Dieses Land macht der Klimawandel reich

Waldbrände, Fluten, Schlammlawinen: Viele Länder leiden zunehmend unter dem Klimawandel. Wetterextreme scheinen sich zu häufen. Doch für ein Land wird dadurch der Weg zu ungeheuren Bodenschätzen frei.

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Auf Grönland scheint das Ende der Eiszeit in Sicht. Den Süden der Rieseninsel am Polarkreis hat der Klimawandel bereits erfasst. «Wir können hier mittlerweile Kartoffeln anbauen und Freiland-Erdbeeren heranziehen», sagt der Leiter der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt in Upernaviarsuk, Anders Iversen.

«Seit fünf Jahren ist der Fjord hier gar nicht mehr zugefroren», sagt die Einheimische Etta Lyberth. «Vor zehn Jahren konnten wir ihn im Winter noch mit dem Motorschlitten überqueren.» Vielen Einheimischen ist diese Entwicklung jedoch durchaus recht.

Bessere Geschäfte

«Die Touristensaison wird länger, wir können bessere Geschäfte machen», argumentiert etwa Bootsführer Erninnguaq, der aus dem Dorf Nanortalik Schiffstouren zu den Gletschern Sermeq und Sermitsiaq anbietet. An diesem südlichsten Ende der rund 2000 Kilometer langen Inlandeiskappe Grönlands sind die Folgen des Klimawandels nicht zu übersehen.

«Bis vor rund 100 Jahren ist der Gletscher noch gewachsen, jetzt zieht er sich jedes Jahr um etwa 15 Meter zurück», hat der pensionierte Lehrer Niels Tækker Jepsen beobachtet. Die Durchschnittstemperaturen seien binnen weniger Jahre um rund zwei Grad gestiegen. «Diesen Sommer hatten wir mehrfach Temperaturen über 30 Grad Celsius.»

Die Inuit kamen um 1400 von Alaska übers Eis nach Grönland, als die Wikinger vor der beginnenden kleinen Eiszeit in Nordeuropa und Amerika flohen. Jahrhunderte lang lebten sie - ideal an die Kälte angepasst - als Jäger und Fischer. Heute ist ein grosser Teil der rund 55'000 Grönländer abhängig von staatlicher Hilfe der einstigen Kolonialmacht Dänemark.

Streit wegen Uran

«Für Grönland ist es deswegen eine Riesenchance, dass der Klimawandel den Weg zu den ungeheuren Bodenschätzen frei macht», ist der Unternehmer Rasmus Rasmussen überzeugt. Er gehört zu den Experten, die ein riesiges vermutetes Erzvorkommen oberhalb des Hafen von Narsaq untersuchen. «Durch den Erzabbau könnten hier 2000 neue Arbeitsplätze entstehen», ist sich Rasmussen sicher.

«Der Klimawandel kann unsere Gesellschaft spalten», warnt hingegen der grönländische Philosoph und Theologe, Finn Lynge. Ein Grund dafür: In der geplanten Erzmine wird auch Uran vermutet. Dessen möglicher Abbau teilt das Dorf schon jetzt in zwei unversöhnliche Lager.

«Das für Grönland typische Gemeinschaftsgefühl ist zerbrochen. Selbst wenn die Mine nicht gebaut wird, hat sie jetzt bereits irreparable Schäden angerichtet», sagt Lynge. Ähnliche Diskussionen werden auch in anderen Orten geführt, an denen das schmelzende Eis den Zugriff auf die ungeheuren Bodenschätze zulässt.

Gletscherwasser verkaufen

«Dieses Land steht mit dem Klimawandel vor einer tiefgreifenden Veränderung und sucht nach der Richtung, in die es sich entwickeln kann», so Lynge. Das von der sozialistischen Partei «Inuit Ataqatigiit» geführte Parlament setzt grosse Hoffnungen auf eine «grüne» Entwicklung Grönlands.

Neben dem Ausbau eines «sanften» Tourismus für Naturbegeisterte und Outdoor-Aktivisten könnte die Landwirtschaft dazu zählen. Die 52 Schaffarmer an der Südküste sollen künftig auch Gemüse anpflanzen. Dank des Klimawandels seien die Sommer dafür mittlerweile lang genug, berichtet Landwirt Iversen. Allerdings sei es in den letzten drei Jahren während der ersten Sommerwochen extrem trocken gewesen.

Unternehmer Rasmussen hat deswegen bereits eine ganz andere Geschäftsidee im Zusammenhang mit dem Klimawandel entwickelt. Nahe der grönländischen Hauptstadt Nuuk liess er für zehn Millionen US-Dollar eine Fabrik zum Abfüllen von schmelzendem Gletscherwasser errichten. (bru/sda)

Erstellt: 13.09.2010, 21:39 Uhr

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