete am National Astronomy Meeting im walisischen Llandudno neue Ergebnisse zu den Launen der Sonne. Ihre Ergebnisse eines neuen Modells sagen voraus, dass «die Sonnenaktivität während der Zeit zwischen 2030 und 2040 um 60??Prozent sinkt und zu Bedingungen führen wird wie während der ‹Kleinen Eiszeit›, die 1645 begann». Forscher sprechen von Maunder-Minimum. Es dauerte bis 1715. Damals wurde es im Jahresdurchschnitt spürbar kälter auf der Erde. In Europa nahmen die Ernteerträge drastisch ab. Die Klimaveränderung ist nach dem englischen Astronomen Edward Walter Maunder benannt.

Und das soll sich also bereits in 15 Jahren wiederholen? «Eine Abnahme der solaren Aktivität über die nächsten Dekaden ist nicht auszuschliessen, aber die Vorhersagen dieser Entwicklung sind generell als sehr unsicher eingestuft», sagt Klimaforscher Reto Knutti von der ETH Zürich. So zeigt zum Beispiel eine Arbeit der Eawag-Forscher Friedhelm Steinhilber und Jürg Beer ein klares Minimum der Sonnenaktivität auf Ende dieses Jahrhunderts voraus. Die Forscher untersuchten dabei Datenreihen mit Radionukliden für die letzten 9400??Jahre, fanden Zyklen und machten Voraussagen für die nächsten 500 Jahre. Das Auf und Ab der Sonnenaktivität kann anhand von radioaktiven Beryllium-Isotopen beobachtet werden, die durch die kosmische Strahlung der Sonne in der Erdatmosphäre entstehen und mit dem Niederschlag in die polaren Eisschilde gelangen. Bei hoher Sonnenaktivität entsteht weniger Beryllium, weil die verstärkten Magnetfelder der Sonne die kosmische Strahlung von der Erde fernhalten.

Regionale Effekte in Europa

In den vergangenen Jahren war die Sonnenaktivität im Aufwärtstrend, nun erwarten die Forscher wieder eine Abschwächung. Wie auch immer sich die Sonne verhält: Solarforscher gehen nicht davon aus, dass eine Abkühlung der schwächelnden Sonne den globalen Erwärmungseffekt durch die ausgestossenen Treibhausgase kompensieren kann – auch dann nicht, wenn die Bedingungen der Maunder-Periode herrschen würden. Sarah Ineson vom britischen Wetterdienst Hadley Center hat die Strahlungsverhältnisse der Maunder-Periode in Klimamodellen untersucht. Sie erwartet in einer Arbeit, die kürzlich in «Nature Communication» erschienen ist, eine Kompensation oder eine Verzögerung des globalen Erwärmungstrends um etwa zwei Jahre, wenn die Treib­hausgase in den nächsten Jahrzehnten weiter wie bisher zunehmen. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der UNO-Weltklimarat IPCC.

Allenfalls, so die britische Forscherin, seien mit regionalen Abkühlungen etwa in Europa zu rechnen, weil sich die globale Zirkulation verändern kann. «Doch eine tiefe Sonnenaktivität garantiert keine Abkühlung», schreibt sie. Da spielten noch andere Faktoren mit. Dieser Meinung ist auch Mikhaël Schwander vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung an der Universität Bern. «Im Maunder-Minimum war auch der Einfluss von Vulkanausbrüchen massgebend», sagt der junge Klimaforscher, der die Zahl der Sonnenflecken – Anzeichen einer aktiven Sonne – seit 1765 untersucht und mit den Wetterlagen in Europa vergleicht.

Wie wertvoll die vor wenigen Tagen veröffentlichten Ergebnisse von Valentina Zharkova sind, ist schwer abzuschätzen. Sie verwendete für ihr Modell nur Daten der Sonnenaktivität von 1976 bis 2008. Zudem ist bis dato noch keine Arbeit dazu erschienen, die von Experten begutachtet wurde. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.07.2015, 19:36 Uhr

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