Ein saurer Apfel

Der erste genveränderte Apfel kommt in die Läden. Keine Freude herrscht.

Ein Apfel, der nicht braun wird: In Amerika ist die gentechnisch veränderte Kreation für Anbau und Handel freigegeben. Foto: Arctic Apples

Ein Apfel, der nicht braun wird: In Amerika ist die gentechnisch veränderte Kreation für Anbau und Handel freigegeben. Foto: Arctic Apples

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Darauf hat das Land gewartet: ein Apfel, der nicht bräunt. Acht Stunden nach Anschnitt präsentiert sich die Frucht mit Namen Arctic immer noch gefällig hell. Nun darf sie Amerika erobern: Die Landwirtschaftsbehörde USDA hat die Biokreation für Anbau und Handel freigegeben.

Der Apfel ist in doppelter Hinsicht neu. Bisher dienten Eingriffe ins Erbgut von Nahrungsmitteln meist den Produzenten: Sojabohnen oder Mais wurden widerstandsfähiger gemacht, um eine herzhaftere Anwendung von Pestiziden im Feld zu ermöglichen. Der Arctic ist anders: Er soll dem Konsumenten gefallen.

Doch wird der Konsument das schlucken? Auf keinen Fall, glaubt John Rice, Inhaber eines marktführenden Obstproduzenten in Pennsylvania. In seiner Branche gebe es «keinen Platz für genmanipulierte Äpfel», erklärte er der Presse. Die Bedenken der Kundschaft seien zu gross. Firmen wie McDonald‘s haben bereits vorauseilend versprochen, die Bastelfrucht nicht in ihre Apfeltaschen zu packen. Niemand soll Angst haben.

Grosse Widerstände

Auch in den USA bleiben die Widerstände gegen erbgutveränderte Nahrungsmittel gross. Gemäss einer neuen Studie der Forschungsanstalt Pew halten nur 37 Prozent der US-Bevölkerung den Verzehr von Genfood für sicher. In mehreren Bundesstaaten wird über eine Etikettierpflicht für entsprechende Produkte nachgedacht, Vermont hat eine solche beschlossen.

Von der Wissenschaft lässt sich die Öffentlichkeit kaum beeindrucken; gemäss der Pew-Studie hält die Forschung genveränderte Nahrung zu 88 Prozent für unbedenklich. Und auch in anderen Fragen sind sich Experten und Laien uneins: 98 Prozent der Wissenschaftler, aber nur 65 Prozent der Bevölkerung anerkennen die Evolutionstheorie. Und beim Klimawandel sollen 87 Prozent der Forscher, aber nur 50 Prozent der Bürger den Mensch für ursächlich halten.

Skepsis hat keine politische Heimat. Beim Thema Nahrung finden Zweifler aller Lager zusammen – und stellen ihre Gegner: Gottlose Ingenieure, die an der Schöpfung herumfummeln. Gewissenlose Agrounternehmer, die den Pausenapfel der Kinder vergiften. Regelwütige Beamte, die einem Fluor ins Trinkwasser kippen.

Die Firma Okanagan, die den Arctic Apple geschaffen hat, ist dennoch zuversichtlich. Sie will 70'000 Bäume pflanzen und 2017 die erste Ernte einfahren. Sie baut auf Amerika: Grösser als die Angst vor Neuem war bisher stets die Lust daran.

Erstellt: 19.02.2015, 22:51 Uhr

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